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So erziehst du deinen Sohn feministisch

30.10.2017, 11:23 · Aktualisiert: 01.11.2017, 15:11

Er soll Frauen sexuell belästigt, bedrängt, und vertraglich mit ihnen vereinbart haben, dass sie kein Wort darüber verlieren dürfen: Seit der Affäre um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein diskutieren Menschen unter #metoo auf der ganzen Welt über Sexismus in Beruf und Alltag – und darüber, wie Männer und Frauen sich verhalten sollten, wenn sie in einer offenen, toleranten Gesellschaft leben möchten.

Wer sich die Debatte genauer ansieht, stellt schnell fest, dass es dabei oft um weibliche Perspektiven geht: Was können Frauen machen, um sich zu wehren?

Wie handelt die feministische Frau? Wie erziehe ich Mädchen, wenn ich sie auf das Leben in einer Gesellschaft vorbereiten will, in der Debatten wie diese geführt werden?

Doch wer sich damit auseinandersetzt, kommt wohl nicht umhin, sich diese Fragen auch für das männliche Geschlecht zu stellen.

Wenn wir Mädchen zeigen, wie sie diese Gesellschaft besser, feministischer machen können – was gilt dann für Jungen, für den eigenen Sohn?

Das haben wir Susanne Maurer von der Uni Marburg gefragt. Als Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin forscht sie über Geschlechterverhältnissen in dieser Gesellschaft, aber auch zu anderen Verhältnissen von Ungleichheit und Diskriminierung. Sie antwortet:

1. Hilf deinem Sohn, sich in andere Menschen hineinzufühlen.

(Bild: Unsplash)

Nur wer empathisch ist, kann für die eigenen Interessen einstehen, ohne gleichzeitig die Interessen anderer niederzumachen.

"Jungen oder Männern wird immer noch beigebracht, dominant sein zu müssen", sagt Susanne Maurer. "Ihnen zu zeigen, dass Stärke etwas anderes bedeuten kann, dass es nicht darum geht, die anderen schwach zu machen, um selber stark sein zu können, ist eine Herausforderung."

Aber wie zeige ich meinem Sohn, dass er sich im Leben durchsetzen soll, ohne andere abzuwerten?

"Hilf ihm dabei, die Perspektiven so oft wie möglich zu wechseln", sagt Maurer. "Lade ihn ein, sich in die Situation einer anderen Person hineinzuversetzen, lass ihn mal in den Schuhen dieser anderen Person laufen. Und dann rede darüber: Welche Erfahrung ist das, wie fühlt sich das an?"

Wer die Dinge von einem anderen Standpunkt aus wahrnimmt, hat die Chance, Mitgefühl zu entwickeln. Und muss sich später vielleicht weniger anstrengen, um zu verstehen, wie es anderen geht.

2. Es gibt Vorurteile. Beschönige das nicht.

(Bild: Unsplash)

Nur Mädchen spielen mit Puppen, nur Mädchen tragen Nagellack?

Davon auszugehen, dass der Sohn in Konfliktsituationen, die auf Grund von Vorurteilen entstehen, später schon irgendwie zurechtkommen wird, wäre naiv.

Stattdessen kann es die Wahrnehmung des Kindes frühzeitig schärfen, wenn es von diesen Stereotypen weiß und Eltern mit ihm darüber sprechen.

Und wie geht das?

"Denk dir nichts künstlich aus", sagt Susanne Maurer. "Nimm konkrete Situationen zum Anlass."

Zum Beispiel nach der Kita: Wenn der Sohn nach Hause kommt, und dann erzählt, dass nach dem Spielen im Regen alle Sachen nass waren – und er sich aus der Kleiderkiste mit Ersatzkleidungsstücken für alle Kinder eine rosa Leggins genommen hat, die Erzieherin aber gleich sagte: "Das ist doch nichts für Jungs!"

"Dann greife genau das auf", sagt Maurer. "Diskutiere, warum die Erzieherin das wohl gesagt haben könnte. Und ermutige deinen Sohn, in solchen Situationen die Farbe wählen zu dürfen, die ihm gefällt – auch, wenn er damit aneckt."

