Bild: Eylül Aslan

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Fotografin fragt Tinder-Dates, was an ihr schön ist

10.08.2017, 12:48 · Aktualisiert: 13.08.2017, 17:45

Auf Tinder kann ein Foto alles entscheiden: Bizepsflex vorm Spiegel? Weg damit! Strickmütze und Welpenblick? Swipe nach rechts!

Die App macht Oberflächlichkeit zur obersten Regel. Und obwohl sich die meisten User dessen bewusst sind, hat Tinder einen festen Platz in unserer Dating-Kultur eingenommen.

Die Berliner Fotografin Eylül Aslan hat sich dem Thema mit einem Projekt genähert: Sie hat sich über Tinder mit Männern getroffen und sie gefragt, welchen Teil ihres eigenen Körper diese am meisten mögen – und welchen am wenigsten.

Danach waren die Männer an der Reihe, Eylüls Körper zu beurteilen:

Was findest du an mir schön, was findest du hässlich?

Die Antworten hat sie in Fotografien umgesetzt und nun im Bildband "Trompe L’Oeil" veröffentlicht. Die "unschönen" Fotos stehen dabei auf den linken, die "schönen" auf den rechten Buchseiten: swipe left, swipe right.

Eylül Aslan
Eylül Aslan
Eylül Aslan
Eylül Aslan
Eylül Aslan
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Wir haben mit Eylül darüber gesprochen, wie diese ungewöhnlichen Tinder-Dates abliefen – und was sie dabei über unsere Körperwahrnehmung gelernt hat.

Wie kam dir die Idee zu den Fotos?

Mich hat der menschliche Körper schon immer sehr interessiert. In meinen früheren Arbeiten habe ich mich nur auf Frauen und ihr Verhältnis zu ihrem eigenen Körper konzentriert.

In der heutigen digitalen Welt wird die Inszenierung des eigenen Körpers aber noch stärker produziert: Junge Menschen tauchen immer tiefer in digitale Welten, tauschen Bilder aus, werden durch nackte Celebrities inspiriert – haben aber viel später Sex als in den 1990ern. Solche Zusammenhänge interessieren mich.

In meinem Fotobuch ging es mir darum, die Grenzen zu durchbrechen und Männer face to face zu fragen, was ihnen an mir gefällt bzw. nicht gefällt.

Warum hast du die Männer ausgerechnet über Tinder gesucht?

Für mich steht Tinder für die Perversion der digitalen Welt. Im Wimpernschlag einer Libelle wird entschieden: "Ja, finde ich gut" oder "Nein, der sieht scheiße aus". Tinder war deshalb die perfekte Plattform für dieses Projekt.

Wie bist du vorgegangen?

Ich habe mir ein Tinder-Profil angelegt, in dem stand, dass ich Fotografin bin, und was ich vorhabe. Ich wollte von Anfang an ehrlich mit den Männern sein und keine leeren Versprechungen machen oder Hoffnungen schüren.

Wenn ich dann einen Mann getroffen habe, habe ich ihn zunächst gefragt, was er an sich selbst mag und was nicht. Dann habe ich ihn gefragt, was er an mir am schönsten findet – und was am wenigsten schön. Die Klamotten habe ich bei den Treffen anbehalten – auf Tinder sieht man ja auch nicht alles.

Was hast du bei deinem Projekt gelernt?

Es ist verrückt, auf welche Kleinigkeiten Menschen achten, wie wichtig ihnen gewisse Dinge sind. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön zu sehen, dass ihnen Dinge, die anderen wiederum extrem wichtig sind, völlig egal sind.

Alles ist auf absurder Weise in Balance.

Für manche ist es natürlich, ein Doppelkinn als abstoßend zu empfinden. Aber kann es nicht auch sein, dass gerade diese vermeintliche Schwachstelle einen Menschen zu einem wunderbaren, sinnlichen und liebevollen Menschen macht?

(Bild: Eylül Aslan)

Trompe L’Oeil, auf Deutsch: Täuschung des Auges, bezeichnet ja eigentlich eine illusionistische Malerei. Wie passt der Name zu deiner Arbeit?

Ich wollte ein bestehendes Phänomen in die aktuelle Zeit übertragen: Die Täuschung des eigenen Auges, eine Täuschung der eigenen, wahrgenommenen Wirklichkeit. Vor allem mit Tinder ist das perfekt möglich.

Was wünschst du dir für den Umgang mit unseren Körpern?

Ich bin für eine Offenlegung und Demokratisierung des eigenen Körpers – also das genaue Gegenteil der idealisierten Social Media-Welt.

Ich sage:

Zeigt euch, wie ihr seid, und ihr bleibt glücklich!

Ist eigentlich aus irgendeinem deiner Dates mehr geworden?

Zu einigen der Männer habe ich nun ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Viele waren auch bei der Buchveröffentlichung mit dabei. Das hat mich sehr gefreut.


Gerechtigkeit

In diesem Café sollen Männer mehr zahlen – weil sie im Beruf mehr verdienen

10.08.2017, 12:29 · Aktualisiert: 10.08.2017, 14:58

Wer seinen Latte Macchiato in diesem Café bestellt, muss eventuell auf den Preis noch mehr draufschlagen als das Trinkgeld. Zumindest wenn der Kunde ein Mann ist. 

Denn im "Handsome Her"-Café im australischen Melbourne gibt es eine Männersteuer.