Bild: Meister Proper; Montage: bento

21.06.2018, 11:05 · Aktualisiert: 21.06.2018, 17:06

Sie kriechen mit Lappen unter Schränke, putzen Toiletten, schrubben Fußböden: Reinigungskräfte machen einen harten Job, der meistens schlecht bezahlt wird. Und sie haben ein höheres Risiko, vorzeitig zu sterben, ergab eine Studie der Freien Universität Brüssel. Bei weiblichen Gebäudereinigern ist das Risiko um 16 Prozent erhöht, bei männlichen um etwa 45 Prozent.

Ob das an der Arbeit selbst liegt, an der in den Putzmitteln enthaltenden Chemie, an Staub oder Schimmel, das lässt sich anhand der Daten nicht sagen. Sicher ist aber: Auch, wenn sich einige vielleicht nicht vorstellen können, diesen Job zu machen – würde ihn keiner machen, wären öffentliche Einrichtungen, Büros oder Geschäfte wohl ziemlich versifft.

Warum möchten junge Menschen als Reinigungskraft arbeiten? Und: Wie ist es, als "Putzfrau" oder "Putzmann" bezeichnet zu werden? Hier erzählen vier von ihren Erfahrungen.

Erwartung vs. Realität

Manchmal kommen die Dinge anders, als wir dachten – vor allem im Job. Was im Bewerbungsgespräch super klang, kann in der Praxis überhaupt keinen Spaß machen. Oder umgekehrt. Davon erfahren wir aber häufig erst, wenn wir schon mittendrin stecken. Was ist jetzt besser: Geduld haben gleich wieder kündigen? Wie fangen Karrieren an – und wie enden sie? In dieser Serie erzählen Menschen davon.

Stephanie, 25, arbeitet als Reinigungskraft in privaten Haushalten

Was ich erwartete: Ich bin ausgebildete Hauswirtschafterin. Putzen habe ich also professionell gelernt. Als Mutter eines vierjährigen Sohnes wollte ich einen Job, in dem ich am Wochenende frei habe und nicht vor 10 Uhr anfangen muss – so kann ich meinen Kleinen noch in die Kita bringen. Also bewarb ich mich bei einer Reinigungsfirma und wurde genommen.

Wie es wirklich ist: In unserer Firma ist jeder fest angestellt. Das heißt, Putzmittel und Fahrtkosten werden bezahlt und ich bin sozialversichert. Wenn mein Sohn oder ich selbst krank sind und ich einen Job absagen muss, bekomme ich ganz normales Krankengeld.
Nervig sind die langen Strecken. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen fahren daher mit dem Auto. Ich nehme in der Regel die S-Bahn – und da München, die Stadt, in der ich lebe, nicht gerade klein ist, brauche ich von einem Job zum anderen locker mal eineinhalb Stunden.

Gerade die älteren Kunden sind dafür aber sehr nett.
Stephanie

Bin ich mit der Arbeit fertig, gibt es von ihnen immer ein herzliches Dankeschön. Manchmal auch ein Stück Kuchen. Einige sind auch ein bisschen einsam und freuen sich über einen kleinen Schwatz. In solchen Fällen bin ich nicht nur Reinigungskraft, sondern auch Gesellschafterin – das finde ich schön.

Anders sind hingegen die jüngeren Kunden: Für sie ist das Putzen in erster Linie eine Dienstleistung, die schnell und sachgerecht erledigt werden soll. Ein "Danke" höre ich von ihnen nur selten.

Einmal schickte mich eine Frau vor dem Putzen sogar mal in den Supermarkt zum Einkaufen. Das Geld für die zusätzliche Stunde bekam ich am Ende bar auf die Hand. Beim zweiten Termin gab es den nächsten Einkaufszettel. Als ich ihr sagte, dass ich das nicht wieder schwarz tun würde, änderte sie ihre Meinung. Ich fand das witzig: Die Frau war Mitte 30, Foodstylistin, lebte in einem Penthouse – aber die Stunde extra zu bezahlen, war ihr offenbar zu teuer.

Christian, 28, ist Gebäudereiniger

Was ich erwartete: Mit 16 stand für mich fest: Ich mache alles, aber ich gehe nicht weiter zur Schule. Stattdessen wollte ich ins Berufsleben einsteigen und Geld verdienen. Nachdem eine Ausbildung in der Industrie nicht geklappt hatte, meinte mein Vater: Dann mach doch Fensterputzer!

Bis dato wusste ich gar nicht, dass es eine dreijährige Ausbildung zum Gebäudereiniger gibt. Um sicherzugehen, dass das wirklich was für mich ist, machte ich ein Praktikum. Die Arbeit gefiel mir.

Wie es wirklich ist: Mittlerweile arbeite seit gut zwölf Jahren als Gebäudereiniger und führe einen Meistertitel in diesen Handwerk. Das Wort "Putzen" wird in unserem Beruf nicht gern gehört. Wir reinigen, pflegen und konservieren!

Leider gibt es immer wieder Menschen, die unsere Arbeit nicht wertschätzen. Das liegt auch daran, dass viele nicht wissen, wie vielfältig der Job ist.

Wir reinigen schließlich nicht nur Böden.

Wir pflegen auch die verschiedensten Materialien wie Holz oder Stein, um die Lebensdauer zu erhöhen und die Optik zu erhalten. Mitunter bekämpfen wir sogar Schädlinge.

