Bild: Verlag Hermann Schmidt Mainz

Art

Kennst du die DNA deiner Stadt?

17.06.2016, 18:12

Jede Stadt ist einmalig: Wie sie historisch gewachsen ist, sich kulturell entwickelt hat, wirtschaftlich geprägt und sozial geformt wurde. Alte und neue Häuser, Fabriken aus Zeiten der Industrialisierung, moderne Sportstadien und historische Schlösser geben ihr einen einzigartigen Charakter.

Möchte man diesen Charakter, diese Struktur einer Stadt verstehen, muss man sich ihren Schwarzplan anschauen, sagt die Architektin Inga Mueller-Haagen. In so einem Schwarzplan sieht man lediglich die Umrisse der einzelnen Gebäude als schwarze Punkte. Alle anderen Informationen, wie Straßen und Flüsse, alle "Stadtmöbelierung" wie Mueller-Haagen es nennt, sind rausgelöscht und tauchen nur als weiße Stellen auf.

Zwei Jahre lang haben Inga Mueller-Haagen und ihre beiden Kollegen Lothar Többen und Jörn Simonsen die Schwarzpläne von 100 deutschen Städten angefertigt und veröffentlichen sie nun als Buch mit dem Titel "Die DNA der Stadt – Ein Atlas urbaner Strukturen in Deutschland".

Bei bento erzählt die Architektin Mueller-Haagen, was man aus Schwarzplänen alles herauslesen kann:

Gerade die mittelalterlichen Stadtkerne sind in vielen Städten sehr ähnlich, sie haben eine sehr ungerichtete und krumme Struktur. Oder auch die Gründerzeitviertel sind ganz klassisch, die sind in den meisten größeren Städten zu finden. Das sind die früheren Vorstädte mit Blockrandbebauungen und Mehrfamilienhaus-Strukturen. In diesen Vierteln leben die Menschen noch heute gerne, zum Beispiel Eimsbüttel oder Eppendorf in Hamburg. Je nachdem, wie stark eine Stadt zu welcher Zeit gewachsen ist, sind unterschiedliche Stadtteile stärker oder weniger stark ausgeprägt.

  • Lübeck zum Beispiel ist heute eine relativ kleine Stadt mit ihren 200.000 Einwohnern, hat aber eine riesengroße Altstadt. Das liegt daran, dass Lübeck während des Mittelalters sehr wichtig war und als Handelsmetropole früher eine ganz andere Bedeutung hatte als heute. Dafür gibt es dort kaum gründerzeitliche Vorstädte, weil sich dort während der Industrialisierung kaum etwas getan hat.
  • Hamburg dagegen hat sehr großflächige Industrievorstädte, weil es während der Zeit stärker gewachsen ist. An einem Schwarzplan kann man also eine Stadt geschichtlich einordnen und nachvollziehen, was im Laufe der Jahrhunderte dort passiert ist.
Der Schwarzplan von Lübeck zeigt die große und dichte Altstadt im Kern.

Der Schwarzplan von Lübeck zeigt die große und dichte Altstadt im Kern. (Bild: Verlag Hermann Schmidt Main )

  • In ostdeutschen Städten findet man lange schwarze Schlangen von Plattenbauten. Das ist etwas sehr spezifisch Ostdeutsches, wiederholt sich dort aber in Masse.
  • Sindelfingen oder Wolfsburg sind Städte, die durch die Automobilindustrie extrem geprägt sind und in deren Schwarzplänen man einfach riesige schwarze Flecken findet.
  • In Karlsruhe und Neustrelitz kann man sofort erkennen, dass diese Städte nicht im Mittelalter gegründet wurden, weil die Strukturen dort viel geradliniger und gerichteter sind.

Inga Mueller-Haagen

Die 34-jährige Hamburgerin studierte nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft in Lübeck Architektur. Seit 2007 arbeitet sie dort als freiberufliche Architektin.

Foto: Thorsten Wulff.

Und wie gut kennst du die DNA der deutschen Städte? Hier kannst du's herausfinden:

Alle Pläne wurden von den Architekten Inga Mueller-Haagen, Lothar Többen und Jörn Simonsen erstellt und dem Buch "Die DNA der Stadt – Ein Atlas urbaner Strukturen in Deutschland" entnommen, das beim "Verlag Hermann Schmidt Mainz" erscheint.


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