Bild: Stocksnap / Leeroy

Future

Wie Mietbetrüger versuchen, dich bei der Wohnungssuche auszutricksen

02.11.2015, 10:36 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:21

Biete Wohnung gegen Sex und andere Horrorgeschichten.

Wer zum Semesterstart umgezogen ist, hat in vielen Hochschulstädten einen Spießrutenlauf hinter sich. Dort, wo es wenige gute Wohnungen gibt, blühen Abzocke und Betrug durch tatsächliche und vermeintliche Vermieter.

Wir stellen einige besonders dreiste oder unangenehme Maschen vor, denen man auf Immobilien- und WG-Portalen begegnet. Von Betrügern, trickreichen Maklern – oder älteren Männern mit ganz eigenen Absichten.

1. "Design Jewel in the midst of MITTE!"

Es ist immer die gleiche Masche, nur der Name wechselt: Mal heißt er Sam Wallace, 52, Architekt aus London. Dann wieder Milenko Vasic, 50, Architekt aus Slowenien. Auf den großen Immobilienportalen hat er schicke Wohnungen im Angebot. Verlockende Kurzbeschreibungen wie "Design Jewel in the midst of MITTE!“ klaut er bei Airbnb, die schmucken Fotos vermutlich auch.

Auf Anfragen reagiert er mit Mails, die klingen, als kämen sie frisch aus dem Google-Translator. Ein Treffen sei leider nicht möglich, aber "die Vorsicht ist 600 EUR“, schreibt er und meint damit Vorkasse oder Kaution. Wer die bezahlt, sieht sein Geld sicher nicht wieder.

2. Der vielbeschäftigte Binnenschiffer

Manche Mietbetrüger müssen die Schiffsführer auf der Donau besonders ins Herz geschlossen haben. Auffällig häufig dichten sie sich diesen Beruf an und nennen sich Antônio Márquez oder Klaus Bauer - die Donauschifffahrt ist wohl sehr international.

Der angebliche Vermieter erklärt, dass er für einen Besichtigungstermin sehr weit anreisen müsse. Klar, schließlich schippert er ja auf der Donau.

In der Vergangenheit habe er schon schlechte Erfahrungen mit potentiellen Mietern machen müssen, sei vergeblich angereist. Als Sicherheit verlangt er daher zwei Monatsmieten, 1100 Euro. Die Überweisung soll an den ebay-Käuferschutz gehen. So sei sichergestellt, dass man sein Geld zurückbekommt, wenn man die Wohnung nicht möchte.

Das ist natürlich Quatsch: Der ebay-Käuferschutz ist ein Service von PayPal und gilt ausschließlich für Geschäfte, die direkt über ebay laufen. Die Kontodaten, die die Betrüger angeben, sind ihre eigenen.

Richtig schlau sind diese Abzocker allerdings nicht: So schreibt einer zuerst, er sei 45 Jahre alt. Ein paar Mails später schickt er ein Foto seines angeblichen Personalausweises. Das Geburtsjahr: 1978.

3. Zimmer gegen Zärtlichkeiten

Vor allem Studenten und Auszubildende suchen oft vergeblich nach einem bezahlbaren Zimmer. Das versuchen nicht nur Betrüger auszunutzen. Ganz besonders schamlose Angebote begegnen jungen Frauen bei ihrer Suche: Biete Wohnung gegen Sex.

Insbesondere ältere Männer vermieten Zimmer gegen Zärtlichkeiten, wie die unten eingebettete taff-Reportage zeigt. Aber auch junge Studenten schrecken nicht vor zweideutigen Angeboten zurück. Manche suchen eine "devote Frau mit kleinen Brüsten“, andere wollen sich "einmal die Woche anpinkeln lassen“. jetzt.de hat einige dieser anzüglichen Annoncen zusammengestellt.

4. "Doooooch, das haben Sie bestellt"

Immobilienmakler können helfen, um schnell eine Wohnung zu finden. Und seit Juni zahlt, wer den Makler beauftragt: meist der Vermieter. Doch da die ihre Wohnungen nun lieber selbst vermarkten, hat sich die Makler-Branche etwas einfallen lassen, um wie früher den potentiellen Mieter zur Kasse zu bitten: sogenannte Lockvogelangebote.

Das Vorgehen ist einfach: Der Makler wirbt online für Wohnungen, die es gar nicht gibt oder längst vermietet sind. So sammelt er möglichst viele Daten von Wohnungssuchenden. Die bekommen dann eine standardisierte Antwort: Leider schon vergeben, aber wir können Ihnen gerne bei Ihrer Suche behilflich sein. Wer darauf anspringt, wird zum Auftraggeber - und muss bei Erfolg bis zu zwei Monatsmieten Courtage bezahlen.

5. Wir wollen deine Daten - und lassen dich dann warten

Die Wohnheime der Studentenwerke sind voll, die Wartelisten lang. Längst haben private Investoren das Geschäft mit Studentenwohnungen für sich entdeckt. Die Zimmer heißen dann Apartments, und "vermitteln den Wohnkomfort eines 4-Sterne-Ambientes“. Professionelle Fotos eines Muster-Zimmers locken auf den üblichen Immobilienseiten – auch dann, wenn gerade überhaupt nichts frei ist.

Wer sich vom Angebot locken lässt, erfährt das erst mal nicht. In netter Call-Center-Atmosphäre werden am Telefon persönliche Daten abgefragt: Alter, Studiensemester, Telefonnummer, Mailadresse. Nach ein paar Tagen meldet sich der örtliche Hausverwalter: Vielleicht ist in fünf Monaten wieder ein Zimmer frei. Hätten Sie Interesse?

Verboten ist dieses Vorgehen nicht. Mietexperten raten trotzdem: Immer erst fragen, ob auch wirklich etwas frei ist, bevor man persönliche Daten preisgibt.

Wohnungssuche extrem

Hast du auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann schick uns deine Erlebnisse, gerne mit Links und / oder Screenshots an input@bento.de. Sag uns bitte auch, wie wir dich für Rückfragen kontaktieren können.