Bild: Ironhack

08.08.2018, 07:00 · Aktualisiert: 07.08.2018, 17:51

Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

Du willst deinen Job wechseln, mehr verdienen und interessierst dich für Programmieren? Dann stößt du bei deiner Suche vielleicht auf eines dieser Angebote: Eine Hand voll Startups versprechen dir, dich binnen kurzer Zeit zum IT-Spezialisten auszubilden und dir den Start in eine neue Branche zu vereinfachen.

So zum Beispiel ein Dienstleister aus Berlin. 6000 Euro kostet beim spanischen Startup "Ironhack" die Investition in die berufliche Zukunft, gerade mal neun Wochen dauert der Kurs. "Ironhack" wurde von Gonzalo Manrique gegründet – er arbeitete bereits als Ingenieur in Berlin, studierte später Management in den USA. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in seiner Heimat Spanien und die Erkenntnis, dass die Ausbildung an Universitäten oft nichts mit dem eigentlichen Job zu tun hat, brachte ihn auf die Idee zu seinem Unternehmen.

Es gibt noch mehr solcher Angebote

  • Das Berliner Startup "Careerfoundry" bietet sogar Jobgarantie. Jede, die sechs Monaten nach Abschluss keinen Job findet, bekommt die Kosten zurück. Die Kurse finden alle online statt. (Tagesspiegel)
  • "Academic Work" bildet dich in JAVA-Programmierung aus und verspricht dir danach eine feste, unbefristete Stelle. Zuvor musst du einen Test absolvieren, die Ausbildung dauert 12 Wochen.

Programmiererinnen und Programmierer sollen bei "Ironhack" und anderen Ausbildungseinrichtungen gezielt für die Praxis vorbereitet werden – Unternehmen mit Fachkräftemangel sowie Menschen auf der Suche nach einem neuen Job sollen davon beidseitig profitieren. "Jeder kann zu uns kommen – Lehrer, Barkeeper, Ingenieure, Werber", sagt Manrique zu bento. Wer einen Test besteht und aufgenommen wird, der soll anschließend die Chance auf eine Karriere in einem Großkonzern haben.

Kann das wirklich funktionieren?

Wir haben uns das Angebot genauer angeschaut und mit zwei Frauen gesprochen, die es wissen müssen.

Ute Mayer, 40, ist IT-Consultant bei INNOQ und Teil der Rails Girls, einer Gruppe, die gezielt Frauen kostenlose Programmier-Schnupperkurse anbietet. Sie ist skeptisch und hat dafür viele Gründe: "Es gibt für weniger Geld genauso gute, wenn nicht sogar bessere Kurse."

Sie schätzt das Konzept von "Ironhack" und Co. als gute Programme für Einsteiger. Aber selbst wer ambitioniert sei und während der neun Wochen auch seine komplette Freizeit opfere, sei danach kein Profi.

"Wer danach weiter dran bleibt, findet vielleicht eine Junior-Stelle im Bereich Webentwicklung, aber man zählt sicherlich nicht zu den Topverdienern." Ein Zertifikat einer privaten Schule sei nicht bei der Ausbildung zum Fachinformatiker zu vergleichen. Mayer hat an der "Beuth Hochschule für Technik Berlin" Medieninformatik studiert. Zu dem Vorwurf, die Universitäten seien nicht am Puls der Zeit, entgegnet sie:

"Die Universität lehrt Grundlagen, die unabhängig sind von Trends. Klar, vieles davon benötigt man am Ende nicht unbedingt für den Beruf. Mehr von Fachleuten vermittelte Programmierpraxis neben den Vorlesungen wäre gut. Trotzdem glaube ich, dass du nach der Uni die Fähigkeit hast, dich schneller in Technologien einzuarbeiten und zu bewerten, wann der Einsatz sinnvoll ist und wann nicht. Bei Kursen wie Ironhack bekommst du in kurzer Zeit nur die absoluten Basics zu einem stark begrenzten Themengebiet und die derzeit gefragtesten Technologien vermittelt. Für grundlegende Prinzipien ist keine Zeit.“

Bei der Webentwicklung käme es darauf an, wie Server, Back-End, Front-End und Datenbank zusammenhängen, aber das soweit zu verstehen, dass man selbstständig arbeiten kann, brauche einfach Zeit – neun Wochen seien nicht genug.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Ute schlägt folgende Alternativen vor:

  • Freecodecamp: Ein Community basiertes Camp, das kostenlos ist. (Hier geht es zur Webseite.)
  • Udacity: Eine Plattform, auf der namhafte Universitäten ihre Kurse veröffentlichen. Es gibt fertige Kurspläne mit Modulempfehlungen. Wer ein Zertifikat möchte, muss wenige Dollar dafür bezahlen. Viele Kurse sind kostenlos. (Hier geht es zur Webseite.)
  • Treehouse und Pluralsight: Videokurse für Einsteiger, die monatlich ein paar Dollar kosten.
  • Außerdem die Kurse von Harvard.

Was sagt die Branche selbst zum Arbeitsmarkt?

Juliane Petrich ist Referentin für Bildung und Arbeit beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Bitkom. Auch sie hält die Kurse für nicht vergleichbar mit einem Informatikstudium oder einer Ausbildung. Dafür würde aber sehr spezifisches Wissen vermittelt, das gerade am Arbeitsmarkt gefragt ist.

"Wer kein Grundverständnis für das Programmieren und eine Affinität zur Informatik mitbringt, ist hier sicherlich falsch", sagt Petrich. Auch die Erfolgsaussichten auf einen anschließenden Jobeinstieg sieht sie skeptisch.

"In Deutschland legen Unternehmen immer noch viel Wert auf ein Studium. In den USA ist das anders – dort schaut man mittlerweile weniger auf Abschlüsse, sondern mehr auf die tatsächlichen Fähigkeiten des Bewerbers."

Wer selbstständig kostenlose Online-Kurse absolviere, brauche eine höhere Eigenmotivation – und ein Zertifikat gebe es am Ende meist auch nicht, merkt Petrich an.

Bitkom schätzt, dass derzeit rund 55.000 IT-Spezialisten in Deutschland fehlen. Mit der derzeitigen Anzahl an Studentinnen und Studenten könnten diese Stellen nicht besetzt werden. "Außerdem ist die Abbruchrate sehr hoch, nur 50 Prozent der Studierenden schließen ihr Informatikstudium auch ab."


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