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Future

Amelies Queraufstieg: Von der Führungskraft zur Yogalehrerin

12.11.2017, 18:02 · Aktualisiert: 14.11.2017, 12:55

Heute: Amelie, 30 Jahre alt, aus Würzburg

Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Ich wollte unbedingt Jura studieren. Bis mir dann mal jemand erzählt hat, dass man als Anwalt unter Umständen auch Leute verteidigen muss, die vielleicht doch schuldig sind. Das hat mich schnell davon abgebracht.

Was hast du gelernt und warum?

Ich habe nach dem Abi meinen Bachelor in Ernährungswissenschaften gemacht, weil mich das Thema total interessiert hat. Was essen wir? Was kann Essen in uns auslösen? Außerdem habe ich fast 20 Jahre lang Ballett gemacht, da war Ernährung auch immer ein Thema.

Als ich den Bachelor dann in der Tasche hatte, hatte ich aber die Befürchtung, als Ernährungswissenschaftlerin in irgendeinem dunklen Labor zu enden. Dazu bin ich einfach zu gerne mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Also habe ich noch einen BWL-Bachelor oben draufgelegt.

Mein erster Job war dann eine Mischung aus beiden Bereichen, ich wurde Regionalleiterin bei einem großen Lebensmitteleinzelhändler. Dort war ich für alle Kennzahlen- und Personalthemen von sechs Filialen zuständig. Das beinhaltete Aufgaben wie die Personalplanung, Umsatzauswertungen und Inventuren. Ich war für 150 Mitarbeiter verantwortlich – eine positive Herausforderung, die mir abwechslungsreiche Aufgaben und eine große Chance, mich selbst weiterzuentwickeln, bot.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Wieso hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Oft war ich für meine eigenen Chefs der Feuerlöscher und musste mich um akute Probleme kümmern. Für langfristige Lösungen war kaum Zeit. Ab einem gewissen Zeitpunkt konnte ich nicht mehr die Führungskraft sein, die ich sein wollte. Die Werte, die ich für das Unternehmen vertreten sollte, passten nicht mehr zu meinen persönlichen Ansichten von guter Mitarbeiterführung. Ich hätte nicht mehr authentisch arbeiten können. Deshalb habe ich gekündigt.

Wie genau sah dein Plan aus?

Nach der Kündigung wollte ich eine Yogalehrerausbildung machen. Nur für mich, um mehr über Yoga und den philosophischen Hintergrund zu erfahren. Während meines Jobs waren Yoga-Stunden immer meine Ruhe-Oase, in der das Telefon mal nicht klingelte. Ich wollte mit der Ausbildung meinen Kopf und mein Herz einmal in eine komplett andere Richtung bewegen.

(Bild: Ingo Peters Photography)

Hat es funktioniert?

Ich habe die Yogalehrer-Ausbildung im September 2016 begonnen und hatte im November schon meinen ersten Job. Das war eigentlich ein Zufall: Ich war als Teilnehmerin in einem Ballett-Studio. Als ich der Trainerin von meiner Yoga-Ausbildung erzählt hatte, hat sie mich überredet, mal eine Stunde zu geben. Dabei habe ich das ja eigentlich nur für mich gemacht. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt unterrichten kann. Nach der ersten Stunde war mir aber klar, dass das genau mein Ding ist.

Was waren die größten Hürden?

Andere konnten meine Entscheidung sehr schwer nachvollziehen, vor allem Menschen, die mich nicht gut kennen. Zuerst denken viele an den Dienstwagen, das hohe Gehalt und das Prestige meines alten Jobs. Sie sehen aber meist nicht die Verantwortung, die Sorgen, die Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit und den Druck, der damit verbunden ist, selbst Chef zu sein.

Hier findest du alle Queraufsteiger:

Martin Buhrmester
Privat
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Hattest du keine Angst zu scheitern?

Grundsätzlich fühlten sich alle meine Entscheidungen gut und richtig an. Nichts desto trotz habe ich ab und zu auch Zweifel und Ängste, auch durch die fragenden Gesichter und das Unverständnis anderer. War es richtig zu kündigen? Ist es nicht schon fast dreist, heutzutage einen gut bezahlten Job an den Nagel zu hängen? Klar beschäftigt mich das. Ich habe viel mit meinem Partner, Freunden und mit meiner Familie diskutiert – und letztlich haben die Ängste und Zweifel nie überwogen.

Wie hat es sich angefühlt, einen neuen Weg zu gehen?

Es kam so viel Gutes in mein Leben! Durch die Yogalehrerausbildung bin ich offener geworden. Ich bin in Gesprächen präsenter und kann mich besser auf neue Situationen einlassen. Mittlerweile schätze ich scheinbare Zufälle mehr. Dass mich die Inhaberin der Ballettschule zum Beispiel überredet hatte, Yoga-Stunden zu geben, war nicht selbstverständlich. Solche Kleinigkeiten werden mir immer bewusster. Es gab definitiv Höhen und Tiefen auf meinem ‚neuen‘ Weg, aber die Grundstimmung ist und bleibt positiv.

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Wo stehst du jetzt?

Ich habe meine Ausbildung an der internationalen Fitness-Akademie abgeschlossen. Anfang 2017 bin ich mit meinem Partner von Frankfurt nach Würzburg gezogen, das war für seinen Job nötig. Dort habe ich mir verschiedene Yoga-Studios angesehen, in einigen kann ich seitdem Kurse leiten. Die Rückmeldungen auf meine Stunden sind super positiv, meine Homepage, Instagram-Kanal und Facebook-Seite stehen, und neben den Kursen in verschiedenen Studios habe ich Aufträge für Personal-Trainings. Es macht mir unglaublich viel Spaß.

(Bild: Ingo Peters Photography)

Wohin soll deine Reise gehen?

Um ohne Druck Yogastunden konzipieren und anleiten zu können, habe ich mich entschieden, nur nebenberuflich als Yogalehrerin zu arbeiten. Deshalb fange ich im November bei einer IT-Unternehmensberatung an. Ich möchte die Leidenschaft zum Yoga weiterhin beibhehalten und das kann ich aktuell am besten, wenn mein Lebensunterhalt an anderer Stelle finanziert wird.

Und, bist du glücklich?

Ja, das bin ich definitiv. Ich weiß jetzt, dass ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen kann und freue mich auf alles, was noch kommt.


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