10.07.2018, 17:18 · Aktualisiert: 10.07.2018, 17:33

Der Autokonzern lenkt jetzt ein.

Jung, hip und urban – so will der Autohersteller Smart, der wie Mercedes zu Daimler gehört, offenbar wirken, wenn man sich die Bilder auf der Instagram-Seite des Unternehmens anschaut. Lässig lehnt eine junge Frau mit einem Coffee-to-go-Becher in der Hand an dem orangefarbenen Zweisitzer, dazu gibt es Sprüche wie "Langeweile? Pustekuchen."

Und mittendrin immer wieder: Smarts vor bunt besprühten Wänden.

Zwei Künstler haben ihre Streetart jetzt wiedererkannt – und wehren sich gegen die Nutzung in der Smart-Werbung.

Sie sagen: Sie hätten nie zugestimmt, dass ihre Kunst gezeigt werden darf – auch wenn die an öffentlichen Gebäuden zu sehen ist.

Dass sich große Unternehmen an den Arbeiten unbekannter Künstler bedienen, kommt häufiger vor. In Szenevierteln oder auf Instagram-Accounts mit wenigen Followern suchen die Unternehmen nach Kreativität und Individualität, die zur Marke passt.

Erst kürzlich verklagte der Streetart-Künstler "REVOK" aus Los Angeles die Modekette H&M, nachdem die in einer Werbekampagne ein Model vor einem seiner Graffiti abgelichtet hatte. H&M wiederum wollte daraufhin den Künstler verklagen, da es sich bei dessen Kunstwerk um ein illegales Graffito handelte – am Ende hatte der Modekonzern jedoch Einsehen und zog die Klage wieder zurück. (bento)

Im Gegensatz zur Kunst von "REVOK" handelt es sich bei der Streetart in der Smart-Werbung um legale Graffiti: Nach Angaben der Künstler sind sie beim "Transurban"-Festival in Köln entstanden – auf einer Wand, die genau dafür vorgesehen war.

Caspar alias "krashkid" hat seine Streetart bereits vor rund zwei Wochen auf Facebook entdeckt – in einem gesponserten Post der Automarke. Darauf zu sehen: in der rechten Ecke ein Smart, links geht eine Frau darauf zu, im Hintergrund das Graffito von "krashkid", das sich über eine ganze Mauer zieht:

(Bild: Screenshot / Facebook)

Der Hamburger Künstler hat daraufhin über einen Freund mit der zuständigen Werbeagentur Kontakt aufgenommen. "Dort wollte keiner Schuld gewesen sein – das Bild sei schließlich an einem öffentlich zugänglichen Ort", so Caspar zu bento.

Trotzdem löschte Smart das Foto anschließend von seiner Facebook-Seite – für Caspar das Eingeständnis eines Fehlers.

"Die Bilder im Hintergrund transportieren natürlich etwas – Rebellentum, Jugendlichkeit, Coolness. Um damit seine Marke schmücken zu können, dazu braucht es eben Leute wie uns. Wenn diese Leute nicht honoriert werden von einem Milliarden-Unternehmen, dann ist das einfach schade", sagt der Künstler.

Auch mit einem Anwalt für Medienrecht hat er bereits gesprochen: Dieser sagt, Smart oder die Werbeagentur seien dazu verpflichtet gewesen, ihn als Urheber des Graffito ausfindig zu machen und auch namentlich zu nennen. Da dies nicht geschah, sei nun eine Unterlassungserklärung möglich – dieser kam Smart aber mit der Löschung zuvor.

Caspar ist jedoch nicht der einzige Betroffene: Auf dem Instagram-Account von Smart Deutschland ist auch ein Bild der Streetart-Künstlerin Jurena Munoz alias "jumumonster" zu sehen. Auch hier ist das Kunstwerk eindeutig im Mittelpunkt, das Auto ist nur am Rande des Posts zu sehen. Das Bild hat sie auf die gleiche Kölner Wand gesprüht, auf der auch das Graffito von "krashkid" prangt – die beiden kennen sich, sind im selben Streetart-Kollektiv.

Vor drei Tagen machte die erste Nutzerin Jurena Munoz auf die Verwendung des Graffitos aufmerksam, seitdem haben mehrere Nutzer den Beitrag kommentiert und von Smart zumindest die Nennung der Künstlerin gefordert – darunter ist auch Jurena selbst.

Sie findet die Verwendung ihrer Streetart nicht in Ordnung. "Ich mache nicht gerne für große Marken Werbung. Hätten sie mich gefragt, hätte ich wahrscheinlich auch nein gesagt – aber sie hätten mir wenigstens die Chance geben sollen", sagte sie zu bento.

Was sagt Smart zu den Vorwürfen?

Khanh-Binh Le, bei Smart verantwortlich für Kommunikation, betonte auf Nachfrage, dass es nicht die Intention gewesen sei, Streetart-Künstler zu verärgern. "Wir respektieren die Belange der Künstler", sagte sie zu bento. Deshalb sei Smart mittlerweile mit Caspar und Jurena in Kontakt getreten, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Aufgrund der urbanen Ausrichtung von Smart seien Graffiti natürlich ein beliebtes Motiv für Kampagnen in sozialen Netzwerken. Aus dem aktuellen Fall werde man bei Smart etwas lernen – und in Zukunft genau überlegen, was man zeige.

Inzwischen hat Smart beim Werbebild mit der Streetart von "jumumonster" auf den Instagram-Account der Kölnerin verlinkt – immerhin eine späte Anerkennung ihrer Kunst.


Today

Ottos unter sich: Kleines Burger-Restaurant besiegt Versandriesen vor Gericht

10.07.2018, 16:33 · Aktualisiert: 10.07.2018, 17:23

2 Fragen, 2 Antworten

"Otto's Burger" ist eine kleine Burger-Kette in Hamburg, vier Filialen gibt es dort. Beim Otto-Versand, der ebenfalls seinen Sitz in Hamburg hat, war man jedoch der Meinung, dass der Name dem eigenen zu ähnlich ist – und ging deswegen vor Gericht. 

Der Versandhändler klagte gegen den Gastronomie-Betrieb wegen der Verletzung von Namens- und Markenrechten. Zudem ging es um den Verdacht des unlauteren Wettbewerbs. 

Doch das Hamburger Landgericht wies die Klage nun zurück.