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Bild: von Jungfeld

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Joko Winterscheidt: Klaas hat Gloria, er hat Start-ups

21.10.2015, 10:58 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:21

Im Interview spricht Joko Winterscheidt über seine Start-ups, Jan Böhmermanns Spott und die Frage, wie ein Gründer sein Interesse wecken kann.

Man kennt Joko Winterscheidt. Man hat ihn live im Fernsehen Brennesseln essen sehen. Man hat zugesehen, wie er auf einem Sitz an der Außenwand einer Propellermaschine über den USA fliegen musste, wie ein Wrestler ihn ins Eiswasser von Grönland geschmissen hat.

Seit einigen Monaten fällt der Co-Direktor des "Circus Halligalli" auch in einer ernsteren Mission auf: als wohl berühmtester Start-up-Investor der Republik. Im März gründete er den Concierge-Service GoButler mit, Anfang Oktober gab er ein Investment in die Sockenmarke "von Jungfeld" bekannt. Die beiden Gründer waren kurz zuvor in der "Höhle der Löwen" noch durchgefallen und hatten die Start-up-Show ohne Investment verlassen.

bento: In der „Höhle der Löwen“ sind die Jungfeld-Gründer abgeblitzt, Frank Thelen nannte ihr Geschäft "Schwachsinn“. Was hat er nicht begriffen?

Joko Winterscheidt: Die Investoren in der "Höhle der Löwen“ möchten mit einem Minimum an Investment ein Maximum an Anteilen haben – und am besten noch eine Erfolgsgeschichte, die jetzt schon absehbar ist. Wenn da jemand mit so etwas Bodenständigem wie Socken um die Ecke kommt, kann ich es verstehen, dass einen das nicht so aus den Socken haut. Im wahrsten Sinne.

Joko mit den "von Jungfeld"-Gründern: Deal bei zwei Flaschen Wein am Nachmittag

Joko mit den "von Jungfeld"-Gründern: Deal bei zwei Flaschen Wein am Nachmittag (Bild: von Jungfeld)

bento: Aber du kanntest "von Jungfeld" schon vor dem Fernsehauftritt.

Joko Winterscheidt: Ja, wir haben im April angefangen, zu quatschen, wie wir zusammen kommen können. Klaas hat mal ein Paket von dem Label geschickt bekommen. Und weil er mit Socken nichts anfangen kann, hat er mir die gegeben. Als Lucas von "von Jungfeld“ mich dann angeschrieben hat, fand ich die schon gut.

bento: Trotzdem: Es gibt Tausende Start-ups in Deutschland, die sich Joko Winterscheidt als Investoren und Promoter wünschen würden. Warum "von Jungfeld"?

Joko Winterscheidt: Der Weg war total pragmatisch. Aus alten MTV-Tagen habe ich immer noch ein Xing-Profil, da gucke ich auch wirklich alle sieben Jahre mal rein. Darüber hat mir Lucas von "von Jungfeld“ geschrieben.

Er war einfach cool und lustig: Wir wissen ja, dass du Textilien nicht abgeneigt bist. Wir machen zwar nur Socken, aber würden uns gerne mal mit dir hinsetzen. Ich mag das immer, wenn so eine Initiative kommt und man merkt, dass es den Leuten ernst ist.



Ich bekomme auch viele Mails, in denen mir Pitchdecks geschickt werden. Da sage ich dann immer: Leute, ich brauche kein Pitchdeck. Ich möchte einfach nur wissen: Wer seid ihr, was macht ihr, was ist eure Idee? Und das hatte Lucas schon in der ersten Mail abgedeckt.

Das Socken-Business ist auch keine Rocket Science. Socken braucht jeder – erst recht Socken, die gut aussehen. Wir haben uns dann in Berlin getroffen und beim ersten Treffen zwei Flaschen Wein getrunken. Wir hatten einen sehr guten Nachmittag.

"Wir hatten einen sehr guten Nachmittag."
Joko über das erste Treffen mit den "von Jungfeld"-Gründern

bento: Aber Business-Pläne und Term Sheets liest du nicht, oder?

