Bild: Instagram/lissettecalv

11.03.2018, 17:56 · Aktualisiert: 12.03.2018, 18:33

Restaurant-Besuche, Shopping, Partys, Körperpflege, Reisen: Das sind die Zutaten für ein perfektes Influencer-Leben. Zutaten, die alle Geld kosten.

Wenn man so ein Leben lebt, das Geld aber nicht hat, führt das zu Schulden. Dass diese Rechnung tatsächlich so einfach ist, musste auch Lissette Calveiro feststellen. Für einen perfekten Instagram-Feed gab sie Geld aus, das sie nicht hatte – und häufte so 10.000 Dollar Schulden an.

Lissette, die in der PR-Branche arbeitet, zieht 2013 für ein Praktikum von Miami nach New York und wird dort gleich vom "Sex and the City"-Spirit erfasst. Auf Instagram möchte sie ihre Geschichte erzählen, Titel: "Wie ich als Millennial in New York lebe".

Das Wichtigste dabei natürlich: dass es gut aussieht. Also geht Lissette häufig und ausgiebig shoppen – während sie bei ihrem Praktikum leider nur eine Beförderungspauschale bekommt.

Irgendwann zieht sie zurück nach Miami. Den schönen Instagram-Lifestyle will sie auch dort weiterführen. Als sie ihren ersten Job anfängt, leistet sie sich Partys, Essengehen und weitere Klamotten.

Weil ein Instagram-Account, der ständig nur dasselbe zeigt, langweilig ist, beginnt sie außerdem zu reisen: Mindestens einmal im Monat macht sie bildgewaltige Trips durch die USA und den Rest der Welt.

Und damit sie in Lissabon bloß nicht dasselbe Outfit tragen muss wie auf den Bahamas, geht sie weiterhin eifrig shoppen – 200 Dollar im Monat plant sie für neue Outfits ein, dazu rund 1000 Dollar für Designerteile wie eine Louis Vuitton-Tasche.

Auf dem Papier, bzw. dem Insta-Feed, sieht das auch alles gut aus – Lissette hat Tausende Follower, ihre Fotos unterscheiden sich nicht von denen anderer Influencer. Nur: Lissette kann sich dieses Leben nach wie vor nicht leisten: "Die Schulden begannen, mir über den Kopf zu wachsen", sagt Lissette heute (New York Post).

Ich lebte eine Lüge
Lissette

Insgesamt häufte sie über 10.000 Dollar Schulden an, also etwa 8.000 Euro. Dass es so nicht weitergeht, sieht sie ein, als sie 2016 erneut nach New York zieht. In Miami hatte sie noch bei ihren Eltern gelebt, nun muss sie auch noch für ihre Miete aufkommen. Sie beschließt, ihren Lebensstil zu ändern.

Der wichtigste Schritt: ihre Instagram-Aktivitäten herunterfahren. Für die Follower gibt es in dieser Zeit erst mal nur noch Reposts, alte Bilder also. Lissette lernt, selbst zu kochen, gibt weniger Geld aus. Doch schafft sie es, die Schulden vollständig abzubezahlen?

Es dauert 14 Monate, in denen Lissette ihr Leben umstellt. Eine Zeit, in der sie sich auch mit der Insta-Industrie auseinandersetzt, die von ihren Mitgliedern in einer immer schnelleren Regelmäßigkeit neue Fotos verlangt, wenn sie erfolgreich werden wollen. Wer sich die Accounts der großen Influencer anschaut, bemerkt: Sie zeigen sich an nahezu täglich wechselnden Orten auf der Welt, in immer neuen Klamotten, mit immer neuen Freunden, die sie umgeben. Unrealistisch – und faszinierend.

Inzwischen bereut Lissette, sich für Follower verschuldet zu haben. Ihrer Meinung nach hat die gesamte Branche ein Problem: "Auf Instagram redet niemand über seine Finanzen", sagt sie. Und: "Mir macht es Sorgen, wie sehr Frauen sich um Äußerlichkeiten kümmern."

Sie selbst hat es trotzdem nicht geschafft, sich ganz von der Plattform zu verabschieden. Ihren Account führt Lissette weiter – mit dem Unterschied, dass sie jetzt nur noch Geld dafür ausgibt, das sie auch tatsächlich hat. Statt Klamotten zu kaufen, nutzt sie beispielsweise einen Leihservice. Zweimal mit dem gleichen Outfit herumlaufen, sagt sie – das möchte sie aber noch immer nicht.


Sport

Per Mertesacker erzählt vom riesigen Druck im Profi-Fußball – und Lothar Matthäus kapiert gar nichts

11.03.2018, 17:41 · Aktualisiert: 12.03.2018, 18:35

Empathie ist kein französischer Innenverteidiger.​

Lothar Matthäus steht für alles, was im Fußballgeschäft immer noch schiefläuft. Das hat sich an diesem Wochenende mal wieder eindrücklich gezeigt.

Anlass ist ein Porträt des früheren Nationalspielers Per Mertesacker im SPIEGEL. Mertesacker erzählt, wie sehr er Zeit seiner Karriere unter Druck stand, wie er unter diesem Druck gelitten hat. Besonders schlimm sei es während der WM 2006 gewesen, das Ausscheiden gegen Italien habe er vor allem als Erleichterung empfunden.