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Warum es wichtig ist, für eine 28-Stunden-Woche zu kämpfen

19.01.2018, 11:10 · Aktualisiert: 05.02.2018, 13:21

"Wir tun den Arbeitgebern letztlich einen Gefallen"

Michael Schmitzer ist der Bundesjugendsekretär der IG Metall. Er hat selber eine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker gemacht und in einem Industriebetrieb gearbeitet. Die IG Metall ist eine Gewerkschaft und vertritt die Interessen der Arbeitnehmer in Bereichen wie der Metall- und Elektroindustrie, dem Maschinenbau oder auch der Holz- und Kunststoffindustrie. Alle Beschäftigten, Auszubildenden und Studierende aus diesen Bereichen können bei der IG Metall Mitglied werden. Die IG Metall-Jugend hat rund 230.000 Mitglieder und ist die größte politische Jugendorganisation in Deutschland. 

Sie seien unpolitisch und ich-bezogen: Das wird den unter 30-Jährigen von allen Seiten attestiert. Die Älteren stellen sich hin und finden: Früher war mehr Revolution, man wollte mehr Veränderung. Einer ganzen Generation wird das Etikett "Egotaktiker" angehängt.

Wer richtig hinschaut, sieht junge Menschen, die eine andere Vorstellung von einem erfüllten Leben haben. Ein Schock für diejenigen die heute noch glauben, man könne nur mit einer 60-Stunden-Woche Karriere machen. Die Jugend von heute will die Arbeit an ihre Bedürfnisse anpassen. Das ist politisch und das ist progressiv. Im Grunde ist das revolutionär:

Wir wollen arbeiten um zu leben, nicht leben um zu arbeiten.

Junge Beschäftigte haben eine hohe Erwartungshaltung, das erlebe ich in Gesprächen. Auch fällt oft die Frage, was die IG Metall für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben unternimmt. Die jungen Menschen wollen mehr Freiräume. Sie wollen mehr Zeit für sich.

"Die Arbeit soll sich dem Lebensrhythmus anpassen", lautet ein Ergebnis in der Shell-Jugendstudie 2015. "Gute neun Zehntel der Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass Familie und Kinder nicht zu kurz kommen dürfen."

Einen Schritt in diese Richtung will die IG Metall in der aktuellen Tarifrunde erreichen.

  • Jeder und jede soll das Recht bekommen vorübergehend, befristet auf zwei Jahre, seine Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche abzusenken.
  • Wer sich in der Zeit um sein Kind kümmert oder Angehörige pflegt oder eine besonders belastende Tätigkeit ausübt, soll vom Arbeitgeber einen Zuschuss erhalten. Das ist wichtig, denn ohne finanziellen Ausgleich könnten sich nur Gutverdiener leisten, weniger zu arbeiten.
  • Außerdem fordert die IG Metall 6 Prozent mehr Lohn.

Noch schalten die Arbeitgeber auf Abwehr. Die rigorose Ablehnung eines Entgeltzuschusses dient dazu, finanziellen Druck aufrecht zu erhalten. Trotz Tischkickern im Pausenraum sind sie nicht moderner als in den fünfziger Jahren.

"Sex Prozent für alle": Kundgebung der Gewerkschaft IG Metall am 9. Januar in Schweinfurt (Bayern)

"Sex Prozent für alle": Kundgebung der Gewerkschaft IG Metall am 9. Januar in Schweinfurt (Bayern) (Bild: dpa / Timm Schamberger)

Aber die Arbeitgeber bekommen zu spüren, dass immer mehr junge Menschen Wert auf ausreichend Freizeit und Familie legen. Sie sind nicht einfach mehr bereit, ihre Bedürfnisse und Gesundheit den Anforderungen der Unternehmen unterzuordnen. Besonders junge Frauen wollen sich nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen.

Bei einer Versammlung bei einem Automobilhersteller in Stuttgart erzählte eine junge Frau, dass sie keine Lust habe so zu arbeiten wie ihr Vater. Der bekomme regelmäßig samstags Anrufe von seinem Vorgesetzten, und dann sei das Wochenende für ihn und die Familie gelaufen.

Mit unserer Forderung tun wir den Arbeitgebern letztlich einen Gefallen: Sie werden attraktiver für junge Fachleute, wenn sie ihnen flexible Arbeitszeitmodelle bieten.

(Bild: SPIEGEL ONLINE)

Der viel beschworene Fachkräftemangel schafft nicht nur Druck in den Betrieben, sondern führt auch zu einem stärkeren Selbstbewusstsein der jungen Menschen. In der Studie heißt es: "Gerade die gut ausgebildeten Jugendlichen erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass er ihnen die flexible Anpassung der Arbeitszeiten an Freizeitaktivitäten und Familienbedürfnisse ermöglicht."

Die deutschen Unternehmen müssen sich ernsthaft mit den Arbeitszeitwünschen junger Beschäftigter auseinandersetzen. Ideologische Scheuklappen und rückwärtsgewandte Phrasen, wie wir sie zurzeit von den Arbeitgebern hören, werden ihnen dabei nicht helfen. Wir brauchen fortschrittliche Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Die Forderung der IG Metall ist so eine.

Am Ende werden uns die Metall-Arbeitgeber dankbar sein, dass wir ihnen Nachhilfe im Umgang mit den Wünschen der jungen Generation geben.

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