Joko Winterscheidt: Ich werde auf keinen Fall anfangen, mir die Bilanzen anzuschauen und zu fragen, warum ist diese Position hier höher als im vergangenen Jahr. Einen Großteil meiner Beteiligungen mache ich zusammen mit Anton, einem alten Freund. Wir kennen uns schon lange und die betriebswirtschaftlichen Details erklärt er mir.

Ich bin eher auf Augenhöhe mit den Gründern, wenn es um stilistische und inhaltliche Fragen geht. Außerdem unterstütze ich sie in den Bereichen PR und Marketing.

bento: Heißt das, dass in Circus Halligalli jetzt öfter mal deine Socken hervorblitzen werden?

Joko Winterscheidt: Ich möchte nicht unken, aber das haben sie auch vorher schon getan. Wegen des Pakets von Klaas waren auch vorher schon Socken von "von Jungfeld“ dabei. Es wird aber auch Anlässe geben, wo ich dicke Boot-Socken tragen werde. Wenn ich in den Bergen bin und da so eine dünne, feine Socke anhabe, die super zu einem Anzug passt, würde ich mir wahrscheinlich die Füße abfrieren.

Joko mit GoButler-Gründer Navid Hadzaad: "Ich hab mehr Spaß daran, mein Geld in Start-ups anzulegen."

Joko mit GoButler-Gründer Navid Hadzaad: "Ich hab mehr Spaß daran, mein Geld in Start-ups anzulegen." (Bild: Bits & Pretzels)

bento: Mit GoButler bist du zu TV Total gegangen. Machst du solche Auftritte jetzt auch für deine Sockenbeteiligung?

Joko Winterscheidt: Es muss halt grundsätzlich Sinn machen. Bei GoButler fand ich das smart, weil es eine Anwendung ist, die jeder benutzen kann. Bei "von Jungfeld“ muss man die Leute anders abholen. Sich hinzusetzen und über Socken zu reden, ist relativ schnell erschöpft. Da muss man eher nachdenken, wie man in Form von kleinen Spots und Anzeigen, die man im Netz streut, Aufmerksamkeit bekommt.

bento: Jan Böhmermann macht sich häufig über Start-ups und deine Promo für sie lustig, wie kürzlich mit dem "Kein Keks“-Clip in seiner Sendung. Kannst du darüber lachen?

Joko Winterscheidt: Jan Böhmermann schreibt mir privat SMS, in denen er den Hut davor zieht, dass ich da so aktiv bin, und er es total gut findet. Er ist auch "GoButler“-Nutzer, hat er mir erzählt. Ich weiß nicht, ob er das als Entschuldigung macht, damit er in der Sendung draufhauen darf.

Ich kann drüber lachen, weil ich Jan sehr lustig finde. Also nicht inhaltlich, er sieht einfach lustig aus. Jan kann gerne noch mehr machen. Solange er die Namen "von Jungfeld“ und GoButler nennt, freue ich mich einfach über die Promo.


bento: Als Schweppes das Getränk deines Freundes nachgemacht hat, bist du nicht ganz so cool geblieben.



Joko Winterscheidt: Ja, da war ich von 0 auf 180. Hesam hat in Herbal Moscow sein komplettes privates Geld gesteckt und über vier Jahre dieses Getränk entwickelt. Und dann will sich da ein Multimillionenkonzern so billig auf den Erfolg eines Underdogs draufsetzen und einen Menschen, der die bessere Idee hatte, aus dem Markt drängen. Da ist einfach mein Gerechtigkeitssinn in mir hochgekommen. Vielleicht war es nicht das Smarteste, das so drastisch zu formulieren. Ich hätte es ein bisschen entspannter angehen sollen.

ein multi millionen unternehmen wie Schweppes kopiert den drink meines freundes HERBAL MOSCOW und ich frage mich! ist das fair?! macht sie bitte fertig! danke!!! SHARE IT!!!!

Posted by Joko Winterscheidt on Montag, 10. August 2015


bento: In Böhmermanns Parodie-Song "Besoffen bei Facebook“ hast du es damit jedenfalls geschafft.

