Bild: Olivia Felix

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Wie es sich anfühlt, ständig missverstanden zu werden

18.05.2017, 19:16 · Aktualisiert: 22.05.2017, 10:13

Im Kopf ist alles ganz klar. Wie kurz die Haare geschnitten werden sollen, wie hoch das Gehalt für den neuen Job sein soll, und dass man sich beim Kumpel entschuldigen müsste.

Aber manchmal fällt es schwer, die eigenen Gedanken dann mitzuteilen oder die eigene Meinung klar und deutlich auszudrücken.

Die Fotografin Olivia Felix, 28, hat ihre Bilderserie "You Got Me Wonrg" den großen und kleinen Missverständnissen des Lebens gewidmet. Der fehlgeleiteten Kommunikation. Den unpassenden Reaktionen. Selbst der Titel der Serie enthält einen Fehler: "Wonrg" statt "Wrong".

(Bild: Olivia Felix)

Jedes ihrer Fotos erzählt die Geschichte einer Person, die sich missverstanden fühlt. Zu sehen sind Menschen mit verdrehten Köpfen und Hälsen, verkehrten Gliedmaßen und auf links getragener Kleidung. Den Betrachter durchzuckt es:

Olivia Felix
Olivia Felix
Olivia Felix
Olivia Felix
Olivia Felix
Olivia Felix
Olivia Felix
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Autsch, was ist mit diesem Körper passiert?

Die Menschen auf den Bildern wirken abwesend trotz ihrer Anwesenheit. Sie sind sichtbar, aber werden nicht erkannt. So fühlt es sich an, wenn jemand uns nicht versteht – unsere Sprache, unsere Blicke, unsere Gefühle.

Wir haben Olivia gefragt, was hinter "You Got Me Wonrg" steckt:

Warum widmest du dein Projekt missverstandenen Menschen?

Ich finde ich es schwierig, mein komplexes Innenleben und meine Fantasie in Worten wiederzugeben. Deswegen werde ich häufig missverstanden oder stoße bei meinen Mitmenschen auf Unverständnis. Und ich glaube so geht es nicht nur mir.

(Bild: Olivia Felix)

Was lösen Missverständnisse in dir aus?

Zunächst ein Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber der Situation. Daraus entsteht dann oft das Gefühl einer Isolation, das endet in einer Lähmung. Manchmal möchte ich aber auch gar nicht verstanden werden. Dann löse ich ein Missverständnis ganz bewusst nicht auf und verschaffe mir damit Selbstschutz und Abstand. Das gibt mir ein fast lustiges, befriedigendes Gefühl.

(Bild: Olivia Felix)

Lustig?

Ich möchte in meinen Bildern die ambivalente Situation darstellen, wenn sich diese beiden Gefühle vermischen. Auf der einen Seite fühlt man sich missverstanden und isoliert – und auf der anderen Seite amüsiert durch die Unwissenheit der anderen. Ich möchte den Betrachter auffordern, die Situation zu verstehen, die merkwürdige Ambivalenz zu fühlen.

Aber das ist nur ein Teil von meiner Intention. Den Rest möchte ich gerne offen lassen und dazu einladen die eigene Wahrheit in den Bildern zu finden. Das Projekt baut zwar auf Missverständnissen auf, aber ich will es nicht nur auf diese reduzieren.

Über Olivia Felix

Nach ihrem Bachelor Studium in Graphic and Media Design an der New Design University in St. Pölten, Österreich, arbeitete Olivia für ein Fotomuseum in Wien. Hier entdeckte sie ihre Begeisterung für die Fotografie. Ihren Master machte sie dann in Fotografie und Design in Barcelona. Heute lebt sie wieder in Wien.

Hast du dich mal verstellt, um anderen zu gefallen?

Ich versuche, mir stets treu zu bleiben, aber ich habe auch schon öfters nicht mein wahres Gesicht gezeigt – um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Gar nicht bewusst, das passiert einfach, wenn man sich nicht wohl fühlt. Das fängt ja schon bei der Antwort auf die Frage "Wie geht's dir?" an. Wir merken gar nicht, wie oft wir uns unbewusst verstellen und Missverständnisse verursachen.

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