Bild: Lauren Randolph

Art

Kennst du schon Berlins unterirdischen Regenbogen?

24.01.2017, 17:26

Eine Fotografin sortiert U-Bahnhöfe nach Farben

Lauren Lemon ist Fotografin und lebt in Los Angeles. So heißt sie nicht wirklich, aber ihre 245.000 Follower auf Instagram kennen sie unter diesem Namen. Lauren liebt Farben, besonders Gelb, ein gelber Stoffbeutel mit einem Smiley-Gesicht begleitet sie auf all ihren Reisen und ist immer mal wieder als gelber Farbklecks unter dem Hashtag #happybagontour in ihren Fotos zu sehen.

Da Lauren Randolph, so ihr richtiger Name, ein bisschen OCD-mäßig alles nach Farben sortieren muss, hat sie aus den Berliner U-Bahnhöfen einen Regenbogen gemacht. In Berlin war sie das erste Mal 2014, seitdem ist sie regelmäßig in der Stadt gewesen – um Freunde zu besuchen und um tatsächlich alle U-Bahnstationen zu fotografieren.

Einsteigen bitte, hier kommen einige der bunten Fotos von Lauren:

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Wir haben mit Lauren über die Berliner U-Bahnhöfe und ihre Fotos gesprochen.

Alle U-Bahnhöfe in Berlin zu fotografieren, das klingt aufwändig. Wie lange hast Du gebraucht?

Vier Mal bin ich nach Berlin gereist. Bei meinen Aufenthalten in der Stadt habe ich mich natürlich nicht nur im Untergrund aufgehalten. Meist waren es vier Stunden am Tag, die ich am Projekt gearbeitet habe, dann wollte ich wieder nach oben. Wenn ich mich entschieden hätte, auch die überirdischen Stationen zu fotografieren, hätte ich vermutlich länger gebraucht.

Als mir die Idee gekommen war, hatte ich sofort einen Regenbogen vor Augen und ein Poster, deshalb habe ich nur die farbigen unterirdischen Bahnhöfe fotografiert. Ich nenne es die chromalogische Ordnung.

Ja, das sind 154 Fotos von U-Bahnhöfen

Ja, das sind 154 Fotos von U-Bahnhöfen (Bild: Lauren Randolph)

Wie bist Du vorgegangen?

Zuerst habe ich mich auf die Suche nach den buntesten U-Bahnhöfen gemacht, die ich dann im Herbst 2015 fotografiert habe. Nachdem ich ungefähr 50 Stationen beisammen hatte, war mir klar, dass es besser wäre, wenn ich einfach alle fotografiere.

Also habe ich von jeder Station zwischen 10 und 20 Fotos gemacht, dafür habe ich mir 15 bis 20 Minuten Zeit genommen, dann bin ich in die U-Bahn gestiegen und zur nächsten Station gefahren. Besonders wichtig war, dass immer der Name des Bahnhofs auf einem der Bilder ist.

Da ich Perfektionistin bin, habe ich mir die Zeit genommen, darauf zu achten, dass alle Kompositionen gerade und so bunt wie möglich sind. Wenn ich Glück hatte, wartete gerade jemand auf eine U-Bahn, der farblich zum Bahnhof passte.

Wie bist Du überhaupt auf die Idee für das Projekt gekommen?

Als ich das erste Mal in Berlin war und die Stadt langsam kennenlernte, wohnte ich in der Nähe der Linie U8. Jede Station hat eine andere Farbe. Bevor ich die Namen der Bahnhöfe kannte, hatte ich mir ihre Farben eingeprägt. Da lag es für mich als Fotografin nahe, das alles zu dokumentieren.

Wenn man in schon einmal in Berlin war oder dort lebt, kann man mein Projekt vielleicht nachvollziehen. Vielleicht hat man eine Lieblingsstation oder man ist an einer Station öfter als an anderen. Ich lasse mir gern erzählen, welche Station andere Menschen ihr „zu Hause“ nennen. Außerdem werde ich mich immer an einige Dinge erinnern, die mir hier und dort passiert sind.

Was war das?

Als ich in Berlin war, wohnte ich direkt am Rosenthaler Platz, einer meiner besten Freunde wohnte an der Pankstraße, mein Telefon wurde mir am Gesundbrunnen gestohlen. Und ich erinnere mich an einen Typen, der einen Joint an der Haltestelle Rathaus Spandau geraucht hat. Am Kottbusser Tor und am Hermannplatz sind immer viele Menschen unterwegs. Die U-Bahnhöfe verraten viel über den jeweiligen Kiez.

Warum ausgerechnet Berlin und nicht London oder New York?

Die Stadt hat eine interessante Kulturszene hervorgebracht, deshalb ist Berlin ein guter Ort für mich als Fotografin. Was ich an anderen Städten besonders mag, findet sich alles in Berlin: Energie, viele Parks, gute Restaurants, verschiedene Küchen und es gibt immer Kunstausstellungen und Konzerte zu sehen.

Aber was ich am meisten an Berlin mag, das sind die Menschen, deshalb komme ich immer wieder zurück. Vermutlich werde ich die U-Bahnhöfe hier nicht noch einmal so fotografieren, inspirieren werden sie mich aber weiterhin mit ihren hellen Farben, ihrer Geschichte und den bunten Vintagekacheln. Sie sind eine Zeitkapsel und ich hoffe, die Stadt kann das alles erhalten.

Hier könnt ihr Lauren auf Instagram folgen. Noch mehr Fotos gibt es auf ihrer Website zu sehen. Das Regenbogen-Foto gibt es als Poster in verschiedenen Größen zu kaufen.


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Gabriel möchte nicht Kanzler werden – Martin Schulz soll es machen

24.01.2017, 15:42 · Aktualisiert: 24.01.2017, 15:49

Sigmar Gabriel wird nicht Kanzlerkandidat der SPD. Das sagte er sowohl dem "Stern" als auch der "Zeit". Stattdessen soll sich Martin Schulz um das Amt bewerben. In Meinungsumfragen liegt der ehemalige Präsident des EU-Parlaments deutlich vor Gabriel.

Gabriel wird auch den SPD-Parteivorsitz niederlegen und vom Bundeswirtschaftsministerium ins Auswärtige Amt wechseln, heißt es im "Zeit"-Bericht. In einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion habe Gabriel nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auch verkündet, dass Schulz zum Spitzenkandidat werden soll.