Joko Winterscheidt: Ja, da hab ich für die Aktion eins abgekriegt. Aber mein Gott, was solls? Ich hab Jan danach gefragt, ob ich ihm ein Honorar stellen kann für den Content, den ich für die Sendung generiert habe. Da hat er nur laut gelacht und gesagt, dass er das mal inhouse klären muss.

bento: Auf der Münchner Start-up-Konferenz "Bits and Pretzels“ wurdest du als "deutscher Ashton Kutcher“ vorgestellt. In den USA gibt es neben Kutcher viele prominente Start-up-Investoren - Justin Bieber, Bono, Jessica Alba. In Deutschland gibt es eigentlich nur dich. Warum?

Joko Winterscheidt: Ich find das komisch. Das ist ein total smartes Modell. Nicht mal primär, weil man damit schnell reich werden kann, das ist Quatsch. Jedes Start-up kann ganz schnell in die Hose gehen. Aber ich kann die mediale Aufmerksamkeit, die ich habe, auf ein Unternehmen lenken, das sich die sonst nicht leisten könnte.

Ich wundere mich, dass nicht mehr Fußballer und andere bekannte Sportler das für sich entdecken. In Amerika ist es gang und gäbe.

Es liegt wohl daran, dass die Start-up-Szene in Deutschland nicht den besten Ruf hat. Da schluckt irgendein Unternehmen ein anderes und jemand bekommt nach sehr kurzer Zeit eine riesige Summe Geld. Da löst hier dann immer Neid aus.

bento: Was sagt denn Klaas dazu?

Joko Winterscheidt: Von ihm kriege ich schon öfters eine Breitseite. Weil es eben leicht ist, darüber Witze zu machen. Ich gehe aber auch nicht bei ihm damit hausieren, dass ich jetzt in ein Socken-Unternehmen investiere. Er hat mich damals auch nicht gefragt, ob er Gloria gründen darf. Und tief in seinem Herzen freut sich der Mensch Klaas Heufer-Umlauf auch, dass ich etwas gefunden habe, was auf eine Art meine Band ist.

bento: Sind Start-ups auch deine Altersvorsorge?


Joko Winterscheidt: Ich müsste lügen, wenn ich Nein sage. Klar bleibt mein Kerngeschäft "Circus Halligalli“ und der Kosmos, den wir uns darum aufgebaut haben. Aber wer weiß, wie lange das noch gutgeht, was ich hier mache?

Wenn GoButler durch die Decke geht, könnte ein möglicher Exit natürlich interessant werden. Bei "von Jungfeld“ ist es ein anderer
Gedanke: Die wollen das Unternehmen noch in 20 Jahren führen. Für mich ist das eine Absicherung – als ob ich auf die Bank gehe und eine Riester-Rente abschließe. Ich habe aber mehr Spaß daran, mein Geld in Start-ups anzulegen.

Die gehen aber auch häufiger pleite.


Joko Winterscheidt: Deswegen habe ich mit GoButler ein tech-lastigeres Investment getätigt und mit "von Jungfeld“ ein bodenständig-handwerkliches. Aber klar, jedes Unternehmen hat ein hohes Risiko. Es kann auch sein, das jemand ein Spray erfindet, dass man sich auf die Füße sprüht statt Socken anzuziehen. Dann findet "von Jungfeld“ ein jähes Ende und das Geld ist futsch.

Die Start-up-Szene in Deutschland hat nicht den besten Ruf
Joko Winterscheidt

bento: Risiko breiter streuen, würde ein guter Bankberater empfehlen. Hast du Pläne?

Joko Winterscheidt: Klar! Ich denke immer mal wieder über eigene Gründungen nach, mit Freunden zusammen. Und natürlich weitere Investments. Jetzt, wo die Leute merken, dass das mit GoButler nicht so ein One-Off-Ding war, warum sollte ich da nach zwei Investitionen aufhören? Es gibt eine Menge Start-ups – aber es muss eben passen.

bento: Wann passt es denn für dich?

Joko Winterscheidt: Ich muss von der Idee überzeugt sein, ich muss die Leute gut finden und ich muss Spaß daran haben. Deswegen schaue ich mir auch das Team besonders genau an. Ich mag es mit Menschen zu arbeiten, mit denen ich auch kann. Es kann sein, dass es die geilste Idee ist, aber die Gründer nicht auf meiner Wellenlänge liegen, dann hätte ich auch keine Lust drauf.


Mitarbeit: Martin Wiens



Nik Myftari kam als Kriegsflüchtling nach Deutschland - heute ist er erfolgreicher Start-up-Gründer.