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Future

Was wir aus unseren Bewerbungsfails lernen können

15.12.2017, 16:06 · Aktualisiert: 15.12.2017, 18:21

Du kennst es doch bestimmt auch: feuchte Hände, rote Wangen, Schweißperlen auf der Oberlippe? Bewerbungsgespräche machen so viel Spaß wie ein Besuch beim Zahnarzt. Und zwar gar keinen.

Was werden für Fragen gestellt? Ist der Chef nett zu mir? Bin ich passend angezogen? Die Minuten kurz vor dem Gespräch sind meist die schlimmsten. Es sei denn, das Gesprächs selbst wird zu einem großen Drama.

So wie jüngst bei Matthew Spencer, der von Donald Trump für den Posten des Amtsrichters in Washington nominiert wurde. Bei seiner Anhörung beziehungsweise seinem Bewerbungsgespräch ging so ziemlich alles schief: Auf keine einzige Frage konnte er richtig antworten. (bento)

Anlass für uns, die schlimmsten Erfahrungen bei Bewerbungsgesprächen zu sammeln. (Und einen Experten zu fragen, wie wir uns am besten verhalten hätten.)

Katrin, 30: "Er warf mir vor, zu spät gekommen zu sein."

Mein schlimmstes Vorstellungsgespräch war eines, das überhaupt nicht zustande gekommen ist: Ich meldete mich pünktlich am Empfang des Unternehmens und wurde in einen Wartebereich gebeten. Als niemand mich abholen kam, fragte ich noch einmal bei den Mitarbeitern am Empfang nach. Sie schickten mich mit dem Aufzug ins oberste Stockwerk.

Oben angekommen, nahm mich der Abteilungsleiter in Empfang, bei dem ich mich um ein Praktikum beworben hatte. Er war sehr kurz angebunden, sagte nur "Hallo, Frau XY", und sah mich grimmig an. Dann setzte er mich in einen kleinen Konferenzraum und ging einfach, ohne weitere Erklärungen.

Eine Viertelstunde später kam er zurück und warf mir vor, ich sei zu spät zu meinem Vorstellungsgespräch gekommen. Ich war völlig entsetzt und sagte, dass ich pünktlich am Empfang gewesen sei. Aber der Mann ließ mich gar nicht ausreden, sagte, er wolle keine Entschuldigungen hören und melde sich gegebenenfalls wieder. Ich war einfach nur schockiert!

Was kann ich also tun, wenn ich merke, mein Gesprächspartner hat einen absolut schlechten Tag? Wie reagiert man bei völliger Ablehnung souverän?

Bewerbungsgespräch

Du hast auch komische, unangenehme oder peinliche Momente in Bewerbungsgesprächen erlebt? Wie bist du mit der Situation umgegangen? 

Wir freuen uns über deine Geschichte! Schick Sie uns gern mit dem Betreff "Bewerbungsgespräch" an info@bento.de.

Deine Daten behandeln wir vertraulich.

Antwort von Stephan Dahrendorf, Personalexperte und Chef der Karriereberatung Inplace:

Bild: Privat

Bild: Privat

"Eigentlich hilft nur: lächeln. Man muss Kommunikationssituationen so nehmen, wie sie sind. Das Beste ist, den Leuten so freundlich wie möglich zu begegnen. Wird die Kandidatin selbst unfreundlich, ist nichts mehr zu retten.

Bewerbungsgespräche sind ja Kommunikation besonderer Art. Ich will etwas von meinem Gegenüber. Und: Ich habe keinen Einfluss auf das Ergebnis. Ich weiß nicht, wer sich noch beworben hat und nach welchen Kriterien sich der Arbeitgeber entscheidet. Diese Ohnmacht prägt das Moment des Bewerbungsgesprächs. Und daraus ergeben sich dann viele unangenehme Situationen.

Besser ist es in so einer Situation daher, all seine Schlagfertigkeit und Mut zu sammeln und sich zu fragen: Was kann ich trotzdem noch aus der Situation machen? In diesem Fall, in dem der Gesprächspartner offenbar keine Zeit für mich eingeplant hat, wäre das beispielsweise der Versuch, wenigstens eine Minute herauszuschlagen. 'Darf ich mich trotzdem vorstellen, eine Minute lang?'"

Boris, 29: "Da saß ich in abgetragenem Anzug und mit einem Neonazi-Haarschnitt."

Ich hatte mich für ein Stipendium bei den Rotariern beworben. Sie sollten mich beim Studium in Neuseeland unterstützen. Ich hatte schon einige Runden hinter mir und wartete seit Monaten auf eine Rückmeldung. Den Glauben daran hatte ich fast verloren.

Dann kam die Silvesternacht 2012/13, und mein Mitbewohner nahm mich auf eine Trash-Party mit. Unsere Idee im betrunkenen Zustand: Wir färben uns die Haare mit buntem Haarspray und rasieren uns Undercuts. Es sah grauenvoll aus.

Am nächsten Tag gefiel mir der schiefe Schnitt allerdings nicht mehr. Die einzige Möglichkeit, meine Frisur zu retten, war ein kompletter Kahlschlag auf dem Kopf. Nach ein paar Wochen wird das schon wieder gut aussehen, dachte ich mir.

