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Ein Forscher aus Stanford hat untersucht, wie man gute Selfies macht

26.10.2015, 15:38 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:22

Männer, ihr müsst stark sein.

Man kann sich trefflich streiten, ob Selfies das Hauptmerkmal einer unsere Epoche dominierenden, eitlen Egokultur sind oder - im Gegenteil - die moderne Ausformung des künstlerischen Selbstportraits. Die meisten Menschen, die entengesichtig in ihre Smartphonelinse gucken, interessiert eine viel profanere Frage: Wie schieße ich ein gutes Selfie?

Auf diese Frage gibt es nun eine wissenschaftliche Antwort: Andrej Karpathy, ein Doktorand in Informatik an der Stanford University, hat zwei Millionen mit #selfie getaggte Bilder ausgewertet und untersucht, welche Merkmale besonders viele Likes bringen. Seine Forschung hat er auf seinem persönlichen Blog veröffentlicht.

Wie definiert Karpathy ein "gutes Selfie"?

Laut Karpathy ist es eines, das gut ankommt – und zwar bei denen, die es zu sehen bekommen. Etwas vereinfacht gesagt teilt er bei jedem Bild die Zahl der Likes für das Bild durch die Zahl der Follower des Accounts. Dadurch hat Taylor Swift nicht automatisch bessere Chancen als ich.



Um Verzerrungen zu vermeiden, schloss Karpathy zudem Accounts mit sehr wenigen oder sehr vielen Followern aus, genau wie Selfies, die erst seit kurzem online sind und ihr Like-Potenzial womöglich noch nicht ausgeschöpft haben. 

Die obere Million ordnete Karparthy als "gute Selfies" ein, die untere als "schlechte". 

Dann ließ er alle Bilder durch ein sogenanntes künstliches neuronales Netzwerk laufen. Dieses Computerprogramm gruppierte anhand von 140 Millionen verschiedenen Parametern Bilder ein und berechnete Korrelationen zwischen bestimmten Merkmalen eines Bildes und seiner Popularität.

Seine Erkenntnisse:

Womit versaut man sein Selfie?

  • Zu wenig Licht – Je schlechter das Bild belichtet ist, desto weniger Likes sammelt man damit.
  • Zu nah dran – Niemand will deine Nasenlöcher sehen.
  • Zu viele Menschen – Viele Personen, wenige Likes. Selfies mit Freunden findet vor allem ihr selbst gut.
Männer im Dunklen – viele Likes sind da nicht drin

Männer im Dunklen – viele Likes sind da nicht drin (Bild: bento)

Was macht ein Selfie gut?

  • Frauen! – Das wichtigste Kriterium kann man nicht wirklich beeinflussen: Selfies von Frauen bekommen einfach mehr Likes. In seine Top 100 schafft es kein einziger Mann.
  • Zeig Gesicht! Aber nicht das ganze – Die beliebtesten Selfies enden oft an der Stirn, lange Haare fallen von einem nicht ganz sichtbaren Kopf. Insgesamt bedeckt das Gesicht etwa ein Drittel des Bildes, das oft leicht geneigt ist.
  • Rand, Filter und Blitz – Ohne Effekte wird es mit dem Super-Selfie selten etwas. Ein weißer Rand verbessert die Chancen, ebenso natürlich wie ein Filter. Schwarzweiß funktioniert gut, überhaupt alle Filter, die Kontraste reduzieren. Auch leicht überbelichtete Gesichter sind beliebter.
Black&White is beautiful - sagt Andrej Karpathys Studie

Black&White is beautiful - sagt Andrej Karpathys Studie (Bild: bento)

Die Botschaft von Karpathys Studie ist etwas erwartbar – und trotzdem ernüchternd: Außerhalb von #nofilter und #nomakeup-Aktionen ist Uniformität King beim Bilder-Schönheitswettbewerb. Wer seine Makel mit hellem Licht und Filtern übertüncht, kommt besser an als der, der natürlich bleibt. 

Karpathys Untersuchung hat aber auch eine positive Botschaft – in den Tipps, wie man sich nicht selbst fotografieren sollte: Denn auf bierlaunige Selfies mit den Saufbrüdern in düsteren Spelunken kann die Welt wirklich verzichten.

Auch auf bento: Total unterschätzt - wie Selfies die Welt verändern.