Bild: Sophia Vogel

30.10.2016, 18:09

Es gibt viele Gründe, warum sich Menschen ausziehen. Vor der Berliner Fotografin Sophia Vogel tun es alle aus demselben Grund: Sie wollen Nacktheit entsexualisieren.

Für ihr Fotoprojekt "With and without" fotografiert Sophia Menschen zweimal in gleicher Position: einmal mit und einmal ohne Kleidung. 30 Personen hat sie schon fotografiert, 70 weitere sollen folgen.

Meist posieren sie bei sich Zuhause, immer in alltäglichen Situationen. Manchmal liegen fünf Minuten zwischen Foto Eins und Foto Zwei, meist eine halbe Stunde – und manchmal ein Tag. Denn für viele Porträtierte ist die Modelrolle neu: Sophia arbeitet mit Freiwilligen, viele wohnen sogar – wie Sophia – in Berlin, um zusätzliche Fahrtkosten zu vermeiden.

In der Fotostrecke: So sehen natürlich nackte Menschen aus

Sophia Vogel
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Warum machen die Models mit?

"Für alle steht im Vordergrund, stereotypischen Schönheitsidealen entgegenzuarbeiten. Sie wollen zu sich und zum eigenen Körper stehen. Viele bringen bewegende Geschichten mit: Oft erzählen sie mir, warum sie sich bisher in ihrem Körper nicht wohlfühlten.

Durch die Bewertungen des eigenen Körpers durch andere steht jeder Mensch unter einem immensen Druck. Es hilft ihnen, sich dem entgegenzustellen, indem sie nackt zeigen, wie individuell jeder Körper ist."

Diese Transparenz, sagt Sophia, könne der Gesellschaft veranschaulichen, wie wichtig es ist, sich selbst und andere zu akzeptieren, wie sie sind.

Die Idee zum Projekt kam ihr Anfang des Jahres, als sie sich durch Social-Media-Profile scrollte:

Viele definieren sich – und andere Menschen – nur noch darüber, wie sie sich im Netz darstellen, so ihr Eindruck. Wenn Menschen sich dort nackt zeigten, seien diese Bilder oft sexualisiert.

Sophia sagt:

"Bei Instagram bekommt man unter Hashtags wie #nudity über 50.000 Beiträge. Bei #nude sogar 2,5 Millionen. Man sieht sexy Posen und Kommentare wie 'verdammt heiß' unter den Bildern. Dem möchte ich meine Fotografien entgegensetzen.

Ich empfinde gezeigte Nacktheit, die nicht durch pornografische Posen und laszive Blicke inszeniert ist, als legitimes Zu-Sich-Und-Seinem-Körper-Stehen. Mit meinen Fotografien möchte ich zu dieser Sichtweise anregen."

Dabei ist mein Fotoprojekt kein Aufruf zum Nacktsein, sondern ein Aufruf zum Zu-Sich-Stehen und Sich-Wohlfühlen:

"Lasst uns den Sexismus weglassen, mit dem Nacktheit für gewöhnlich verbunden ist, und die Nacktheit als das verstehen, was sie in erster Linie ist: Menschen ohne Klamotten!"

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