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Journalistenschulen sind begehrt. Diese Tipps helfen dir bei der Bewerbung

22.12.2015, 12:13 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Tausende Menschen bewerben sich auf ein paar Dutzend Plätze.

In diesen Tagen beginnen die Bewerbungsphasen an den zwei großen Journalistenschulen des Landes: der Deutschen Journalistenschule in München und der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Jedes Jahr bewerben sich 10.000 junge Menschen aus Deutschland um einen Platz an einer Journalistenschule – nur 300 werden genommen. So bekommst du einen Platz:


(Bild: Henri-Nannen-Schule)

1. Sei verrückt

Andreas Wolfers, Leiter der Henri-Nannen-Schule, sagt: "Es gibt die konventionellen Profis, sie halten mit ihrer Verlässlichkeit unsere Branche zusammen und unsere Standards stabil. Ihnen gilt mein Respekt. Meine heimliche Zuneigung aber gilt den Verrückten.“


(Bild: Privat)

2. Gib niemals auf

Ulrich Brenner, ehemaliger Leiter der Deutschen Journalistenschule, sagt: "Ich habe es bei DJS-Aufnahmeprüfungen immer wieder erlebt, dass Kommissionsmitglieder sagten: Jetzt bewirbt sie/er sich zum dritten Mal, das müssen wir bei unserer Entscheidung unbedingt berücksichtigen. Hartnäckigkeit und Ausdauer sind Eigenschaften, die einem Journalisten nicht schaden. Dass man darüber verfügt, kann man als Prüfungswiederholungstäter beweisen.“


Bewerbungsphase

Der nächste Lehrgang der Henri-Nannen-Journalistenschule beginnt am 11. Juli 2016. Wer an dem Auswahlverfahren für diesen Lehrgang teilnehmen möchte, kann sich vom 21.12.2015 bis 29.1.2016 online bewerben. Mehr Infos.


3. Studier' Bio oder Jura

Marc Thomas Spahl, Leiter der Axel Springer Akademie, sagt: „Es gibt eher wenige Naturwissenschaftler oder auch Juristen unter den Bewerbern. Aber wir haben grundsätzlich keine Quoten in unserem Auswahlverfahren. Wir wollen einfach die Besten finden, egal ob Mann, Frau, Biologe, Theologe oder auch gar nicht studiert, sondern "nur“ Abiturient. Ich möchte erkennen, dass derjenige, der sich bei uns bewirbt, neben Talent vor allem Leidenschaft besitzt. Und dass er in dem, was er später machen will, vielleicht einmal der Beste werden kann.“


(Bild: Henri-Nannen-Schule)

4. Nimm Schauspielunterricht

Klingt irre, aber Wolf Schneider, der Gründungsschulleiter der Henri-Nannen-Schule, sagt: "Sollten Sie eine leicht verknödelte Stimme haben, dann empfiehlt es sich, so ein Auswahlgespräch zu Hause zu simulieren und notfalls mal eine Stunde Schauspielunterricht zu nehmen.“


(Bild: Zeitenspiegel-Schule)

5. Geh duschen

Philipp Maußhardt, Leiter der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl in Reutlingen, sagt: "Das Motivationsschreiben kann schon die halbe Miete sein. Briefe, die mit dem Satz beginnen: "Hiermit bewerbe ich mich um einen Platz an der Reportageschule“, werden weniger beachtet als beispielsweise solche, die so anfangen: "Heute Morgen, unter der Dusche, beschloss ich, mich an der Reportageschule zu bewerben.“


6. Nimm die kleine Handtasche

Renate Lehnert, Sekretärin der Henri-Nannen-Schule, sagt: "Ein Tipp aus der Erfahrung heraus: Bringen Sie keine große Handtasche mit. Ich habe oft bemerkt, dass es Kandidaten irritiert, wenn sie ins Zimmer gehen, sich hinsetzen und dann nicht recht wissen, wohin mit dem Ding.“


(Bild: Felix Rettberg)

7. Lern' diese Jahreszahlen

Joachim Telgenbüscher, Jahrgangsbester beim Wissenstest der Henri-Nannen-Schule im Jahr 2009, sagt, diese Jahreszahlen muss man kennen: "476: Fall von Westrom, 800: Kaiserkrönung von Karl dem Großen, 1066: Normannische Invasion Englands, 1096: Der Erste Kreuzzug, 1347: Pestepidemie, 1453: Fall von Konstantinopel, 1517: Luthers Thesenanschlag, 1618: Beginn des Dreißigjährigen Krieges, 1789: Französische Revolution, 1848: Deutsche Revolution, 1871: Reichsgründung, 1914-1918 Erster Weltkrieg, 1929: Schwarzer Freitag, 1933: Beginn der NS- Diktatur, 1939-45: Zweiter Weltkrieg, 1949: Gründung der BRD, 1961: Mauerbau, 1990: Wiedervereinigung. Reicht das? Ich würde besonders darauf achten, welche großen Jubiläen in nächster Zeit anstehen. 2017 jähren sich übrigens Reformation und Oktoberrevolution. Just saying“.


Buchtipp

Diese Tipps stammen aus dem Buch "Journalistenschule klarmachen: Insider verraten ihre Tipps für die Bewerbung" von Takis Würger. Das Buch findet ihr bei Amazon. (Wenn ihr über diesen Link bestellt, bekommt bento eine Provision.)


(Bild: Henri-Nannen-Schule)

8. Köder die Jury

Ingrid Kolb, ehemalige Leiterin der Henri-Nannen-Schule, sagt: "Ich würde im Lebenslauf immer einen kleinen Köder verstecken. Etwas, wonach ich von der Auswahlkommission gern gefragt werden würde. Um dann mit einer witzigen Anekdote oder einer überraschenden Erkenntnis zu punkten.“


(Bild: Henri-Nannen-Schule)

9. Vergiss Technikspielerei

Leonhard Ottinger, Geschäftsführer der RTL Journalistenschule, sagt: "Auf die technische Finesse der Bewerbungsvideos kommt es nicht an. Wir möchten etwas über die Person erfahren. Videos, die neugierig auf den Bewerber gemacht haben, die den Wunsch geweckt haben, ihn persönlich kennenlernen zu wollen. Das war bei einem einminütigen und ungeschnittenen Statement der Fall, genauso wie bei einem aufwendig gestalteten Kurzfilm.“


(Bild: Wolfgang Maria Weber)

10. Sei ehrlich

Jörg Sadrozinski, Leiter der Deutschen Journalistenschule, sagt: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr riskant ist, der Jury Lügen aufzutischen. Dort sitzen sehr erfahrene Kolleginnen und Kollegen, und gerade bei spektakulären Geschichten kommt oft eine sehr konkrete Nachfrage, die dann die Kandidaten in die Bredouille bringt.“