Bild: Winfried Veil

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Warum Kunst und Yoga zusammenpasst und wie man von Kakao high wird

21.12.2015, 11:09 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Wir haben Eva Kaczor, Kunstbloggerin und Yogalehrerin in Berlin, zum Interview getroffen.

Herzlich willkommen zum Guerilla-Yoga in der Essener Galerie Ikosaeder! Mittwochmorgen wird im Zehlendorfer Haus am Waldsee zu "Yoga in der Kunst" eingeladen. Die Galerie Vincent im Allgäu möchte "Seele und Geist der Menschen berühren". Auch das Kunstmuseum Ravensburg lädt zum Yogakurs ein. Sogar in der Körperwelten-Ausstellung – zwischen echten menschlichen Präparaten – wurde schon Yoga gemacht.

Kunst und Yoga – was geht da? Darüber haben wir mit Eva Kaczor gesprochen, Gründerin des Online-Magazin ArtBerlin und eine von rund 20.000 Yoga-Lehrerinnen in Deutschland. Ihre Yoga-Stunden gibt sie in den Kunsträumen der Berliner Galerie König. Wir treffen sie im Berliner Soho House, ihrem Teilzeitarbeitsplatz, zum Gespräch.

(Bild: Eva Kaczor)

Warum Yoga in Kunsträumen, gibt es nicht schon genug Yoga-Studios in Berlin?

Ich liebe Musik, ich liebe Kunst, ich liebe Yoga und oft habe ich das Gefühl, dass die Beschränkung auf eine Szene nicht Berlin ist. Meine Schüler gehen teilweise gar nicht in Yogastudios, weil es ihnen zu fest, zu eng, zu definiert ist. Und ich bin genauso.

Du hast dein Studium in Psychologie abgeschlossen, warum hast du dich zur Yogalehrerin weitergebildet?

Ich wollte als kleines Mädchen immer etwas mit Menschen machen. Während meines Psychologiestudiums und Praktikum in der Psychiatrie habe ich gemerkt, dass etwas fehlt. Also habe ich meine Yogaausbildung in New York gemacht.

Ich bin Technomädchen, aber ich gehe auch in Thailand in den Aschram.
Eva Kaczor

Was fehlte?

Die meisten Therapeuten arbeiten mit Verstand und Gefühl. Doch es gibt eine dritte Komponente: die Seele. Diese Erkenntnis kam mir durch Yoga. Bei Yoga geht es um Heilung, Selbstliebe, Verbindung und einen kraftvollen gesunden Körper.

Wie sehr achtest du darauf, wenn du unterrichtest?

Das Thema Heilung schwingt immer mit, aber es ist nicht explizit. Ich kenne mich aus, wie der Körper eigentlich anatomisch funktionieren soll. Wir müssen nicht krank werden, nicht so altern, wie es traditionell definiert ist, und man kann auch einen Senkspreizfuß wieder hochholen. Hingabe und Disziplin sind die Schlüssel dazu.

Das heißt, du lebst Yoga so richtig?

So zeitgenössisch, wie es geht. Ich bin ein Spirit, der zwischen allen Welten wandelt. Ich bin Technomädchen, aber ich gehe auch in Thailand in den Aschram, ins Mediationszentrum. Meine Freunde in Berlin sind international. Jeder von uns bringt seine Definition von Spiritualität in diese Stadt, und ich merke, dass ich das verbinde, weil ich zu Kunst einlade, weil ich zu Yoga einlade, und wir zusammen Tribal Dance oder Kakaozeremonien machen.

(Bild: Eva Kaczor)

Wie wird man von Kakao high?

Du schaffst eine Gruppe, ein Magnetfeld. Und Kakao macht dich high. Du brauchst dann nichts mehr anderes.

Du hast vor Jahren angefangen über Kunst zu bloggen, wie kam es dazu?

Nach meinem Studium habe ich als Markenstrategin gearbeitet, bis ich ein Burnout bekommen habe. Meine Seele hat gesagt: Das machen wir nicht mit. Ich habe ein Jahr pausiert und angefangen zu bloggen. Zuerst über kreative Unternehmer in Berlin, dann über Kunstsammler.