Nur Kinder finden meinen Job oft spannend – besonders dann, wenn ich mit einer Arbeitsbühne in 35 Metern oder auch höher eine Glasfassade reinige.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass unser Berufsbild besser angesehen wird. Ich bin kein Putzmann. Ich bin Reinigungskraft.

Katharina*, 28, reinigt in privaten Haushalten

Was ich erwartete: Ich und mein Mann kommen ursprünglich aus Polen. Er arbeitete damals als Fahrer, ich als Verkäuferin. Das Doofe war, dass wir keine feste Wohnung hatten. Das heißt, wir zogen von Zimmer zu Zimmer und lebten immer nur zur Zwischenmiete.

Eines Sommers machten wir dann Urlaub bei seiner Mutter in Dachau und sie lud uns ein, zu bleiben. Da wir nichts zu verlieren hatten und uns Deutschland gefiel, sagten wir Ja. Den Job als Reinigungskraft hat sie mir dann vermittelt.

Wie es wirklich ist: Der Einstig war für mich ziemlich schwierig. Damit meine ich nicht die körperliche Arbeit – die war ich als Verkäuferin und Mutter von zwei Jungs gewohnt. Schwierig war, dass ich kaum Deutsch konnte. Kam ich zu Kunden in die Wohnung, erklärten sie mir was zu tun ist, sagten mir, wie ich was reinigen soll, zeigten, wo die Tabs für die Spülmaschine liegen.

Am Ende fragten sie mich, ob ich alles verstanden hätte. Ich nickte, obwohl ich lediglich einen Bruchteil kapiert hatte.

Danach begann ich zu putzen und hoffte einfach, dass ich nichts falsch machte.

Einmal dachte eine sehr reiche Frau, für die ich putzte, dass ich ein Paar ihrer Schuhe geklaut hätte. Da hatte ich ziemlich Angst – wir hatten nämlich dieselbe Schuhgröße und als Dienstleister kann man in solchen Situationen nur verlieren. Am Ende hatte die Dame ihre Schuhe einfach nur verlegt – eine Entschuldigung gab es natürlich nicht.

Ich mag meine Arbeit, die Bezahlung könnte jedoch besser sein. In der Probezeit bekam ich 10 Euro die Stunde, heute 11. Das ist zwar mehr als der Mindestlohn, allerdings fände ich es gut, wenn man über die Jahre hinweg stetig etwas mehr bekommen würde. Ich putze mittlerweile schließlich seit gut acht Jahren, das heißt, ich habe Erfahrung, weiß, wie ich meine Aufgaben strukturieren muss und erledige meinen Job doppelt so schnell wie jemand, der gerade erst angefangen hat – und das sollte meiner Ansicht nach auch honoriert werden.

Richard, 25, ist Gebäudereiniger

Was ich erwartete: Als ich mit der Schule fertig war, wusste ich nicht, was ich machen soll. Dann schlug mir ein Kumpel vor, Gebäudereiniger zu werden. Ich dachte mir: Versuchen kann man das ja mal.

Wie es wirklich ist: Tatsächlich macht mir die Arbeit ziemlich Spaß. Durch den Job komme ich viel rum, sehe Orte, die ich nicht kenne und treffe Menschen, denen ich sonst nie begegnet wäre.

In der Branche erlebt man allerdings auch viel Mist. In der Firma, in der ich vor fünf Jahren meine Ausbildung absolvierte, musste ich beispielsweise oft schon um 5 Uhr morgens anfangen. Nach drei, vier Stunden Putzen ging es weiter zum nächsten Job. Dann wieder drei, vier Stunden Putzen und weiter zum nächsten.

Kam ich abends gegen 22 Uhr nach Hause, war ich körperlich fix und fertig – und am nächsten Tag ging das ganze wieder von vorne los.

Zwei Jahre habe ich das mitgemacht – auch, weil ich Angst hatte, gekündigt und dann arbeitslos zu werden. Heute würde ich das nicht mehr mit mir machen lassen, sondern direkt zur Gewerkschaft gehen.

Die Firma, für die ich mittlerweile arbeite, gefällt mir sehr gut. Der Lohn könnte allerdings besser sein: Fürs Fensterputzen bekomme ich 13 Euro die Stunde, für die sogenannte Unterhaltsreinigung wie das Bödenwischen 10,30 Euro. Um mein Gehalt etwas aufzustocken, habe ich mir deshalb vorgenommen, bald eine Fortbildung zum Industriekletterer zu machen.

Ein Fall, an den ich mich besonders gut erinnern kann, war die Wohnungsauflösung einer älteren Dame. Sie war verstorben und die Hausverwaltung hatte uns für die Endreinigung engagiert. Dass die Frau mit mehreren Katzen zusammengelebt hat, roch ich bereits im Hausflur. Als ich die Wohnung dann betrat, bestätigte sich meine Vermutung: Katzenurin – und zwar überall. Da hieß es dann nur: Schutzkleidung anziehen, Arschbacken zusammenkneifen und durch.

*Name geändert.


Today

Burger King wollte, dass sich Frauen von WM-Spielern schwängern lassen

21.06.2018, 10:40 · Aktualisiert: 21.06.2018, 11:17

Es sollte ein Burger-Abo geben.

Burger King wollte Frauen in Russland lebenslang Hamburger und eine Geldprämie versprechen  – wenn sie von einem Spieler des russischen WM-Kaders schwanger würden. Nun musste die Fastfood-Kette die umstrittene Kampagne zurückziehen.