Doch mir blieben leider keine Wochen. Denn wenige Tage später wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Im privaten Büro des Geschäftsmannes, der mir das Stipendium bewilligen sollte, saß ich also – mit meinem abgetragenen Anzug und einem Neonazi-Haarschnitt.

Ich habe mich gefühlt, wie ein Vollidiot und so viel über mein Äußeres nachgedacht, dass ich kaum die Fragen beantworten konnte.

Das Stipendium habe ich nicht bekommen.

Hätte ich die Situation besser erklärt?

Stephan Dahrendorf antwortet:

"Nein. Über Äußerlichkeiten würde ich ohne Erklärung hinweggehen. Der Gesprächspartner hat ja keinen Vergleich, er weiß nicht, wie der Bewerber vor zwei Wochen aussah. Vielleicht fällt es ihm nicht mal auf. Und wenn doch, dann soll er etwas sagen.

Ich würde niemals ein Gespräch mit etwas beginnen, das mir unangenehm ist.

Trotzdem kann man ruhig mal sagen: "Entschuldigen Sie, ich bin etwas nervös". Das lockert die Atmosphäre auf. Aber nicht bei Äußerlichkeiten. Die muss mein Gegenüber nehmen, wie sie sind. Wir vermuten auch gern und viel, was unser Gegenüber von uns denkt, aber das Meiste ist reine Spekulation."

Linda, 27: "Ich hatte mich null vorbereitet."

Es ging um ein Praktikum bei einer Lokalzeitung, das erste Bewerbungsgespräch meines Lebens – und ich hatte mich original null vorbereitet.

Ich weiß nicht einmal mehr wieso nicht, vermutlich eine Mischung aus jugendlicher Arroganz und Hausarbeiten-Stress. Jedenfalls schlug ich zum verabredeten Termin in der Redaktion auf, wir setzten uns in ein kleines Kabuff und dann kam die erste Frage. Eine Frage, die so Standard ist, dass ich noch heute den Kopf über mich schütteln muss. "Warum wollen Sie zu uns?"

Ich habe dann gelogen und sentimentale Gründe angegeben: Meine Familie hätte die Zeitung immer schon im Abo gehabt, ich sei quasi mit ihr aufgewachsen (was nicht mal ansatzweise stimmte) und ich sei der Region so verbunden (was ebenfalls nicht stimmte).

Es war so peinlich. Ich hatte knallrote Ohren. Keine Ahnung, ob mein Gegenüber gecheckt hat, was los war. Ich habe den Praktikumsplatz tatsächlich noch bekommen. Aber das war eine krasse Lektion.

Stephan Dahrendorf antwortet:

"Natürlich ist es immer besser, vorbereitet in ein Gespräch zu gehen.

Wenn das mal nicht der Fall ist, muss ich auf Schlagfertigkeit setzen – und sofort umdenken. Das bedeutet auch, sich einzugestehen: Das wird wohl nichts. Ich reduziere meine Erwartungen und schaue, wie ich trotzdem das Beste aus dem Gespräch hole. Selbst wenn du scheiterst, war es zum Üben gut.

Grundsätzlich hat die Bewerberin hier also spontan gut reagiert – auch wenn sie dafür an die Grenzen der Wahrheit gegangen ist. Notlügen sind auch manchmal erlaubt."

Felicitas, 28: "In zehn Jahren will ich irgendwo wohnen, wo es warm ist."

Es war ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum mit Ausbildungsprogramm. Vor mir saß eine zwölfköpfige Kommission. Die Teilnehmer stellten mir abwechselnd Fragen.

Eine davon lautete: "Wie stellen Sie sich denn Ihr Leben in zehn Jahren vor?" Eine typische Frage – so typisch und fast schon altbacken, dass ich darüber tatsächlich nicht nachgedacht hatte. Ich spann mir eine Zukunft zusammen und sagte: "Irgendwo, wo es warm ist, mit einer Familie". Die Kommissionsteilnehmer lachten und der Fragesteller schob hinterer: "Ich meinte, wo Sie sich beruflich sehen."

Es war mir sehr unangenehm, natürlich wollten sie nicht mein Privatleben abfragen. Ich lachte mit ihnen und gab Ihnen eine andere – in dem Moment zusammengesponnene – Antwort. Danach dachte ich nur: "Wie peinlich war das bitte?"

(Bild: Giphy)

Stephan Dahrendorf antwortet:

"Der Moment ist peinlich, weil das Missverständnis deutlich wird. Aber: Die Teilnehmer haben gelacht. Das ist gar nicht schlecht. Wenn man miteinander einmal lacht, lockert sich das Gespräch sofort auf.

Man kann Gespräche positiv beeinflussen, indem man etwas Persönliches oder eine lustige Anekdote erzählt.

Die Anderen wollen einen ja kennenlernen.

Die Situation hätte die Kandidatin auch hier wieder mit guter Vorbereitung vermeiden können. Es gibt ein paar Fragen, die immer wieder kommen: Nach Stärken und Schwächen, nach Zukunftsplänen. Darüber sollte man vor einem Bewerbungsgespräch nachdenken."


Fühlen

Nehmt mir Insta Stories weg!

15.12.2017, 15:28 · Aktualisiert: 17.12.2017, 10:03

Wir müssen reden

Instagram, wir müssen uns mal unterhalten. Über die Funktion, sich anzeigen zu lassen, wer die eigenen Storys angeschaut hat. Es ist nämlich so: