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Natalie arbeitet als Krankenschwester – was du über ihren Job wissen musst

13.02.2017, 13:45 · Aktualisiert: 14.02.2017, 11:10

Natalie ist 24 Jahre alt und seit mehr als fünf Jahren Krankenschwester. Zurzeit arbeitet sie auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus in Schleswig-Holstein. Sie liebt ihren Job, trotz aller Verantwortung und der anstrengenden Arbeitszeiten.

Hier erzählt sie, was die größten Vorurteile gegenüber ihrem Beruf sind, wie sie arbeitet und was sie sich von uns wünscht.

1. Nehmt uns endlich Ernst!

Oft höre ich von Angehörigen sofort, dass sie lieber einen Arzt sprechen wollen. Ganz ehrlich: Das nervt. Schließlich kann ich viele Sachen ebenfalls sagen– vor allem die Antworten auf Standardfragen. Wenn ich etwas nicht beantworten kann oder darf, werde ich selbstverständlich einen Arzt dazu holen, denn das ist schließlich mein Job. Eine Ausbildung zur Krankenschwester dauert drei Jahre. Das ist nicht ohne Grund so lang wie ein halbes Medizinstudium. Wir sind keine Deko, also hört auf, uns als solche zu behandeln.

2. Wir sehen dein Alarmsignal, bevor du es selbst bemerkst.

Als Krankenschwester bringe ich dir nicht nur eine Flasche Wasser ans Bett, sondern verschaffe mir gleichzeitig einen Überblick. Wirkst du normal? Hat deine Haut eine gesunde Farbe? Sehen die Werte auf dem Monitor gut aus? Muss vielleicht irgendwas ausgetauscht werden? Brauchst du Sauerstoff? Wie jetzt, du hast davon noch nie etwas gemerkt? Auch das ist mein Job, ich will ja schließlich nicht, dass du dir Sorgen machst.

Natalie bei der Arbeit

Natalie bei der Arbeit (Bild: Privat)

3. Ärzte operieren, Krankenschwestern heilen.

Das Zitat kennst du vielleicht aus "Grey’s Anatomy" und ich sage dir, es stimmt. Schließlich sind wir diejenigen, die täglich Zeit mit dir verbringen, dir zuhören und dir dabei helfen, dass du dich irgendwann wieder alleine waschen, essen oder bewegen kannst. Und das kostet Zeit, Zeit, die kaum jemand bedenkt und die in keinen Kostenplan eingerechnet wird. Dabei ist gerade so etwas wichtig. Umso ärgerlicher ist es, wenn wir uns um so viele Patienten kümmern müssen, dass uns kaum Zeit dafür bleibt, uns mit den Patienten zu beschäftigen oder ihre Angehörigen zu trösten.

4. Aber: Krankenhaus ist nicht wie im Film.

Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber jemand, der wiederbelebt werden muss, springt danach in aller Regel nicht nach fünf Minuten auf und ist wieder putzmunter. So etwas passiert nur in Filmen.

5. Und wir trinken auch nicht nur Kaffee.

Wenn du uns siehst, stehen wir zusammen und trinken Kaffee. Du denkst vielleicht, wir hätten nichts zu tun. Haha, gut gelacht. Der Schichtwechsel ist oft der einzige Moment am Tag, an dem wir uns die fünf Minuten Zeit nehmen – und einen Kaffee trinken, während wir die Übergabe machen. Den Rest der Zeit siehst du uns nicht, denn wir sind dann gerade in irgendeinem Zimmer, im Schockraum oder sonst wie in Bewegung.

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6. Wir tragen mehr Verantwortung, als du denkst.

Gerade im Nachtdienst sind wir verantwortlich für eine große Anzahl von Patienten. Wenn etwas passiert, bekommen wir es zuerst mit, nicht der Arzt. Viele Entscheidungen treffe ich dann auch alleine, zum Beispiel, ob ich einem Patienten Schmerzmittel gebe. Ich schreibe Berichte, mache die Dokumentation, habe meinen Kopf oft an sieben Orten gleichzeitig. Deswegen frage ich mich, warum so viele Krankenhäuser ausgerechnet am Personal sparen. Wenn ich gestresst einen Fehler mache, hilft es niemandem.

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7. Oft sind wir Seelsorger – für Patienten und Angehörige.

    Niemand liegt auf meiner Station, weil es so viel Spaß und Freude bereitet. Im Gegenteil, viele unserer Patienten sind schwer krank, können sich selbst kaum noch artikulieren. Die Angehörigen sind oft verzweifelt. Ich versuche, sie alle so gut wie möglich zu unterstützen und ihnen zuzuhören, denn auch das sehe ich als Teil meines Jobs. Ein Teil, der manchmal viel Zeit in Anspruch nimmt und sehr anstrengend sein kann.

    8. Schichtdienst ist wirklich anstrengend.

      Wir arbeiten morgens, mittags, abends und nachts. Schließlich kann jederzeit etwas passieren. Und ja, das ist wirklich anstrengend. Viele von uns Schwestern arbeiten deswegen auch nicht bis zur Rente auf Station, sondern wechseln in Bereiche, in denen die Arbeitszeiten etwas geregelter sind, wie zum Beispiel zur Dialyse.

      9. Den ersten Toten vergisst man nicht.

      Ich kann mich noch genau an meinen ersten Toten erinnern. Das war noch in der Ausbildung, ich war noch nicht lange dabei. Irgendwie übersteht man es. Bei manchen Patienten, gerade wenn sie sehr alt sind und schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben, kommt mir der Tod fast wie eine Erlösung vor. Bei anderen, jüngeren Patienten fällt mir das schwerer, denn ich muss oft daran denken, dass hier jetzt genauso gut ein Freund von mir liegen könnte.


        10. Aber man vergisst auch nicht den ersten Menschen, den man gerettet hat.

        Ich erinnere mich noch sehr gut an die erste Patientin, der ich wahrscheinlich das Leben gerettet habe. Ich war nachts auf der Station und hörte es in einem Zimmer rumpeln. Wie sich herausstellte, hatte die Patientin einen Schlaganfall. Wenn ich sie nicht gefunden hätte, wäre sie wahrscheinlich gestorben. Ein paar Wochen später kam sie mir auf dem Flur entgegen, umarmte mich und meinte, ich hätte sie gerettet. In solchen Momenten weiß ich dann, warum ich genau diesen Job mache.

        11. Man sollte niemals aufhören, Anwalt seiner Patienten zu sein.

          Manche Kollegen stumpfen mit der Zeit ab oder sind frustriert, weil sie oft genug versucht haben, den Wünschen ihrer Patienten bestmöglich Gehör zu verschaffen und am Ende nicht gehört wurden. So möchte ich nicht enden. Unsere Patienten kommen zu uns, weil sie an etwas leiden, was sie sich in den wenigsten Fällen selbst ausgesucht haben. Viele sind zu schwach oder zu schüchtern, ihre Stimme selbst zu erheben. Ich frage mich: Wenn wir Pflegekräfte nicht ihre Stimme sind, wer sonst?

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