Bild: Tyler Lastovich/Unsplash/bento

Food

Schnaps oder Nickerchen: Was hilft wirklich nach dem Weihnachtsessen?

22.12.2017, 17:54 · Aktualisiert: 23.12.2017, 11:07

Klären wir das – ein für alle Mal!

Um 12 Uhr gibt’s Braten und Klöße mit Soße, nachmittags Stollen, Marzipankartoffeln und Torte – und damit zwischendurch niemand verhungert, stehen überall Kekse und Lebkuchen herum. Weitere Hauptrollen Raclette, Fondue, eine Gans oder ähnlich fettes Getier.

Weihnachten bedeutet oft: drei Tage Völlerei.

(Bild: Giphy)


Was macht das mit unserem Körper? Wie schnell nimmt man eigentlich zu? Und hilft Opas Verdauungsschnaps wirklich?

Wir haben nachgefragt: Bei Candy Sierks, Ernährungswissenschaftlerin und Mitglied im Berufsverband Oecotrophologie.

Fangen wir bei den kurzfristigen Folgen an: Was bedeutet es für unseren Körper, wenn wir uns auf ein Mal vollstopfen?

"Natürlich wird das Verdauungssystem belastet, wenn sehr viele fettreiche Speisen und sehr große Mengen gegessen werden", sagt Candy Sierks. "Durch fettige Speisen und Alkohol wird die Verdauung verlangsamt. Der Körper ist viel länger damit beschäftigt, die Nahrung zu verarbeiten und braucht dafür viel Energie. Dadurch fühlt man sich träge."

Die Müdigkeit nach dem Essen ist wissenschaftlich zu erklären: Für die kräftezehrende Verdauung wird besonders viel Blut in den Magen-Darm-Trakt gepumpt, es bleibt weniger für das Gehirn übrig – und das macht müde.

Wenn dann noch blähende Lebensmittel wie zum Beispiel Kohl oder Zwiebeln dazu kommen, sorgt das dafür, dass wir uns unangenehm voll fühlen. Und das kann durch schnelles Essen noch verstärkt werden: Wer Gans und Rotkohl runterschlingt, pumpt gleichzeitig Luft in den Magen, die das Völlegefühl weiter steigert.

Bekannte Wahrheit: Man nimmt nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.

Bekannte Wahrheit: Man nimmt nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. (Bild: Gabriel Garcia Marengo/Unsplash)

Und wie ist das mit Sodbrennen? Liegt das am Essen?

"Sodbrennen entsteht meistens dadurch, dass man spät viel ist. Wenn man sich im Anschluss hinlegt, gelangt der Mageninhalt zurück in die Speiseröhre – auch die brennende Magensäure", sagt die Expertin. Dagegen hilft: Aufrecht sitzen, damit alles im Magen bleibt, auch beim Schlafen nach dem ausladenden Abendessen ein zusätzliches Kissen unter den Kopf legen. Wenn das Sodbrennen länger bleibt, sollte man allerdings zum Arzt gehen, dann liegt es nicht unbedingt am Weihnachtsessen.

Vielleicht isst man zwischendurch mal Mandarinen statt Lebkuchen
Candy Sierks

Macht das Weihnachtsessen allen Menschen so zu schaffen?

"Wie immer bei Ernährungsfragen gibt es natürlich große individuelle Unterschiede", sagt Candy Sierks. "Wenn ich plötzlich von normaler Ernährung auf fettreiches Essen umsteige und dann noch Alkohol im Spiel ist, muss der Körper mit dieser Umstellung klarkommen.

Wie irritiert unser Verdauungstrakt ist, hängt davon ab, was sonst auf den Teller kommt: "Wenn ich normalerweise darauf achte, viel Obst und Gemüse und nicht so viel Fleisch zu essen, dann ist Weihnachten für die Verdauungsorgane natürlich schwieriger als bei jemandem, der über das ganze Jahr nicht so auf seine Ernährung achtet." Deshalb das ganze Jahr über wie an Weihnachten zu schlemmen, ist aber auch keine gute Idee.

Alle Folgen "Klären wir das - ein für alle Mal" gibt es hier:

Wir fühlen uns also voll, sind müde, kriegen Sodbrennen: Was können wir dagegen tun?

