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Future

Warum die Anwesenheitspflicht an der Uni endlich abgeschafft werden sollte

29.09.2017, 18:37 · Aktualisiert: 30.09.2017, 12:35

Der Prof sitzt am Pult und hält seine Monologe, gelangweilte Studenten unterhalten sich im Flüsterton, scrollen bei Facebook und Instagram – oder verstecken sich hinter ihren Laptops für ein kleines Nickerchen

Alles klar, das Seminar wird nur aus einem Grund besucht: Anwesenheitspflicht.

Seit Jahren ein Streitthema unter Studierenden, Lehrkräften und Vertretern der Landesregierungen

Durch die Bologna-Prozesse haben sich die nervigen Unterschriftenlisten in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg durchgesetzt – dort dürfen die Hochschulen selbst entscheiden. 

NRW will jetzt eine ähnliche Regelung: Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) will den Hochschulen bald die Wahl lassen. Ein ewiges Hin und Her – erst vor drei Jahren hatte die rot-grüne Landesregierung die Präsenzpflicht abgeschafft. (Spiegel Online)

Dann heißt es bald: Wer zum dritten Mal unentschuldigt fehlt, fliegt raus aus dem Seminar.

Viele halten diese Art von Verschulung für sinnlos – und das hat seinen Grund. Denn: Ja, es gibt eine Schulpflicht, aber keine Hochschulpflicht.

Wer studiert, der tut es in der Regel aus freien Stücken und nicht, weil er muss. 

Wozu also die Anwesenheitspflicht? Für unbeliebte Professoren oder Lehrveranstaltungen sicher ein Ausweg aus dem Worst Case: dem leeren Hörsaal. Das ist aber keine sinnvolle Lösung.

Wer ein Seminar besucht, weil er muss, wird seine Zeit absitzen – mehr nicht.

Das Abschaffen der Anwesenheitspflicht könnte Professoren mit leeren Hörsälen dabei helfen, ihre Lehrveranstaltungen zu überdenkenNeuerungen zu schaffen – und das Interesse der Studenten zu wecken. 

Im Idealfall gäbe es dann mehr Studierende, die nicht nur körperlich, sondern auch geistig anwesend sind. 

Ein Beispiel: Vor drei Jahren saß ich in meinem Seminar zum Thema "Cultural Studies" an der Uni Mainz, 40 Kursteilnehmer, knallharte Anwesenheitspflicht. Wer diskutiert mit? Natürlich nur die Leute, die tatsächlich Lust dazu haben. 

Die Folge: ein frustrierter Dozent, eine noch frustriertere Gruppe. Und ich habe nicht mehr gelernt, weil um mich herum 37 Statisten saßen.

An der Stelle:

Ein weiteres beliebtes Argument von Befürwortern der Anwesenheitspflicht: Studierenden mit fehlender Selbstdisziplin kann geholfen werden, die Inhalte aufzuarbeiten. 

Aber: Studierende, die nicht genug Selbstdisziplin haben, werden sie mit der Anwesenheitspflicht erst recht nicht lernen. Wie in der Schule wird das fremdbestimmte Dasein fortgeführt. Wer aber bei der nächsten Klausur durchfällt, weil er nicht anwesend war, wird daraus lernen. 

Jeder einzelne Studierende ist erwachsen und wird früher oder später die Lernmethode anwenden, die für ihn oder sie am besten funktioniert. Eine Anwesenheitspflicht ist nicht für jeden die optimale Lösung

Studierende sollten die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, welche Seminare sie wie oft besuchen und wo sie ihre Prioritäten setzen. Die Anwesenheitspflicht gehört daher abgeschafft!

Noch ein Aufreger: Weg mit dem NC!


Gerechtigkeit

Thüringen kriegt ein NSU-Mahnmal – doch CDU und AfD waren dagegen

29.09.2017, 18:34

Der Thüringer Landtag hat sich erneut mit der NSU-Mordserie befasst. Auf Antrag von Linken, SPD und Grünen stimmte das Parlament über den Bau einer Gedenkstätte und der Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" ab. Beides wurde mit 45 Jastimmen beschlossen. 

Die 36 Gegenstimmen kamen von der CDU und AfD.