Doch dein Fokus hat sich verschoben?

2013 kam der Schritt zu dem, was mich wirklich interessiert: Wo kommt die Kunst her, und wer sind die Menschen dahinter? Ich habe das Online-Magazin ArtBerlin gegründet, um Künstlern eine Plattform zu geben.

Ich gehe nur tagsüber feiern. Mir geht es um das Tanzen.
Eva Kaczor

Funktioniert für dich diese Verknüpfung von Kunst, Yoga und Internationalität nur in Berlin?

Nicht nur, aber Berlin ist ein guter Ort: Die Stadt steht auf Wasser. Auch wenn wir manchmal denken, es ist schwierig, hier zu leben. Berlin hat im Gegensatz zu Tulum in Mexiko eine leichte Energie. Deshalb sind so viele Künstler hier. Klar ist es auch günstig, aber hier ist etwas, das Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen zusammenführt.

Mit 38 lebst du einen Lifestyle, bei dem du viel feierst?

Ich gehe nur tagsüber feiern. Mir geht es um das Tanzen, um die Verbindung auf der Tanzfläche zu fühlen. Ich gehe ins Berghain, in den Kater Holzig, ins Sisyphos. Ich gehe dort mit meinen Freunden hin, die mit mir das Spirituelle und die Liebe zu Musik teilen. Jedes Mal passiert etwas Wunderbares auf der Tanzfläche: Ich spüre Energien, ich treffe wundervolle Menschen, DJs und künftige Yogaschüler.

Seit dem Spätsommer gibst du nun in St. Agnes Yoga?

Ja, der Galerist Johann König kam auf mich zu. Das war sehr lustig, weil ich mir eine Woche vorher überlegt habe, wie ich ihn fragen könnte, ob ich in der Galerie einmal unterrichten könnte.

(Bild: Eva Kaczor)

Du unterrichtest Vinyasa. Was ist das genau?

Das ist ein Stil, der sehr dynamisch ist. Die Atmung führt die Bewegung: Einatmen Arme heben, Ausatmen vorwärts beugen. Einatmen rechtes Bein zurück, Ausatmen abwärtsschauender Hund – das führt dazu, dass du aus deinen täglichen Gedanken herauskommst.

Siehst du Yoga als Sport?

Yoga ist etwas Eigenständiges. Am Anfang habe ich es als Sport betrieben und mir viele Schmerzen hinzugefügt. Wenn der Ehrgeiz dabei ist, wenn die Atmung nicht stimmt, dann wird es plötzlich Sport, und das ist für Yoga nie förderlich. Wenn du es richtig machst, ist es für deinen Körper, deine Seele und deinen Verstand sehr beruhigend.

(Bild: Eva Kaczor)

Wenn du dich entscheiden müsstest zwischen Kunst und Yoga, was würdest du wählen?

Ich würde Yoga nehmen, aber für mich sind die beiden Pole total ergänzend. Ich sage ja zu Yoga als Lebensstill, aber jeden Tag nur zu unterrichten, wäre nichts für mich.

In den Galerien passiert in den vergangenen Jahren mehr Performatives, ich würde fast sagen, dass Konzepte aufbrechen, wenn ich mir Veranstaltungen wie deine sehe.

Das Gefühl, das etwas aufbricht, habe ich auch. Ich finde die König Galerie sehr offen, denn der Kunstmarkt ist immer noch sehr traditionell geprägt. In die Kategorie der Performance würde ich es nicht verorten, weil es etwas anderes ist.

Ist Yoga dann unter Künstlern weit verbreitet?

Es gibt ein Bewusstsein dafür. Ich kenne einige Künstler, die Yoga praktizieren, doch auch viele, die keines machen. Yoga und Kunst zusammenzubringen ist ein Experiment, das wundervoll zusammenpasst. Für jeden kommt dabei etwas anderes heraus.