Art

Dieser Mann hat 40.000 Tattoos – jedes soll für ein totes Tier stehen

06.12.2017, 17:37 · Aktualisiert: 06.12.2017, 20:51

Alfredo Meschi trägt einen Ganzkörperanzug – nur, dass der nicht aus Stoff besteht, sondern aus Tinte. Seine Haut ist mit 40.000 schwarzen Kreuzen übersät. Sie sind auf seinem Bauch, auf dem Rücken, auf den Beinen und Händen, in den Achselhöhlen, und ein paar sind sogar im Gesicht.

Wer Alfredo fragt, warum er all diese Tattoos trägt, dem sagt er immer dasselbe: Sie symbolisierten die 40.000 Tiere, die weltweit sekündlich sterben müssten, weil Menschen sie töteten.

"Mit meinen Tattoos will ich die Welt für einen Moment anhalten", sagt Alfredo. "Ich will sie auf den Wahnsinn hinweisen, der sekündlich bei den Schlachtern dieser Welt passiert, nur, damit unser Fleischhunger befriedigt wird."

Alfredo ist 50 und lebt in Italien. Über sich selbst sagt er, dass er Aktivist, Autor und Theaterlehrer sei – und, dass seine Wohnung ein Van sei, mit dem er durch die Gegend fahre, um die Leute auf sich aufmerksam zu machen.

"Sobald ich aussteige, treffe ich auf Menschen. Die fragen mich dann, warum ich so anders aussehe, und dann entsteht eine Unterhaltung", sagt Alfredo. "Ich erzähle ihnen von meinem Veganismus und davon, wie viele Tiere gequält und brutal ermordet werden."

Er selbst habe länger gebraucht, um das zu begreifen, habe sein halbes Leben lang Fleisch und Fisch gegessen und sei sogar mal Fischer gewesen. Doch dann habe er einen kleinen Straßenhund gefunden, den er aufgepäppelt habe – und das habe ihm gezeigt, wie wichtig es sei, Tiere zu schützen.

Auf seinem Instagram-Account zeigt Alfredo seine 40.000 Tattoos:

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40.000 Tötungen pro Sekunde – woher hat Alfredo diese Zahl?

Der Körperkünstler beruft sich auf einige von vielen unterschiedlichen Berichten, die jährlich von Konsumverbänden, Lebensmittelgesellschaften, Stiftungen und Tierschutzorganisationen zum Thema Fleisch- und Fischkonsum veröffentlicht werden.

Als Quelle für seine Tattoo-Zahl nennt Alfredo zwei Webseiten: "ConsiderVeganism.com" und "Fischcount.org". Addiere man die von den Seitenbetreibern zusammengestellten Zahlen über das Töten von Tieren zu Konsumzwecken und berechne man den Durchschnitt, komme man auf die Zahl 40.000, sagt Alfredo.

Tatsächlich ist die Zahl der Tiere, die sekündlich sterben, um im Supermarkt oder beim Metzger zu landen, kaum zu bestimmen.

"Es gibt zwar eine Zahl, die angibt, wie viele Tiere pro Jahr geschlachtet werden – das lässt sich aber nicht auf die Sekunde herunterbrechen", sagt ein Sprecher des Statistischen Bundesamtes. "Ein Jahr hat Wochenenden und Feiertage, gewiss werden nicht jede Sekunde Tiere getötet."

In Deutschland werden laut Bundesamt jedes Jahr etwa 750 Millionen Tiere geschlachtet, weltweit sind es mehr als 60 Milliarden ("Fleisch-Atlas" der Heinrich Böll Stiftung, Seite 19).

Mit meinen Tattoos will ich die Welt für einen Moment anhalten
Alfredo Meschi

Alfredo sei es wichtig, mit seiner Körperkunst eine Botschaft zu senden, sagt er. Sicher sei: Es seien zu viele Tiere, die sterben müssten, damit Menschen sie essen könnten.

Zwei Monate habe es gedauert, bis das letzte Kreuz tätowiert gewesen sei. Jeden Morgen sei er in dasselbe Studio auf Sardinien gegangen, um sich das Ganzkörperbild nach und nach stechen zu lassen. "Es tat überall weh, die Schmerzen waren groß", sagt Alfredo.

Er zog durch Italien, trat bei Tattoo-Messen, auf Festivals und in Museen auf und zeigte sich. "Ich wünsche mir, dass die Menschen ihren Umgang mit Tieren und ihren Konsum überdenken", erzählte er Vorbeilaufenden und Zuschauern.

Das Feedback zu seinen Aktionen ist groß: Alfredo bekommt viele positive Kommentare. Er solle weitermachen, schreibt eine Insta-Nutzerin, eine andere freut sich: "Endlich macht mal jemand wieder was Extremes, um auf das Tierleiden hinzuweisen."


Gerechtigkeit

Magazin "Time" kürt Menschen hinter #MeToo zur "Person des Jahres"

06.12.2017, 15:28 · Aktualisiert: 07.12.2017, 10:55

Angela Merkel war es schon, der Papst auch, ebenso die Ebola-Bekämpfer – und im vergangenen Jahr Donald Trump: Jedes Jahr kürt das US-amerikanische Magazin "Time" die "Person des Jahres".

In diesem Jahr geht der Preis nicht an ein Individuum, sondern an Hunderte von Menschen auf der ganzen Welt. 

Es sind die "Silence Breakers" der MeToo-Bewegung. Also die Menschen, die ihr Schweigen gebrochen haben und von strukturellem Sexismus und sexueller Gewalt berichtet haben.