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Future

Kanada testet das Grundeinkommen – aber keiner will es so richtig haben

01.12.2017, 12:17 · Aktualisiert: 01.12.2017, 12:55

Die kanadische Provinz Ontario hat das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt. Aktuell wird dort getestet, wie es sich auf die Gesellschaft auswirkt, wenn Ärmere regelmäßig Geld vom Staat bekommen, über das sie frei verfügen können. Die Zahlung können allerdings nur Arbeitslose und Geringverdiener erhalten.

  • Was hat es mit dem Grundeinkommen auf sich?

Geld regiert die Welt. Es sorgt nicht nur dafür, dass wir uns ein neues iPhone leisten können, sondern entscheidet auch über viel essentiellere Dinge: Wie gesund wir sind, wie froh wir sind, ob wir am sozialen Leben teilnehmen können oder nicht. (Süddeutsche Zeitung; Deutschlandfunk)

Damit Menschen, die wenig Geld haben, nicht abgehängt werden, befürworten manche Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen – also eine Zahlung, die alle Bürger erhalten, egal ob sie arbeiten oder nicht.

Die Idee dahinter: So können alle Menschen am sozialen Leben teilhaben, die Gesellschaft wird gerechter.

Kritiker sagen hingegen, dass ein Grundeinkommen den Menschen die Motivation zum Arbeiten nehmen könnte:

Modellversuche auf aller Welt testen derzeit, was das Grundeinkommen wirklich bringt – Ontario ist neu dabei.

Wie funktioniert der Pilotversuch in Ontario?

Ziel des aktuellen Modells ist, Menschen unabhängig davon, wie oder ob sie überhaupt arbeiten, ein bestimmtes monatlichen Einkommen zu sichern.

  • Seit dem Frühjahr können deshalb in vier Testgebieten Menschen, die weniger als 34.000 Dollar (22.100 Euro) im Jahr verdienen, das Grundeinkommen beantragen.
  • Werden sie für das Projekt ausgewählt, erhalten sie jährlich bis zu 17.000 Dollar zusätzlich von der Provinz.
  • Teilnehmer, die arbeiten, dürfen 50 Prozent ihres Verdienstes behalten – so sollen die Empfänger ermutigt werden, (weiterhin) einen Beruf auszuüben.
  • Die Testphase wird zunächst drei Jahre dauern, bis zu 4000 Menschen sollen in dieser Zeit das Grundeinkommen erhalten.

Mit dem Pilotversuch will die kanadische Regierung vor allem herausfinden, wie sich ein Grundeinkommen auf die Gesundheit und die Ausbildung der Teilnehmer auswirkt. Es wird beispielsweise erhoben, ob die Empfänger sich weiterbilden, ob sich ihre psychische Gesundheit verbessert oder ihre Wohnsituation verändert.

Dazu werden die Bewerber in zwei Gruppen eingeteilt – eine, die das Einkommen erhält, und eine Kontrollgruppe, die kein Geld bekommt, aber ebenfalls über den Testzeitraum beobachtet wird. (Ontario)

Wie läuft der Versuch bisher?

Aktuell hat Ontario ein Problem bei dem Projekt: Die Menschen sind gar nicht so wild auf die Geldgeschenke, wie man vielleicht erwarten würde.

  • Anfangs wurden zufällig ausgewählte Einwohner in den Testgebieten per Post eingeladen, an dem Versuch teilzunehmen. Darauf meldeten sich jedoch nicht genug Testpersonen. Deshalb versuchen die Behörden nun, mit öffentlichen Beantragungs-Veranstaltungen noch mehr Teilnehmer zu gewinnen. (CBC News)
  • Von Behördenseite heißt es, viele Menschen würden zögern, das Grundeinkommen zu beantragen. Einige halten das Angebot wohl für zu gut, um wahr zu sein, und befürchten, dass es einen Haken gibt (The Independent).
  • Andere haben Angst, durch die Teilnahme sogar schlechter gestellt zu sein, weil sie andere staatliche Vorteile verlieren (CBC News). Ontarios Wohnminister versicherte, dass dies nicht der Fall sein wird.

Wie es ist, mit einem Grundeinkommen zu leben, weiß auch Tina:

Wie geht es den Teilnehmern mit dem Grundeinkommen?

Obwohl der Versuch erst seit Kurzem läuft, berichten die ersten Teilnehmer bereits jetzt, dass sich ihr Leben entscheidend verbessert habe. Ein Empfänger sagte der AP, er habe jetzt 60 Prozent mehr Geld zur Verfügung. Er könne sich jetzt gesünderes Essen, Zahnarztbesuche leisten – und zum ersten Mal seit Jahren Weihnachten mit seiner Familie verbringen.

Ein anderer Teilnehmer sagt, er könne sich jetzt endlich darauf konzentrieren, seine Ziele zu verfolgen, ohne sich ständig darum zu sorgen, wie er seine Miete oder sein Essen bezahlen kann. (The Independent)

Wie geht es weiter?

Wie es mit dem Grundeinkommen in Kanada weitergeht, wird sich am Ende der dreijährigen Testphase entschieden. Wertet Ontario den Pilotversuch als Erfolg, könnte das Grundeinkommen für alle 14,2 Millionen Einwohner der Provinz – und schließlich im gesamten Land – eingeführt werden.

So funktioniert der Grundeinkommen-Testlauf in Finnland:


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Snapchat hat als erstes die Story-Funktion erfolgreich verbreitet – Instagram, Facebook und auch Skype haben nachgezogen. Nun will auch YouTube ein eigenes Story-Feature einführen. (Youtube)

Mit Reels will die Video-Plattform seinen Nutzern ermöglichen, ihre Smartphone-Videos zu kombinieren und nebenbei mit Stickern, Musik oder auch Texten zu versehen.