Bild: Arash Marandi

Future

Katharinas Queraufstieg: Von der Finanzberaterin zur Tangokleid-Designerin

22.02.2017, 10:22 · Aktualisiert: 22.02.2017, 11:40

Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Als kleines Mädchen habe ich mir vorgestellt, Fotografin zu werden, wie mein Vater. Später als Studentin wollte ich eine Weile Bankerin werden, der Londoner Finanzmarkt hat mich gereizt.

Was hast du studiert, was war dein erster Job?

Ich habe Wirtschaft in London und Internationales Management und Recht in Hamburg studiert und mich danach erst einmal querbeet beworben: Management, Consulting, irgendetwas in Richtung Wirtschaft und Finance. Ich bin dann als Junior Consultant in Berlin bei einem weltweit tätigen Softwarekonzern eingestiegen, das war spannend: Man ließ mich in verschiedenen Projekten mitarbeiten, eine Woche hierhin, eine Woche dorthin reisen, nach Südafrika, nach Holland oder in die Schweiz.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Wenn man gerade von der Uni kommt, ist ein gutes und festes Einstiegsgehalt ein großer Reiz. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mich dieses Leben nicht erfüllt, dass ich meine kreative Seite nicht ausleben kann. Ich begann mich zu fragen: Wohin will ich wirklich? Die Antwort habe ich über den argentinischen Tango gefunden. Ich tanze sehr gerne, verbringe viel Zeit in Tanzschulen und auf Festivals, und irgendwann habe ich angefangen, meine eigenen Röcke und Kleider zu schneidern. Auf Tanzveranstaltungen haben mich viele Frauen auf meine Kleider angesprochen, also habe ich angefangen, auch für andere Frauen zu nähen. Es kamen immer mehr Anfragen und irgendwann habe ich gemerkt: Das wird eine Kollektion.

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Wie hast du das angestellt?

Ich habe einen Online-Shop mit dem Namen Colección Berlin eröffnet. Die Anfangsphase war sehr anstrengend, ich hatte ja noch meinen Vollzeitjob. Manchmal habe ich nach einem Arbeitstag im Ausland noch im Hotelzimmer für meinen Shop gearbeitet. An den Wochenenden habe ich Bestellungen bearbeitet, Kleider genäht und verschickt. Irgendwann konnte ich nicht mehr beides gleichzeitig machen. Deshalb habe ich im Frühjahr 2016 meinen Beraterjob gekündigt, um mich Vollzeit um mein eigenes Ding zu kümmern. Am Anfang hatte ich noch Ersparnisse aus meinem alten Job, mittlerweile lebe ich aber von meiner Tanzmode. Einen Businessplan habe ich nicht erstellt. Meine Zahlen habe ich aber immer im Blick und rechne jedes neue Modell, das ich auf den Markt bringe, im Excel durch.

Wie geht es dir heute damit?

Ich arbeite viel selbstbestimmter. Ich liebe es, nach neuen Stoffe zu suchen, Schnitte zu entwerfen, auszuprobieren und darin zu tanzen. Wenn ich auf Reisen gehe, bringe ich neue Ideen für meine Kollektion mit. Als Selbstständige stehe ich jeden Tag vor der Herausforderung, mich selbst zu motivieren. Ich habe ja keinen Chef, der mich fordert, nur mein eigenes Gewissen. Feedback bekomme ich direkt von meinen Kundinnen. Aber wenn ich ein neues Modell entwickle, sehe ich erst ein paar Monate später, ob es ankommt oder nicht. Zum Glück läuft es insgesamt gut, und ich bekomme inzwischen so viele Bestellungen, dass ich mit Näherinnen und einer Schneiderin zusammenarbeite. Im Rückblick denke ich, ich hätte vielleicht noch früher kündigen können. Allerdings gehört Mut dazu, einen sicheren und gut bezahlten Job aufzugeben.

Natürlich hilft es, wenn man weiß, dass man jederzeit bei seinen Eltern anklopfen kann, einen Kaffee und einen guten Rat bekommt.

Wer oder was hat dir geholfen?

Am meisten hat mir meine Familie geholfen, vor allem meine Eltern. Sie arbeiten selbst freiberuflich, mein Vater als Fotograf, meine Mutter im pädagogischen Bereich. Ich habe also von klein auf gesehen, wie man auch so über die Runden kommt. Und natürlich hilft es, wenn man weiß, dass man jederzeit bei seinen Eltern anklopfen kann, einen Kaffee und einen guten Rat bekommt.

Ignorieren bitte:

Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, sollte mit Leuten reden, bei denen es geklappt hat. Klar haben viele Menschen tolle Ideen für dieses oder jenes Projekt, vor allem in Berlin, wo ich wohne. Aber entscheidend ist, dass man sich langfristig finanzieren kann. Und man sollte sich nicht durch jene verunsichern lassen, die ihr ganzes Leben einen festen Job hatten.

Und wie gut tanzt du?


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Tag 33: Trump will Migranten schon im bloßen Verdachtsfall abschieben

22.02.2017, 08:56 · Aktualisiert: 25.02.2017, 12:24

Millionen Einwanderer sollen verfolgt werden

Und dann war alles wieder beim Alten: Einen Tag, nachdem der US-Präsident plötzlich eine Entscheidung getroffen hat, die wirklich alle gut fanden (bento), geht es nur noch darum, möglichst viele Migranten abzuschieben. Laut Medienberichten hat Trump das Heimatschutzministerium dazu aufgefordert, das geltende Ausländerrecht künftig so streng wie möglich auszulegen. (New York Times)