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10.000 Euro auf einmal anlegen – eine Anleitung in sechs Schritten

19.10.2017, 15:30

Einige meiner Freunde haben ihren ersten kleinen Geldbatzen angehäuft. Entweder haben sie jahrelang jeden Monat etwas zur Seite gelegt. Oder ihre Eltern haben für sie seit vielen Jahren Geld auf ein Sparkonto eingezahlt, das jetzt an sie ausgezahlt wird. Andere wiederum haben von ihren Großeltern etwas geerbt.

Und jetzt wohin mit dem Geld? Viele meiner Bekannten wollen ihr Erspartes nicht verprassen, sondern es erneut anlegen. Auf Sparbüchern und Girokonten gibt es aber nur Mini-Zinsen. Und Bankberater drehen uns oft teure Produkte an, die keiner versteht. Deshalb ist es besser, seine Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen.

Warum überhaupt Aktien?

Schritt 1: Das Grundprinzip

Klar ist: Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen. Deshalb ist es ratsam, das Geld auf verschiedene Anlageklassen zu verteilen und sich ein Portfolio, also einen Bestand an Werten, aufzubauen. Einmal eingerichtet, läuft es fast von allein. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man 1000 Euro, 10.000 Euro oder 100.000 Euro auf einen Schlag anlegt - die Portfolio-Konstruktion bleibt gleich und eignet sich für jeden Anlagetyp.

Ein vernünftiges Portfolio besteht dabei immer aus einem Sicherheitsbaustein und einem Renditebaustein.

Der Sicherheitsbaustein besteht aus einem flexiblen und sicheren Tagesgeldkonto. Dort ist das Geld bis zu einer Summe von 100.000 Euro selbst im Falle einer Pleite der Bank durch die Einlagensicherung geschützt. Die Anlage ist also ohne Risiko, dafür ist das eingezahlte Geld aber auch nur minimal verzinst.

Den Renditebaustein bestückt man mit Aktien-Indexfonds (ETFs). Das sind passiv verwaltete Indexfonds, die einfach stumpf per Computerprogramm einen Index nachbilden - zum Beispiel den deutschen Leitindex Dax. ETFs sind viel günstiger als klassische Aktivfonds, die von einem Fondsmanager gesteuert werden. Zudem belegen unzählige Studien, dass es aktive Fonds auf Dauer nicht schaffen, besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. (Warum Aktien langfristig eine gute Idee sind, liest du hier.)

Schritt 2: Sich für eine Portfolio-Variante entscheiden

Je nach Risikotyp können sich Anleger aus diesen zwei Bausteinen ein Portfolio aufbauen. Das ausgewogene Portfolio besteht zu je 50 Prozent aus Aktien und Tagesgeld:

(Bild: Spiegel Online/Katja Braun)

Das Offensive Portfolio besteht zu 75 Prozent aus Aktien und zu 25 Prozent aus Tagesgeld. Es eignet sich vor allem für junge Menschen mit einem langen Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren:

(Bild: Spiegel Online/Katja Braun)

Das Offensive Portfolio II setzt sich zusammen aus drei Aktienanteilen (Welt, Europa, Schwellenländer) sowie Tagesgeld und eignet sich für Anleger, die schon Erfahrungen mit Aktienkäufen gemacht haben:

(Bild: Spiegel Online/Katja Braun)

Schritt 3: Den Renditebaustein mit ETFs bestücken

In den ersten beiden Portfolio-Varianten besteht der Aktienanteil aus einem ETF, der den internationalen Weltmarktaktienindex MSCI World abbildet. Dieser umfasst rund 1600 Unternehmen aus 23 Ländern und deckt damit fast die gesamte Weltwirtschaft ab. In diesem Fonds stecken Unternehmen von A wie Apple bis Z wie Zalando. So gut wie jedes bekannte Börsenunternehmen ist darin enthalten.

Das Gute am MSCI World: Der Index ist breit über die gesamte Welt gestreut, geht es einer Firma schlecht, gleicht der Erfolg einer anderen Firma das aus.

Der Fonds schwankt deshalb vergleichsweise wenig. Seit 1970 hat der MSCI World eine durchschnittliche Rendite von 7,1 Prozent pro Jahr erzielt - trotz mehrerer heftiger Weltwirtschaftskrisen.

Ein Nachteil am MSCI World: Im Index sind auch Ölkonzerne und Rüstungsunternehmen enthalten. (Wie man sein Geld komplett ethisch-ökologisch verwaltet, erklären wir in einer anderen Folge.)

Ein weiterer Nachteil: 60 Prozent der enthaltenen Aktien stammen aus den USA. Der US-amerikanische Aktienmarkt ist also überproportional vertreten. Geht es der US-Wirtschaft schlecht, fällt auch der Kurs des MSCI World.

