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07.01.2018, 14:31 · Aktualisiert: 08.01.2018, 07:43

Klären wir das – ein für alle Mal!

Verdammt! Da liegt sie, die Brötchenhälfte, zu meinen Füßen – und, wie es sich gehört, natürlich mit dem Belag nach unten. Egal, Drei-Sekunden-Regel, sagt eine Stimme in mir automatisch. Die andere Stimme in meinem Kopf hält das für unwissenschaftlichen Quatsch. Aber wer hat Recht? Muss ich mein Brötchen wegwerfen? Oder kann ich es noch essen, wenn es kürzer als drei Sekunden auf dem Boden lag?

Die Frage, ob und wie lange man heruntergefallene Lebensmittel noch Essen kann, beschäftigt zum Glück nicht nur mich, sondern auch die Wissenschaft. Also haben wir beim Bundesinstitut für Risikobewertung nachgefragt.

Zunächst mal zum Risiko: Was kann durch verunreinigte Lebensmittel überhaupt passieren?

Wenn wir zu viele Keime aufnehmen, kann das zu Lebensmittelinfektionen oder Lebensmittelvergiftungen führen – mit den klassischen Symptomen Durchfall, Magenkrämpfen und Erbrechen. Das alles ist unangenehm, heilt aber meist von selbst ab. Ernster ist die Lage, wenn es zu einer Infektion mit Hepatitis-Viren über das Essen kommt, die kann laut Bundesinstitut für Risikobewertung zu Leberentzündungen führen. Besonders aufpassen sollten Menschen mit schwachem Immunsystem und Risikogruppen wie Schwangere, Kinder oder ältere Menschen: Hier können Lebensmittelinfektionen in extremen Fällen sogar lebensgefährlich werden.

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Der Stand der Forschung

Die aktuellste Studie zu dem Thema wurde 2016 in den USA veröffentlicht – auf diese Ergebnisse verweisen auch die deutschen Risikoexperten. Forscher der Rutgers University in New Jersey haben zwei Jahre lang untersucht, was passiert, wenn unterschiedliche Lebensmittel auf unterschiedliche Fußböden fallen. Die Untersuchung trägt den Titel "Is the five-second rule real?" – vor allem in den USA gelten sogar fünf statt drei Sekunden als Obergrenze. Das Ergebnis: Egal, wie schnell man das Essen wieder vom Boden aufhebt, es werden immer Keime übertragen.

Können wir uns überhaupt richtig schützen?

Wir können es zumindest versuchen: "Wir sind den Folgen einer Kontamination von Lebensmitteln nicht hilflos ausgeliefert", sagt Petra Hiller. " Zum Beispiel können wir uns gut gegen Krankheitserreger schützen, wenn wir Lebensmittel vor dem Verzehr ausreichend erhitzen." Wichtig dabei: Im Innern des Lebensmittels sollte mindestens zwei Minuten lang eine Temperatur von 70 Grad herrschen (soweit wir das einschätzen können). Das tötet die Keime, die möglicherweise über den Boden auf Dinge übertragen wurden. "Im privaten Rahmen ist es natürlich auch eine persönliche Entscheidung, ob man Lebensmittel noch essen möchte, die vorher auf dem Boden lagen – da spielt ja auch das eigene Ekelempfinden eine Rolle."

Ist an der Regel also gar nichts dran?

So eindeutig kann man das nicht sagen – die Theorie ist aber nicht ganz unbegründet. Die Forscher haben untersucht, wie stark verschiedene Lebensmittel kontaminiert sind, wenn sie weniger als eine Sekunde, fünf Sekunden, 30 Sekunden und 300 Sekunden lang auf dem Boden lagen. Dabei zeigte sich: Je länger der Kontakt mit dem Boden, desto mehr Keime wurden übertragen. Aber: Kein Lebensmittel war komplette ohne Befall.

Ein Risiko wird also nicht ausgeschlossen, wenn man die magische Grenze unterschreitet – die Gefahr wird nur reduziert. Mindestens genauso wichtig wie die Zeitspanne war aber die Art des Lebensmittels und die Beschaffenheit des Bodens. Am stärksten befallen war eine aufgeschnittene Wassermelone – Lebensmittel mit hoher Feuchtigkeit nehmen der Studie zufolge Keime schneller auf als trockene. Beim (verschmutzten) Untergrund gilt: Glatte Materialien wie Fliesen oder Stahl geben mehr Bakterien weiter als zum Beispiel Teppich, der viel aufsaugt. All das können wir also bei der nächsten "Kann man das noch essen"?-Entscheidung berücksichtigen.

Sollten wir nur beim Fußboden aufpassen? Oder wo werden Keime noch übertragen?

"Mikroorganismen können über verschiedene Wege auf Lebensmittel übertragen werden", sagt Dr. Petra Hiller aus der Abteilung Biologische Sicherheit beim Bundesinstitut für Risikobewertung. "Das kann über ein anderes Lebensmittel passieren, zum Beispiel rohe tierische Produkte. Eine Übertragung kann aber auch über Geräte, Oberflächen oder die eigenen Hände geschehen." Verunreinigungsgefahren lauern im Alltag also überall – wir sollten nicht nur darauf achten, ob ein Stück Apfel oder eine Scheibe Brot tatsächlich den Fußboden berührt hat.

Hilft es, wenn wir Obst und Gemüse waschen?

"Obst und Gemüse sind häufig ein Sonderfall, weil sie teilweise roh verzehrt werden und somit nicht erhitzt werden", sagt Petra Hiller. "Grundsätzlich sollte man diese Lebensmittel deshalb gründlich unter fließendem Wasser waschen. Außerdem hilft es natürlich, Obst und Gemüse zu schälen: So werden vorhandene Mikroorganismen am besten entfernt." Beim Waschen und Schälen spielt natürlich noch ein anderer Punkt eine Rolle: Die Reste der Pflanzenschutzmittel bei gespritzten Lebensmitteln, die wir mit diesen Vorsichtsmaßnahmen möglichst gut entfernen.

Können auch bei der Lagerung Krankheitserreger auf unser Essen kommen?

Wir denken an Keime auf dem Boden oder an der Supermarkt-Kasse – aber wie ist es im eigenen Kühlschrank? Können unsere Lebensmittel auch dort verunreinigt werden? "Es gibt viele Wege, durch die Krankheitserreger in unsere Kühlschränke kommen", erklärt Petra Hiller. "Verkaufsverpackungen stellen einen Schutz für das eingepackte Lebensmittel dar, aber von außen sind sie vielfältigen Einflüssen ausgesetzt, die wir nicht abschätzen können". Wenn die Käsepackung also mal auf dem Boden eines Transporters lag, ist sie potenziell mindestens genauso gefährlich wie unser Küchenboden.

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Noah Becker und sein Vater reagieren auf rassistischen Angriff der AfD

07.01.2018, 13:37

Warum so viele Menschen die AfD unmöglich finden? Warum die AfD keine normale Partei wie jede andere ist? Es sind rassistische Äußerungen wie die von dem AfD-Politiker und Abgeordneten Jens Maier. Der hatte Noah Becker, den Sohn von Tennislegende Boris Becker, auf Twitter beleidigt:

"Dem kleinen Halbn***r scheint zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären."

Die Nachricht wurde abends gepostet und verschwand am nächsten Morgen wieder. Jens Maier behauptet, ein Mitarbeiter habe sie verfasst.