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Tina bekommt ein Jahr lang 1000 Euro im Monat - ohne etwas dafür zu tun

26.07.2017, 16:45 · Aktualisiert: 26.07.2017, 18:33

Stell dir vor, du bekommst jeden Monat 1.000 Euro. Einfach so. Ohne etwas dafür zu tun. Was würdest du machen? Endlich kündigen? Jeden Tag Party? Die neuen Sneaker kaufen, die du schon so lange haben wolltest? Alles gute Ideen. Aber auf Dauer könnte das auch ganz schön langweilig werden. Oder?

Tina, 24, aus Berlin bekommt seit Januar jeden Monat 1.000 Euro ohne dafür einen Finger zu rühren - na gut, ein paar Klicks und etwas Glück mussten schon sein. Denn sie hat das Grundeinkommen vom Berliner Projekt Mein Grundeinkommen gewonnen. Ein Jahr lang. Hier erzählt sie, was sie mit dem Geld macht und wie sich ihr Leben seither verändert hat. 

Wie kann ich Grundeinkommen gewinnen?

Einfach bei Mein Grundeinkommen registrieren und an der Verlosung teilnehmen. Die nächste ist am 27. Juli um 19 Uhr. Bis zu einer halben Stunde vorher kann man sich noch anmelden. Dann wird bereits das 100. Grundeinkommen verlost. Dieses Mal unter dem Motto "Gönnt euch" - eine Tandemverlosung. Also du kannst gemeinsam mit einem Freund oder oder Freundin ein Jahr lang jeweils 1.000 Euro pro Monat gewinnen. Ziel ist es, dass ihr euch über eure Erfahrungen austauschen könnt. Die Teilnahme ist übrigens kostenlos. Das Projekt finanziert sich über Crowdfunding.

Warum hast du dich beworben?

Mein Freund hat mich darauf gebracht. Das war ungefähr ein Jahr bevor ich tatsächlich gewann. Mir ging es zu dieser Zeit finanziell eher schlecht, weil mein Bafög für mein Jurastudium weggefallen ist. Und die Idee vom Grundeinkommen finde ich auch super.

Wie war das, als du die Nachricht bekommen hast?

Das war im Dezember. Ich hatte die Verlosung gar nicht mehr auf dem Schirm und war mit Freunden dabei, Plätzchen zu backen, als ich dann die E-Mail bekommen habe. Erst dachte ich, es wäre eine Spam-Nachricht.

Aber als ich sie mir noch einmal richtig durchgelesen hatte und auch alle meine Daten richtig waren, habe ich so langsam realisiert, dass ich tatsächlich gewonnen habe. Ich war total aus dem Häuschen und konnte mir erstmal gar nicht vorstellen, wie es ist jeden Monat 1.000 Euro zu bekommen - einfach so. Meine Freunde und ich haben dann sofort Pläne geschmiedet, was man mit dem ganzen Geld anstellen könnte. Ganz oben stand auf jeden Fall ein Urlaub mit meinem Freund.

Wenn du wissen willst, ob du mit Geld so umgehst wie der Durchschnitt, kannst du an unserer Umfrage teilnehmen:

Was hast du gemacht, als du die ersten 1.000 Euro auf deinem Konto gesehen hast?

Das Gefühl war unbeschreiblich. Das war der erste Moment, in dem ich gedacht habe: Ok, es stimmt wirklich. Es hat alles geklappt und es ist nicht nur ein Traum. Ein krasses Gefühl, plötzlich so viel Geld auf dem Konto zu haben, ohne dass man etwas dafür getan hat. Mit dem ersten Geld habe ich meine Eltern zum Essen eingeladen. Sie haben mich die ganzen Jahre unterstützt. Da wollte ich sie mal so richtig ordentlich ins etwas teurere Berliner Restaurant Neni zum Essen ausführen.

Was bedeutet Bedingunsloses Grundeinkommen und wo kommt die Idee her?

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) soll jedem Bürger eines Landes bereitgestellt werden. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Kassierer oder Top-Manager handelt. Also ähnlich wie beim Kindergeld. Das bekommen auch alle Eltern, egal wie viel sie verdienen. Die Höhe des BGE richtet sich nach dem Existenzminimum eines Landes. Denn das soll gesichert werden, damit sich die Bürger frei entfalten können.

Die Verfechter des BGE glauben, dass die Bürger mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ihre persönlichen Träume verwirklichen, mehr arbeiten und motivierter sind als zuvor, mehr Zeit mit ihren Familien verbringen und durch das Aussetzen der Existenzangst sorgenfreier, bewusster und gesünder leben. 


Was hat sich durch das Grundeinkommen in deinem Leben verändert?

Vom Lebensgefühl her hat sich einiges verändert. Ich bin selbstbewusster geworden, was wahrscheinlich mit dieser Sicherheit zusammenhängt. Ich habe jeden Monat wieder diese 1000 Euro zur Verfügung. Das ist eine Sicherheit, die einen sehr viel selbstbewusster und entspannter macht.

