Bild: Marcus Krings

10.12.2017, 18:09 · Aktualisiert: 11.12.2017, 11:56

Robert Mülleneisen, 25 und aus Leverkusen, brach sein Mikrobiologie-Studium ab, um Ofen-und Luftheizungsbauer zu werden. Hier beschreibt er seinen Queraufstieg.

Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Puh, einen Traumberuf hatte ich eigentlich nie wirklich. Ich wollte irgendwas mit Forschung machen.

Was hast du gelernt und warum?

Nach dem Abitur habe ich mich in Köln für das Studienfach Mikrobiologie eingeschrieben. Ich dachte, da Biologie mein Lieblingsschulfach war, würde das zu mir passen.

Darüber, eine Ausbildung zu machen, habe ich kaum nachgedacht. Wer Abitur hat, muss studieren – so meine Vorstellung. Das hatte sich nach einem Semester aber schnell geändert.

Ich saß den ganzen Tag am Schreibtisch und lernte viel, mit dem ich im Beruf nichts mehr hätte anfangen können. Das nahm mir die Freude an dem Fach. Ich brach das Studium ab.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Wieso hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Sobald ich beim Studium was im Labor machen konnte, war das total mein Ding. Bakterien züchten, Chemikalien mischen. Aber sobald es an den Schreibtisch ging und super theoretisch wurde, war das Studium nicht mehr mein Fall.

Wie genau sah dein Plan dann aus?

Zuerst hatte ich keinen. Dass ich wirklich abbreche, entschied ich auf einer Mexiko-Reise in den Semesterferien. Das war 2012 und ich war gerade im zweiten Semester.

Ich ließ mir alles durch den Kopf gehen und plötzlich machte es Klick: Es musste was anderes her.

Nach meiner Rückkehr bewarb ich mich bei einer Kaminbau-Firma in Leverkusen, weil ich dort als Schüler ein Praktikum gemacht hatte und es mir sehr gefallen hatte.

Wer Abi hat, muss studieren – so meine Vorstellung
Robert

Zum Glück haben die mich genommen! Und das, obwohl ich nach dem Abitur einen Ausbildungsplatz ausgeschlagen hatte.

Mir war schnell klar, dass die Ausbildung zum Ofen-und Luftheizungsbauer zu mir passt.

Das Tolle daran ist, dass ich jeden Tag Erfolgserlebnisse habe. Das Strahlen in den Augen meiner Kunden, wenn sie zum ersten Mal das Feuer in ihrem neuen Kamin sehen, ist unbeschreiblich. Das löst einen Urinstinkt in denen aus.

(Bild: Marcus Krings)

Was war deine größte Hürde?

Es war schwierig, mir selbst und meiner Familie zu beweisen, dass es das richtige ist. All meine Cousins studieren und meine Eltern hofften insgeheim, dass einer ihrer Söhne Arzt werden würde, wie mein Vater.

Meine Mutter und meine damalige Freundin waren mit meiner Entscheidung, das Studium abzubrechen, nicht richtig glücklich. Es gab nie einen Vorwurf, aber ich habe es gespürt. Doch als Zusage aus Leverkusen kam, stand auch meine Familie voll und ganz hinter mir.

Hattest du keine Angst zu scheitern?

Nein. Ich bin ein Typ, der zu 100 Prozent hinter seinen Entscheidungen steht. Das klingt komisch, weil ich das Studium nicht durchgezogen habe. Aber als ich noch studiert habe, habe ich auch dafür alles gegeben. Irgendwann war mir aber eben klar, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte.

Wo stehst du jetzt?

Mittlerweile bin ich Sachbearbeiter bei meinem Ausbildungsunternehmen. Ich plane alles, was ich früher selbst gebaut habe.

Mehr aufregende Lebensläufe? Hier:

Martin Buhrmester
Privat
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Das klingt zwar langweilig, ist es aber nicht. Ich leite die Abteilung für Kaminanlagen und plane mit den Kunden ihr Produkt.

Dabei müssen viele Dinge abgeklärt werden: Wo soll der Kamin stehen? Soll er das Haus heizen oder lediglich Deko sein? Früher war mein Erfolgserlebnis, einen Kamin fertig zu bauen. Heute ist es der Wandel vom weißen Blatt zum fertigen Entwurf.

Ich bin ein Typ, der zu 100 Prozent hinter seinen Entscheidungen steht
Robert

Ich empfinde Genugtuung. Mit 25 hab ich Abitur, eine Ausbildung, einen Meistertitel und ich weiß, wohin ich möchte. Das können nicht viele von sich behaupten. Die Ausbildung zu machen war für mich genau das Richtige. Die Tage, an denen ich nicht pfeifend zur Arbeit gekommen bin, kann man an einer Hand abzählen.

Und wohin möchtest du gehen?

Bis 2020 möchte ich entweder bei meinem jetzigen Arbeitgeber in die Führungsebene aufsteigen oder mich selbstständig machen und Kaminanlagen anbieten.

Bist du glücklich?

Beruflich total, privat nicht ganz. Ich arbeite sehr viel, da bleibt das andere ein bisschen auf der Strecke. Da, wo Verantwortung getragen wird, arbeitet man eben sehr selbständig: selbst und ständig. Aber ich bin ja erst 25 und habe noch Zeit, um auch private Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen.


Haha

Tafel stürzt (fast) auf Uni-Dozenten in München

10.12.2017, 16:56 · Aktualisiert: 11.12.2017, 17:06

Es ist ja so: Deutsche Unis sind nicht gerade dafür bekannt, besonders gut ausgestattet zu sein. Es ist in manchen Seminarräumen ja schon ein Wunder, wenn die Steckdosen funktionieren. Und in manchen Städten kann man froh sein, wenn einem in der Vorlesung nicht der Putz von der Decke auf den Kopf fällt.