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01.08.2018, 13:57 · Aktualisiert: 01.08.2018, 16:00

"Mein Dickkopf hat mir geholfen, durchzuhalten."

Wenn es stürmt, dann wackelt sein Häuschen ein bisschen. Wenn es regnet, dann trommeln die Tropfen auf seinem Dach, er kann jeden einzelnen hören. Das Wetter ist Leopold in seiner Wohnung näher als anderen. Sein Wohnraum erstreckt sich über 15 Quadratmeter. Winzig, aber nicht beengt. Er hat gut geplant.

Mit 17 Jahren hat Leopold sein eigenes "Tiny House" entworfen. Am Anfang stand seine Projektarbeit, elfte Klasse Waldorfschule. Seine Freundin und er überlegten, womit er sich beschäftigen könnte. Irgendwann sagte sie im Scherz:

Mach doch was über ein Tiny House.

Im Internet hatten sie Bilder davon gesehen und von dem Trend gelesen. Er kommt aus Amerika, vor fast 100 Jahren entstanden dort kleine Häuser auf Rädern, bei denen anfangs die Mobilität im Vordergrund stand. Inzwischen gibt es weltweit Tiny-House-Projekte, sogar Dörfer, die das Platzproblem in großen Städten lösen wollen.

Lang überlegte Leopold nicht, aber allein über Tiny Häuser zu schreiben, das reichte ihm nicht. Hinterher hat er es auch noch selbst gebaut.

Er hatte eine Vision. Er hat sie bis heute.

Leopold, jetzt 18 Jahre alt, lebt mit 5000 Einwohnern in einer niedersächsischen Kleinstadt, eine Stunde von Lüneburg entfernt. Die Busfahrerin kennt die Menschen, die zusteigen, begrüßt manche namentlich. Hier steigen Schüler an Haltestellen aus, wo weit und breit kein Haus zu sehen ist, nur Felder, Grün und Braun, ein paar Schafe.

Dann kommt plötzlich – Hitzacker. Hier haben Leopolds Eltern ein Grundstück. Sie selbst leben in Pommoissel, 15 Minuten mit dem Auto entfernt. In Hitzacker wohnt Leopold seit einem Jahr, zwischen ganz normalen Häusern.

(Bild: Lisa Maucher/bento)

Seine Freunde besuchen ihn regelmäßig, sind begeistert von seinem Häuschen. Am Anfang haben manche gezweifelt, ob er das alles hinkriegt.

Mein Dickkopf hat mir geholfen, durchzuhalten.

Einen Satz, den er oft höre: "So ein Tiny House hätte ich auch gerne." Niemand findet seltsam, wie er wohnt. Spätestens dann nicht mehr, wenn sie gesehen haben, wie schön er alles eingerichtet hat.

Ein Jahr hat er in den Bau des Hausprojekts investiert, seine komplette Freizeit ging dafür drauf. "Ein paar Mal hab ich mir in den Hintern gebissen", sagt Leopold. Wenn das Wetter nicht mitspielte und das Tiny House verdammt nochmal fertig werden sollte. Wenn er falsch gesägt hatte und das Holz damit hin war. Wenn er ständig alles im Überblick behalten wollte, aber es gerade darauf ankam, einfach mal eine Wand fertigzustellen.

(Bild: Lisa Maucher/bento)

Und nebenher dann noch die Schule, das Abi. "Ich war ja alles. Bauherr, Handwerker, Planer, alles, und das ist wahnsinnig komplex." Er hat gelernt, Schritt für Schritt vorzugehen, auch mal loszulassen. "Sonst wird man verrückt." Beigebracht hat er sich alles selbst. Auf seinem Blog gibt er sein Wissen weiter. Er hat um die 15.000 regelmäßige Leser.

Also: Wozu das alles? Warum macht ein junger Mensch sowas?

Leopold ist ungewöhnlich, im guten Sinne. Er wirkt geerdet, sortiert, reflektiert. Sein Tiny House sei ein künstlerisches und soziales Statement, sagt er. Sozial, weil es ihm um Nachhaltigkeit und Minimalismus geht. Er hat nur so viel zum Leben, wie er wirklich braucht, wenig Besitz, wenige Quadratmeter. Und genau das ist es. Diese Rückbesinnung auf das, was wirklich zählt.

"Es muss nicht immer um mehr, mehr, mehr und größer, größer, größer gehen. Wir verlieren das große Ganze aus dem Blick und die Auswirkungen unseres Verhaltens."

Er verbraucht weniger Wasser und weniger Strom als in einer gewöhnlichen Wohnung, seine Toilette hat keine Wasserspülung.

Leopold will mit seinem Tiny House weder Platz noch Ressourcen verschwenden. "Dass wir Tiny-Häusler aber das Problem der Wohnungsnot lösen, glaube ich nicht", sagt er. Dieses Leben sei nicht für jeden, weil es auch Verzicht bedeute, und zwingen könne man dazu niemanden.

Seit bald einem Jahr lebt er in seinem Häuschen, jeden Tag. Der Boden besteht aus Kork, es gibt ein kleines Sofa, ein Hochbett, einen Vier-Platten-Gasherd, eine Küchenspüle, eine Arbeitsplatte, eine Toilette, eine Dusche. Es ist gemütlich hier, lichtdurchflutet, heimelig. Es ist alles da, was er zum Leben braucht.

Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
Lisa Maucher/bento
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Und wie günstig dieses Leben ist. Wasser hat er bisher von seinen Eltern in Kanistern geholt, sie wohnen ja nur ein paar Kilometer entfernt, zahlen muss er dafür nicht. Dort kann er auch duschen, wenn er im Häuschen gerade mal zu wenig Wasser hat.

Für Strom bezahlt er 42 Euro im Monat. Die Gasflasche für den Herd hält drei Monate. Eine Füllung kostet 20 Euro. Pro Monat kommt er damit auf Fixkosten von etwa 49 Euro. Gekostet hat ihn das Projekt 11.000 Euro. 5000 Euro hatte er selbst, Bekannte hatten ihm ein Boot geschenkt, das hat er verkauft. Den Rest gaben ihm seine Eltern.

"Ich weiß, dass ich wahnsinnig privilegiert bin", sagt er. Leopold ist auf einem Reiterhof aufgewachsen, beide Eltern sind Waldorf-Lehrer. Er hatte keine ernsthaften Sorgen. Auf seinem Unterarm ist ein Tattoo eingestochen: "Alive." Er sagt: "Wenn ich mich nicht lebendig fühle, mach' ich was nicht richtig." Das Tattoo solle ihn daran erinnern.

Leopold mag nicht nur diese alternative Wohnweise. Er hat dadurch auch einen alternativen Lebensstil, will frei sein, unabhängig. Jetzt, das Abi hinter sich, will er erstmal auf Weltreise gehen. Sein Tiny House wird er dann an Touristen vermieten, Hitzacker ist ein Kneipp-Kurort. An einem Buch über Tiny Houses schreibt er nebenbei, wenn er nicht gerade an seinem Blog arbeitet. Und einen Auftrag, ein Tiny House für eine Kundin zu bauen, hat er auch.

Läuft alles. Leopold ist unbeschwert.

Bisher hat das Wichtigste geklappt. Für die Projektarbeit hat er eine glatte Eins bekommen.

(Bild: Lisa Maucher/bento)


Grün

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01.08.2018, 13:30 · Aktualisiert: 01.08.2018, 12:42

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