Bild: Giphy

Future

Du denkst, es kann nicht schlimmer werden? Diese Romane sagen: doch!

27.02.2017, 12:25 · Aktualisiert: 07.04.2017, 12:13

An so manchen Tagen schaltet man die Nachrichten an und denkt: "Ok, jetzt fehlt nur noch, dass die Menschheit von hyperintelligenten Riesenameisen versklavt wird" – so beschissen und hoffnungslos erscheint einem alles. Da bringt es einen paradoxerweise gut drauf, sich mit Welten zu beschäftigen, in denen alles noch viel schlimmer ist. Die fiktiven Welten großer, dystopischer (also anti-utopischer) Romane zum Beispiel.

(Bild: Giphy)

Wir haben hier mal eine unvollständige Liste mit Büchern zusammengestellt, die zeigen, dass die Realität so schlimm auch wieder nicht ist – und es also keinen Grund gibt, in Depressionen zu verfallen.

George Orwell: 1984

"Dieser Roman aus dem Jahr 1948 hat Trumps Amerika vorhergesagt" – so hört man es überall rufen. Und tatsächlich gibt es die eine oder andere Parallele. Vor allem die Angewohnheit des "Ministeriums für Wahrheit", die Geschichte immer wieder so umzuschreiben, dass sie ein positives Bild auf die Gegenwart und die aktuelle Regierung wirft, erinnert doch sehr an unser "postfaktisches" Zeitalter.

(Bild: Giphy)

Danke, Donald.

"1984" ist aber vor allem ein Roman über die persönliche Verantwortung, die jeder Einzelne angesichts übermächtiger Regime trägt – und damit Pflichtlektüre für jeden, der sichergehen möchte, dass unsere Zukunft nicht so düster wird wie die Welt des Romans. (Hier übrigens in einer echt schicken Ausgabe.)

Aldous Huxley: Schöne neue Welt

Das Besondere an dieser düsteren Zukunftsvision ist, dass sie gar nicht so düster ist. Denn: Den meisten Bewohnern der schönen neuen Welt geht es super. Sie sind zufrieden mit ihrem Status, immer gesund, sexuell ausgelastet und verfügen über eine perfekte Droge, die sie ohne Nebenwirkungen gut drauf bringt.

Schlecht ist das alles nur, wenn man von außen drauf guckt – wie der "Wilde" John, der aus einem unentwickelten Reservat in die Zivilisation kommt und die Lebensweise seiner Artgenossen extrem befremdlich findet. Huxley erinnert uns so daran, dass der Unterschied zwischen Dystopie und Utopie manchmal Ansichtssache sein kann – je nachdem, von wo man seine Welt betrachtet.

(Bild: Amazon)

E. M. Forster: Die Maschine steht still

Dieser Text aus dem Jahr 1909 ist letztes Jahr in einer deutschen Einzelausgabe erschienen, die gerade mal 80 Seiten umfasst. Aber das dünne Büchlein hat es in sich: Denn hier findet sich die ganze Welt des Internets zu Ende gedacht.

Die Menschen leben unter der Erde, in kleinen Zimmern und fast vollkommen isoliert voneinander. Sie kommunizieren nur noch über Chat-Apps, bekommen alles auf Knopfdruck geliefert. Sie sind komplett abhängig von einer Maschine, die kein Mensch mehr versteht… Kommt dir ein bisschen bekannt vor, oder? Und jetzt nochmal: Die Erzählung stammt aus dem Jahr 1909! Vollkommen unklar, wie Forster das gemacht hat.

Affiliate-Links. Was ist das?

Wir haben in diesem Text Affiliate-Links gesetzt. Das heißt: Wenn jemand auf einen Link im Artikel klickt, und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Das hat keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten

Immer wieder hört man Menschen ernsthaft fragen: "Sollte man in dieser Welt noch Kinder kriegen?" Um diese reichlich hysterische Frage in Relation zu stellen, kann man sich ja mal ansehen, wie eine Kindheit in Kazuo Ishiguros großartigem Buch so aussieht.

Hier lesen wir nämlich von einem Kinderheim, in dem Klone nur zu einem einzigen Zweck aufgezogen werden: um als Organ-Ersatzteillager für ihre genetisch identischen Gegenstücke zu dienen. Aus Kindersicht erzählt und fucking depressing (wie der Brite sagt), aber nach der Lektüre kommt einem diese, unsere Welt schon ein bisschen weniger düster vor. (Hier übrigens auch als Film mit Keira Knightley.)

(Bild: Amazon)

Cormac McCarthy: Die Straße

Wer von "The Road" auch nur ein Filmposter gesehen hat, kann sich vorstellen, wie hoffnungslos, wie brutal, wie dunkel, kalt und tot die Welt ist, die Cormac McCarthy in seinem Meisterwerk zeichnet. Die Handlung: Vater und Sohn reisen durch ein postapokalyptisches Amerika, auf der Suche nach einem Ort, an dem sie noch sicher leben können.

So trostlos wie die Welt im Buch ist unsere Realität ganz sicher nicht – dass sie nicht so wird, dafür sind wir alle gemeinsam verantwortlich.

