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Food

Nackensteak für 2 Euro bei Aldi – was bitte läuft da schief?!

30.05.2017, 17:43 · Aktualisiert: 30.05.2017, 18:15

Für 1,99 Euro bekommt man Hundefutter, Kaugummi und – aufgepasst – Nackensteak. Pünktlich zur Grillsaison beginnt der Preiskampf in den Supermärkten. Preisdumping bei tierischen Produkten wie Milch und Fleisch ist kein neues Thema. Aber der Discounter Aldi Süd setzte nun eine neue Messlatte: 600 Gramm Schweinenackensteak für 1,99 Euro. 

Dominik Boisen machte auf das erschreckende Angebot auf der Facebook-Seite von Aldi Süd aufmerksam. Das Ergebnis: eine brisante Diskussion, schon über 17.000 mal geteilt und über 3.500 mal kommentiert wurde:

Hallo ALDI, diese Woche habt Ihr BBQ Nackensteak im Angebot. 600 g mariniertes Schweinenacken-Steak für 1,99 €. Weniger...

Posted by Dominik Boisen on Mittwoch, 17. Mai 2017


Dominik geht es vor allem um das Wohl der Tiere. Wie die Schweine gehalten würden, bei einem Endpreis von 1,99 Euro abzüglich der Produktions-, Verpackungs-, Transport- und Personalkosten, liege auf der Hand: "Von preisWERT kann bei diesem Angebot sicher keine Rede sein".

Und er spricht die eigentliche Verantwortung von Aldi Süd als große Discountkette an: "Es wäre für Euch ein Leichtes, Eure Marktdominanz zu nutzen, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und die Zustände positiv zu verändern." Das denken auch viele der Facebook-User, andere sehen wiederum die Dumpingpreise nicht so kritisch. 

Das schreiben sie in den Kommentaren: 

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Und so reagierte Aldi Süd - aber erst nach zehn Tagen: 


Die Antwort ist jedoch eher inhaltslos: Aldi Süd trifft keine Aussagen zur Preispolitik und macht als Ablenkungsmanöver auf die Initiative Tierwohl aufmerksam – ein Bündnis mehrerer Supermarktketten, Landwirtschaftsbetriebe und Schlachthöfe. Die Initiative will die Haltungsstandards von Schweinen, Masthühnern und Puten verbessern. Aldi Süd ist Gründungsmitglied. 

Die Initiative wird aber selbst von der Verbraucherzentrale als kritisch eingestuft: 

  • Der Ansatz der Initiative zum Schutz von Tieren ist zu kurz gedacht.
  • Es gibt zu wenig Transparenz und überzogene Werbung.
  • Kunden können sich nicht sicher sein, dass das Fleisch aus einem Betrieb der Initiative stammt.
  • Für Verbraucher, die Wert auf eine erheblich bessere Tierhaltung legen, ist dieses Fleisch keine Alternative.

Wie sieht es bei der Konkurrenz aus?

Wir haben einen Blick in aktuelle Supermarkt-Kataloge geworfen. Bei Netto bekommt man zur Zeit 700 Gramm Schweine-Kotelett für 3,29 Euro, bei Real gibt es ein Kilogramm sogar schon für 3,88 Euro. Und bei Edeka sieht es nicht anders aus: Ein Kilogramm Schweinenacken für 3,99 Euro. 

Umgerechnet auf je 100 Gramm heißt das: 

Ein großer Preisunterschied lässt sich also nicht feststellen, doch Aldi steht an letzter Stelle. 

Wie kommt es zu solchen Dumpingpreisen?

Aldi Süd erklärt in einem Statement, dass sie "als Discounter in großen Mengen einkaufen und, auf sehr schlanke Strukturen zurückgreifen können – zum Beispiel in der Logistik – und über ein ausgesuchtes Sortiment verfügen".

Doch damit beginnt ein Teufelskreis: 

Das Fleisch wird also immer günstiger, weil immer mehr produziert wird. Innerhalb der letzten 25 Jahre:

  • nahm der Schweinebestand etwa um die Hälfte zu und
  • die Geflügelproduktion verdreifachte sich beinahe (Fleischatlas).

Die Bauern halten immer mehr Tiere. Das führt dazu, dass mehr geschlachtet wird. Mehr Fleisch führt zu einem Überangebot und die Preise sinken

Weil die Preise sinken, halten die Bauern wieder mehr Tiere oder sie halten sie unter schlechteren Bedingungen— nur so können sie Gewinne einfahren. Und der Handel wird überschwemmt vom Billigfleisch.

Was sagen denn Umweltschützer dazu? 

Katrin Wenz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik des BUND

Katrin Wenz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik des BUND (Bild: Katrin Wenz)

Wir haben mit Katrin Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gesprochen: "So kann es nicht weitergehen", meint sie. Überdüngte Böden, Klimawandel und die Verarmung der Bauern sind nur ein paar Folgen der Überproduktion.

Außerdem sei es "extrem schwierig Absatzmärkte für diese riesigen Mengen zu finden." Eigentlich ist Deutschland ein "Fleischland", aber seit Jahren wird immer weniger konsumiert. Vor allem Schweinefleisch. 


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