09.06.2018, 22:45

Es rumpelt im Bauch.

Irgendwie rumpelt es im Bauch. Vielleicht lag es am Mittagessen – es musste schnell gehen, außerdem waren in der Sauce sehr viele Zwiebeln. Und jetzt? Kann die Luft nicht raus. Schließlich ist man kein fünf Jahre altes Kind mehr, bei dem alle verständnisvoll lächeln, wenn man es in der Öffentlichkeit doch tut...

Aber ist es ungesund, Blähungen zu unterdrücken? Und was kann man machen, damit sie gar nicht erst auftreten? Wir haben Thomas Frieling gefragt, Chefarzt am Helios Klinikum Krefeld.

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt und Beziehungen auf das nächste Level gehoben. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also fragen wir Experten, wie wir unser Leben hacken – oder uns zumindest nicht mehr wie Idioten benehmen.

Woher kommen Blähungen überhaupt?

"Blähungen gehören zu den kompliziertesten Themen der inneren Medizin", sagt Frieling. "Sie können viele Ursachen haben: bestimmte Lebensmittel, Unverträglichkeiten oder falsches Verhalten beim Essen."

Auch unterschiedliche Erkrankungen können dazu führen, dass sich mehr Gase im Darm sammeln. Manchmal produzieren auch Bakterien im Darm diese Gase – auch das ist von Zeit zu Zeit normal. Fest steht: Blähungen sind im Normalfall nicht problematisch. "Jeder Mensch hat irgendwann Blähungen", sagt Frieling. "Die Frage ist immer, wie dramatisch man sie bewertet."

Wie oft ist normal?

Bei gesunden Menschen gibt es pro Tag zwischen zehn und 20 "Luftabgänge", wie Frieling es nennt. Pro Tag entstehen im Darm etwa zehn Liter Gas, von dem wir den Großteil über die Lunge abatmen. Nur etwa zehn Prozent verursachen Blähungen. (Gastro Liga)

Wie viel Luft es bei uns persönlich ist, hängt auch davon ab, wie wir essen, trinken – und schlucken. "Normalerweise schlucken Menschen etwa sechs bis acht Mal pro Minute", sagt Frieling. "Es gibt Menschen, bei denen es zehn oder 20 Mal sind. Natürlich kommt dabei eine viel größere Menge Luft in den Darm."

Und die will später wieder raus.

Jeder Mensch hat irgendwann Blähungen. Die Frage ist immer, wie dramatisch man sie bewertet.
Thomas Frieling

Bohnen blähen – und was noch?

Bohnensuppe in der Mensa und danach in den vollen Hörsaal: Könnte unangenehm werden. Aber auch alle anderen Hülsenfrüchte wie Linsen oder Kichererbsen sorgen für mehr Luft im Darm. "Auch Ballaststoffe können eine Rolle spielen", sagt Frieling. "Sie sind zwar grundsätzlich sehr gut, aber wer zum Beispiel viele Leinsamen und Weizenkleie zu sich nimmt und unter Blähungen leidet, sollte hier vielleicht reduzieren."

Natürlich reagiert jeder von uns anders auf spezielle Lebensmittel – deshalb kann es auch sein, dass bei manchen Menschen Tomaten oder Zucchini zu Problemen führen, während andere überhaupt nichts davon spüren.

Und worauf kommt es beim Essen noch an?

Es ist nicht nur entscheidend, was wir essen – sondern auch, wie. "Die Essenshygiene spielt eine große Rolle", sagt Frieling. "Wer zu schnell isst und nicht ordentlich kaut, sorgt für mehr Luft im Darm. Wenn sie nicht durch Aufstoßen wieder abgegeben wird, kommt es zu Beschwerden im Dünn- und Dickdarm."

Einen Einfluss haben auch die Getränke:

  • Wasser oder andere Drinks mit Kohlensäure verstärken den Blähungseffekt;
  • Kräutertee sorgt für das Gegenteil.

Wie finden wir raus, was wir nicht vertragen?

Auch wenn das Internet voller Erfahrungsberichte und Tipps ist: Nein, Lactose, Gluten oder Fruchtzucker müssen nicht aus dem Leben verbannt werden. "Unverträglichkeiten sind immer höchst individuell", sagt Frieling.

Wer Beschwerden hat, dem kann ein Ernährungstagebuch über vier Wochen helfen. Die Heftseite in der Mitte teilen, dann:

  • Links alle Lebensmittel aufschreiben, die gegessen wurden.
  • Rechts die Beschwerden hinzufügen, die man hatte.

Vermutlich bilden sich schnell Muster: Nach dem Milchkaffee wird’s unangenehm? Dann die Milch reduzieren und schauen, ob es besser wird. Wenn die starken Blähungen anhalten und man die Ursache nicht herausfindet: Besser zum Arzt und abchecken lassen.

Wenn man es unterdrückt, werden die Beschwerden zunehmen.
Thomas Frieling

Und was, wenn wir Blähungen unterdrücken?

Die Luft will raus – aber wir wollen sie nicht lassen. Einen direkten Schaden führen wir unserem Körper damit nicht zu. "Luftabgänge sind ein Signal des Körpers, dass er Luft ablassen will", sagt Frieling. "Wenn man es unterdrückt, werden die Beschwerden zunehmen." Der Druck im Bauch wächst, Krämpfe oder Schmerzen können entstehen.

Immerhin: Das ist alles nur vorübergehend. Wissenschaftler haben noch keine ernsten Erkrankungen entdeckt, die dadurch entstehen, dass wir die Luft zwingen, im Darm zu bleiben.

Was hilft gegen Blähungen?

"Es gibt einige klassische Hausmittel, die bei Blähungen helfen", sagt Frieling. Er empfiehlt:

  • Kümmel
  • Pfefferminze
  • Myrrhe
  • Salbei

Aus den Kräutern lässt sich Tee zubereiten, den gibt's fertig auch im Reformhaus oder Supermarkt und hilft gegen den Druck im Bauch. Außerdem gibt es einige pflanzliche Medikamente, die einen ähnlichen Effekt haben. Wem die Kräuter also nicht schmecken, kein Problem: "Einreiben des Bauchs mit Pfefferminzöl kann ebenfalls Erleichterung verschaffen", empfiehlt der Arzt. "Das Öl geht über die Haut ins Blut und entfaltet so seine Wirkung."

Wer von vorneherein dafür sorgen will, dass der eigene Darm stabil und weniger sensibel ist, kann versuchen, das eigene Mikrobiom (was wir meistens als "Darmflora" kennen) zu stärken. "Man kann versuchen, durch Probiotika Einfluss zu nehmen, aber dazu gibt es noch recht wenig Daten."

Wer es trotzdem testen will: Probiotika sind gesunde Bakterien, die wir mit der Nahrung aufnehmen – zum Beispiel durch fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kombucha.


Fühlen

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