(Bild: Giphy)

Dave Eggers: Der Circle

Die Welt dieses Romans ist so nah an unserer Welt, dass man nur so ganz knapp von einer Dystopie reden kann. Er handelt von einem übermächtigen Internet-Giganten (Google, Facebook, was du magst), der seine Nutzer und Mitarbeiter immer weiter vereinnahmt, bis Freizeit nicht mehr von Arbeit zu unterscheiden ist und das Wort "Privatsphäre" jede Bedeutung verliert.

Ein absoluter Bestseller, der manchen dann aber doch auch irgendwie zu nah an der Realität erscheint – sodass er einigen Lesern repetitiv und offensichtlich erscheint. Aber bilde doch am besten dein eigenes Urteil.

(Bild: Amazon)

Basma Abdel Aziz: The Queue

Dieser aktuelle Roman spielt mal nicht in England oder den USA, sondern in Ägypten. Dort kommt nach einer erfolglosen Revolte eine Regierung an die Macht, die sich "the Gate" nennt. Vor diesem "Tor" müssen nun alle Bürger anstehen, um sich Erlaubnis für die alltäglichsten Tätigkeiten zu holen – nur dass sich das Tor nie öffnet.

Die Literaturstudenten unter euch haben jetzt alle schon den Arm oben und schnipsen. Ja, ja, das ist eine riesige Kafka-Referenz, schon okay. Davon abgesehen handelt das Buch aber auch von der Art, wie Regime mit Informationen umgehen, und der moralischen Verantwortung des einzelnen Bürgers… ein modernes 1984 also.

David Foster Wallace: Unendlicher Spaß

Als Dystopie ist dieser Riesenroman (über 1000 Seiten) irgendwie seltsam. Denn die dunklen Seiten der hier geschilderten Zukunft sind viel weniger offensichtlich als bei Orwell, Huxley und Konsorten. Die Welt sieht – bis zum Beispiel auf eine riesige Müllkippe, welche die USA von Kanada trennt – noch recht gewohnt aus. Kein krasses Regime hat die Macht übernommen, keine außergewöhnliche Technologie hat die Menschheit unterworfen.

Die Bewohner dieser USA sind aber so süchtig nach sinnloser Unterhaltung wie eh und je.

(Bild: Giphy)

Und als ein Video auftaucht, das so unterhaltsam ist, dass jeder, der es sich ansieht, vor dem Fernseher sitzen bleibt, bis er verdurstet ist oder anderweitig den Löffel abgibt, sind die Amis der Versuchung hilflos ausgeliefert. Ein Roman über Sucht und die Zukunft, in die unser Konsumverhalten uns eines Tages führen kann. Die Mühe – die große, große Mühe – allemal wert!

Michel Houellebecq: Unterwerfung

"Unterwerfung" spielt im Jahr 2022 – was Dystopien angeht, also so ziemlich jetzt sofort – und beschreibt, wie die sogenannte "Bruderschaft der Muslime" die Präsidentschaftswahlen für sich entscheidet. Frankreich wird daraufhin zum muslimischen Staat – Stoff, natürlich, der seit der Veröffentlichung des Buches für allerlei hitzige Diskussionen gesorgt hat.

Der Begriff "Dystopie" wurde für dieses Buch immer wieder verwendet. Ob er zutrifft, hängt natürlich sehr von deiner Perspektive ab: Wäre es denn schlimm, wenn Frankreich strikt muslimisch regiert würde? Oder wäre das total okay? Der Protagonist des Romans hat da jedenfalls seine ganz eigene Meinung.

(Bild: Amazon)

H. G. Wells: Die Zeitmaschine

Zum Schluss noch ein Klassiker. "Die Zeitmaschine" ist wohl einer der bekanntesten Vertreter des Genres. Die Meisten kennen das Werk aber nur aus Futurama-Verarschungen – das Buch selbst haben wohl nur die Wenigsten gelesen.

Dabei liest sich der Text – der ja auch nicht arg lang ist – immer noch sehr gut. Nebenbei lernt man ein bisschen was über marxistische Geschichtstheorie – das kann ja auch nie schaden. Und man bekommt, wie bei fast allen diesen Texten, die wohlige Einsicht serviert: So beschissen wie den Leuten im Buch – in diesem Fall den Morlocks – geht es uns noch lange nicht! Oder wie Michelle Obama zu Oprah Winfrey sagte...

(Bild: Giphy)

Und für alle, die jetzt Lust aufs Lesen bekommen haben, gibt es hier noch ein paar schöne Anregungen :

Han Cheng Yeh
Giphy
Giphy
Giphy
Flickr / Tramlines Festival
Flickr / Fabio Téllez
Giphy
Flickr / Bryan Ledgard
Getty / Keith Bedford
1/12

Streaming

Welchen Oscar-Film solltest du dir anschauen?

27.02.2017, 11:27 · Aktualisiert: 27.02.2017, 12:20

Die Oscar-Nacht ist zu Ende, die Gewinner stehen fest: Gleich sechsmal siegte "La La Land", als bester Film wurde "Moonlight" ausgezeichnet. Am liebsten würde man jetzt alle Siegerfilme gleich auf einmal sehen.

Doch dafür reicht die Zeit (und das Geld) oft nicht. Also wo anfangen?