Hinlegen nach dem Essen ist wie gesagt keine gute Methode. Was hilft also dann? "Es ist gut, einen Ausgleich durch viel Obst und Gemüse zu schaffen", sagt die Expertin. "Vielleicht isst man zwischendurch mal Mandarinen statt Lebkuchen oder mittags eine Gemüsesuppe oder einen Smoothie, wenn man weiß, dass abends ein weiteres Festessen ansteht."

Öfter mal die Plätzchen stehen lassen und stattdessen eine Mandarine

Öfter mal die Plätzchen stehen lassen und stattdessen eine Mandarine (Bild: rawpixel.com/Unsplash)

Außerdem sollte man viel trinken (Wasser – am besten ohne Kohlensäure) und sich bewegen: "Ein Spaziergang nach dem Essen ist super, Bewegung und frische Luft regen das Verdauungssystem an, sodass wir uns besser fühlen."

Und was ist mit dem Schnaps nach dem Essen?

"Der Alkohol reduziert tatsächlich im ersten Moment das Völlegefühl", sagt Candy Sierks. "Durch den Schnaps wird die Magenwand erweitert, die Bewegung des Magens wird verlangsamt und dadurch fühlt es sich kurzzeitig etwas besser an."

Allerdings führt der Alkohol dazu, dass Magen und Darm langsamer arbeiten und wir somit noch länger mit dem ganzen Essen in uns zu kämpfen haben. Angeregt wird die Verdauung durch Gewürze wie Fenchel (zum Beispiel im Tee), Kümmel (aber besser nicht in Schnapsform) oder Koriander.

An der Stelle:

Nimmt man durch die Weihnachts-Völlerei zu?

"Hier gilt wirklich der bekannte Spruch: Man nimmt nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten", sagt Sierks. "Zwei oder drei Tage ändern nicht sofort etwas am Gewicht, wenn man sich normalerweise vernünftig ernährt."

Wer ab dem 27. Dezember also zurück zu einer bewussten Ernährung kehrt, muss die zusätzlichen Kilos nicht befürchten. "Wenn man aber schon Mitte November mit Lebkuchen anfängt und den ganzen Advent über jeden Tag Glühwein trinkt, dann schlägt es natürlich ins Gewicht."

Zwei oder drei Tage ändern nicht sofort etwas am Gewicht, wenn man sich normalerweise vernünftig ernährt
Candy Sierks

Was kann man tun, um Weihnachten halbwegs vernünftig zu essen – ohne auf Gans, Klöße und Kuchen zu verzichten?

"Man sollte auch an Weihnachten bewusst essen, einzelne Mahlzeiten genießen und sich beim Essen Zeit nehmen", sagt Sierks. "Das bedeutet auch, dass man auf seinen Körper hört und nicht weiter isst, wenn man satt ist." Wichtig ist auch: langsam essen und gut kauen. Dadurch werden wir erstens eher satt, außerdem sind wir so vielleicht noch bei der ersten Portion, wenn Onkel und Opa schon die zweite nehmen – und essen so insgesamt weniger.

Und ein Faktor wird bei der Verdauung meist völlig unterschätzt: der Stress. "Stressgefühle beeinflussen die Säureproduktion und die Beweglichkeit des Magens", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. "Der Stress sorgt dafür, dass die Energie woanders im Körper gebraucht wird, das legt die Verdauung lahm." Wir sollten unser Stresslevel also – trotz Geschenke-Wahnsinn und Familientreffen – möglichst gering halten. Dann können wir auch das fette Weihnachtsessen besser vertragen.

Auch eine Art der Stressbewältigung: Lachen! Zum Beispiel mit ihm hier:


Today

Autohaus will syrischen Flüchtling zurückschicken – jetzt liefern sich Trolle eine Rezensions-Schlacht

22.12.2017, 17:26

Ein Flüchtling aus Syrien bewirbt sich bei einem Autohaus nahe Bonn. Er hat Abitur und spricht gut Deutsch, im Autohaus will er eine Ausbildung machen. Der Chef hatte ihn höchstpersönlich zur Bewerbung ermutigt.