Nachdem mein Bafög weggefallen ist, musste ich wirklich auf jeden Cent achten. Als ich mich dann für einen Studentenjob beworben habe, war ich doch sehr unter Druck, dass alles klappen musste und ich so schnell wie möglich eine Zusage bekomme. Mit Grundeinkommen schaffe ich es entspannt, mit Vorgesetzten zu sprechen und kann mich besser für meine Interessen einsetzen. Und man fühlt sich auch viel wertgeschätzter.

Warum fühlst du dich wertgeschätzter? Du hast dafür ja nichts geleistet in dem Sinne.

Bedingungslosigkeit hat für mich viel mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darauf, dass das Geld nicht in schlechte Hände gerät und ich mich selbst weiterentwickeln kann und darf ohne die Angst, mich durch finanzielle Not gelähmt zu fühlen. Dieses Vertrauen, auch wenn jeder andere das Grundeinkommen hätte gewinnen können, gibt mir das Gefühl gewertschätzt zu werden.

Bist du jetzt spendabler geworden oder legst du das Geld zurück?

Ich lege schon einen Teil zurück. Bald werde ich mein Referendariat anfangen. Dann werde ich kein Grundeinkommen mehr haben und auch nicht viel verdienen. Aber ich leiste mir auch mehr. Im September werde ich mir meinen Traum erfüllen und nach Australien reisen.

Oder wenn ich im Supermarkt bin. Dann greife ich lieber zur teureren Fairtrade-Milch und unterstütze auch gern andere gemeinnützige Aktionen. Natürlich gebe ich meinen Freunden auch gern mal ein Bier aus.

Das heißt, deine Freunde wissen, dass du Grundeinkommen bekommst?

Erst war ich schon ein wenig skeptisch, wem ich das erzählen soll. Klar, die Freunde die dabei waren, haben es sofort erfahren. Auch meine Familie hat es sofort erfahren. Dann dachte ich aber, es würde vielleicht Neid entfachen oder es kommen Sprüche, wie ‘du kannst es dir ja jetzt leisten’.

Deswegen hatte ich mir erst überlegt, dass ich es für mich behalte und nur dem engen Familien- und Freundeskreis erzähle. Aber mittlerweile rede ich da viel offener drüber und mir ist es im Prinzip auch egal, wer es weiß. Ich finde das Projekt ganz cool und erzähle den Leuten auch gern, dass das Grundeinkommen was tolles ist und sie sich doch mal mit dem Thema beschäftigen sollten. Das ist mir nicht mehr so wichtig, ob die Leute jetzt neidisch sind. Denn sie können ja auch einfach mitmachen.


Wo wird mit dem BGE experimentiert?

Im kanadischen Bundesstaat Ontario läuft seit diesem Jahr ein Projekt, bei dem wenige Bürger ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten. In den kommenden drei Jahren soll herausgefunden werden, wie sich die Arbeitsmarktchancen für Geringverdiener verändern und wie sich das BGE auf deren Bildung und Gesundheit auswirkt. Ebenso seit diesem Jahr bekommen in Finnland 2.000 Langzeitarbeitslose jeden Monat 560 Euro, ohne dass daran Bedingungen geknüpft sind. Ein erstes Fazit: Die Finnen sind glücklicher und der Stress-Level sinkt

Kritiker meinen, das bedingungslose Grundeinkommen würde Menschen antriebslos und faul machen. Wie ist das bei dir?

Bei mir war das zu keinem Zeitpunkt der Fall. Ich habe weiter was für die Uni gemacht, habe meine Examensnote sogar noch verbessert. Ich habe nebenher noch weiter in einer Kanzlei gearbeitet. Ich habe eher das Gefühl, dass ich die Sicherheit habe, jetzt etwas wagen zu können, mich selbst weiterzuentwickeln.

Wie würdest du dich gern weiterentwickeln?

Ich möchte mich mehr ehrenamtlich engagieren. Ich habe bereits als Studentin in einer Law Clinic ehrenamtlich Rechtsberatungen gegeben, interessiere mich aber auch für die Arbeit von Viva con Agua, die sich weltweit für den Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzen. 

Glaubst du, das bedingungslose Grundeinkommen könnte in Deutschland funktionieren?

Ich denke schon, dass es irgendwie funktionieren könnte. Denn mit dem Grundeinkommen könnte die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland aufgehoben werden. Nicht jeder kann sich zum Beispiel ein Studium leisten. Oder viele entscheiden sich für eine Ausbildung, bei der sie am Ende viel Geld verdienen, obwohl sie die Arbeit gar nicht interessiert.

In Deutschland gibt es ja viele verschiedene soziale Absicherungen. Reicht das nicht?

Alle Sozialleistungen sind immer situationsabhängig. Das ist alles sehr ungerecht. Beim Bafög müssen die Eltern nur 20 Euro mehr verdienen und schon bekommst du das nicht mehr. Als ob die 20 Euro dann reichen würden. Ich finde es auch sehr demütigend, immer wieder wegen Hartz-IV zum Amt zu müssen und sich für seine Situation zu rechtfertigen.

Außerdem ist das auch ein riesiger Arbeitsaufwand mit den ganzen Dokumenten. Würden alle Menschen bedingungsloses Grundeinkommen bekommen, würde sich das Grundgefühl der Leute sicher ändern wie bei mir und die Leute wären zufriedener, weil man sie nicht bemitleidet, sondern sie selbstverständlich unterstützt.


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