3. Lies ihm vor, was ihn stark macht.

Es gibt Geschichten, die dazu anregen, sich mit Geschlechterrollen auseinanderzusetzen – spielerisch. Susanne Maurer empfiehlt:

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4. Lass deinen Sohn weinen.

(Bild: Unsplash)

Sei ein Indianer, große Jungs heulen nicht – genau solche Ansagen führen dazu, dass Jungen ihre Gefühle weniger wahrnehmen und ausdrücken.

Aber wie zeige ich Jungen, dass sie genauso fühlen – und auch weinen dürfen wie Mädchen?

"Ganz selbstverständlich akzeptieren und auch sagen, dass es okay ist, wenn Tränen kommen", sagt Susanne Maurer. "Mit großer Geduld und langem Atem. Tröste dein Kind, gib ihm Raum und Zeit für seine Traurigkeit. Genau wie Mädchen sich auch mal raufen dürfen, dürfen Jungen weinen. Denke daran: Es geht darum, einen wirklichen Schmerz zu verarbeiten – und in diesem Moment ist das kein Junge oder Mädchen, sondern ein Kind."

5. Sei kein Besserwisser. Sag Hoppla.

(Bild: Unsplash)

Und wenn es dann doch einmal passiert, und mir selbst eine blöde Bemerkung herausrutscht? Ein Spruch, "reiß dich doch mal zusammen, Junge!", den ich gleich darauf vielleicht bereue?

"Sowas passiert", sagt Susanne Maurer. Aber wie geht man dann damit um?

Wer das Verhalten gemeinsam mit dem Sohn reflektiere, zeige ihm, wie er selbst später handeln kann, wenn er etwas tut oder sagt, das er eigentlich gar nicht tun oder sagen wollte, sagt Maurer.

"Mach kein großes Drama draus. Sag einfach: 'Hoppla, jetzt habe ich gerade etwas Blödes gesagt!'"

Das helfe zu verstehen, dass es menschlich ist, wenn einer mal einen Fehler macht.

6. Rege seine Fantasie an.

(Bild: Unsplash)

"Mach dem Kind – ob Junge, Mädchen, oder alles darüber hinaus und dazwischen – klar, dass es viele Möglichkeiten gibt, Mensch zu sein", sagt Maurer. Welche am besten passt, das finde man nur heraus, wenn man probieren darf.

Spätestens seit Chimamanda Ngozi Adichies Buch über die Erziehung von Töchtern wissen wir: Mädchen sollten sein und werden dürfen, was auch immer sie möchten, ob Prinzessin oder Bauarbeiterin.

Aber gestehen wir Jungen diese Wahl auch zu?

"Damit Jungen herausfinden, wie sie sich unabhängig von ihrem Geschlecht entwickeln können, brauchen viele verschiedene Vorbilder", sagt Susanne Maurer. Nur so können wir ihnen zeigen: Das kann ich alles sein, ob als Frau oder Mann, oder auch jenseits von diesen Kategorien.

Ein Mann, der Einhornluftballons herstellt? Ein Mann, der andere Männer schminkt? Ein Mann, der Trampoline baut, hüpft, lacht, tanzt?

"Wir sollten mal genau hinhören, was für Ideen Kinder selbst von dem haben, was Männer und Frauen sein und werden dürfen." Diese Gedanken seien voller Fantasie, sie sprengten gelegentlich auch die Geschlechterklischees. Diese Fantasie gelte es anzuregen und zu ermutigen – indem man sich ihr zuwendet und ihr Bedeutung gibt.


Today

Eine Studie zeigt: Kitzelige Menschen sind sozialer

30.10.2017, 11:15 · Aktualisiert: 01.11.2017, 15:11

Kitzeln ist ziemlich lustig, vor allem, wenn man derjenige ist, der andere kitzelt. Doch offensichtlich hat es auch Vorteile, selbst kitzelig zu sein. Denn Forscher von der Humboldt Universität in Berlin gehen davon aus, dass kitzelige Menschen sozialer sind. Warum genau das so ist, können die Wissenschaftler nicht mit Sicherheit sagen. Aber es gibt einen klaren Zusammenhang. Herausgefunden haben sie das unter anderem in Interviews mit Menschen und durch Experimente mit Ratten – die ähnlich kitzelig sind wie wir. (Deutschlandfunk Nova)