Anleger, die sich für das Offensive Portfolio II entscheiden, können deshalb zusätzlich ETFs kaufen, die die Aktienmärkte in Europa, Deutschland oder in Schwellenländern abbilden. Damit sinkt der Anteil der US-Aktien am Gesamtdepot. Für diese Beimischung eignen sich folgende Indizes:

  • MSCI Europe (444 Unternehmen aus Europa)
  • Stoxx Europe 600 (die 600 wichtigsten Börsenunternehmen Europas)
  • MSCI Germany (die 58 wichtigsten Börsenunternehmen Deutschlands)
  • MSCI Emerging Markets (rund 900 Unternehmen aus Schwellenländern wie China, Russland, Brasilien und Türkei)

Schritt 4: Onlinedepot einrichten

Nun braucht man noch ein Onlinedepot bei einer Direktbank, dort kann man die Bestandteile (also die Aktienindexfonds) kostenlos kaufen. Die Onlinedepot-Anbieter berechnen nichts für die Verwahrung der ETFs. Auch verlangen die Banken keine Gebühren für das Onlinedepot. Im Durchschnitt kommt ein Anleger also mit jährlichen Kosten von 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr für seine Geldanlage aus. Derzeit gute Anbieter hierfür sind:

  • Flatex
  • Comdirect (Commerzbank-Tochter)
  • Consorsbank (BNP-Paribas-Tochter)
  • Maxblue (Deutsche-Bank-Tochter)

Der Sicherheitsbaustein läuft über ein gewöhnliches Tagesgeldkonto, die besten sind hier aufgelistet.

In vielen Fällen ist es aber auch möglich, das Aktien- und Tagesgelddepot bei nur einer Direktbank zu führen. Dann kann man das gesamte Depot bei nur einem Anbieter verwalten.

Schritt 5: ETFs kaufen

In einer Maske des Onlinedepots muss man nun noch eine ISIN- beziehungsweise WKN-Nummer eingegeben, also die Identifizierungsnummer des Wertpapiers, um den ETF zu kaufen.

Schritt 6: Warten und (erst einmal) nichts tun

Hat man das Depot einmal aufgebaut, kann man es weitgehend sich selbst überlassen. Nur einmal im Jahr sollte man checken, ob die Gewichtungen noch stimmen. Eine Anpassung sollte erfolgen, wenn ein Fondsanteil 20 Prozent vom Wunschwert abweicht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Aktienanteil im ausgewogenen Portfolio plötzlich 70 statt 50 Prozent beträgt. Wenn der Aktienanteil höher wird als gewünscht, müssen Aktienanteile verkauft und auf das Tagesgeldkonto überwiesen werden – oder umgekehrt.

Doch die globalen Aktienmärkte sind derzeit auf einem Rekordhoch und steigen nun schon seit acht Jahren an. Meine Freunde sorgen sich zunehmend, dass die Aktienmärkte abstürzen könnten. Zu lange geht es schon aufwärts.

Ja, das kann bald passieren.

Doch gerade wir jungen Menschen haben einen großen Vorteil: Wir haben genug Zeit, solche Krisen auszusitzen. Wir investieren Geld, dass wir vielleicht erst in fünf, zehn oder 15 Jahren benötigen werden. Bei so viel Zeit ist in der Vergangenheit regelmäßig eine schöne Rendite rausgekommen - auch wenn es zwischendurch zum Crash kam.

Und wenn die dicke Krise kommt, warten wir einfach, bis sie vorüber ist, und schauen am besten erst gar nichts ins Depot.​

Und wem immer noch nicht wohl bei dem Gedanken ist, sein Geld in Aktien anzulegen, der kann seine Anlagesumme häppchenweise investieren – zum Beispiel jedes halbe Jahr 2000 Euro in denselben ETF. Damit steigt die Chance, einen guten Einstiegszeitpunkt zu erwischen.



Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Gerechtigkeit

Wie Polizisten und rechte Blogger einen Kongress gegen Nazis verhindert haben

19.10.2017, 14:19 · Aktualisiert: 19.10.2017, 15:11

Allein der Name der Veranstaltung reichte offenbar schon zur Empörung.

Rassistische Gewalt, offener Hass, zweistellige AfD-Ergebnisse – wer sich gegen Rechts engagiert, hat in diesem Jahr viel zu tun. Beim "Antifa-Kongress Bayern" sollte es Anfang November darum gehen, wie das Engagement aussehen kann, wenn Rechtsradikale und Rassisten plötzlich mit Rederecht im Bundestag sitzen. Und um viele andere Themen. Eingeladen waren zahlreiche Experten, die regelmäßig auch in etablierten Medien über das Thema Rechtsextremismus berichten. 

Der Veranstaltungsort dafür schien perfekt: Im Münchner Gewerkschaftshaus fand schon der erste Kongress vor drei Jahren statt. Doch aus dem geplanten Event von Gewerkschaftsjugend und verschiedenen Bündnissen gegen Rechts wird nichts.