Bild: Matthias Schmitz / Lost Places NRW

Art

So schön können verlassene Fabriken sein

24.02.2016, 10:21 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Der Fotograf Matthias Schmitz stellt seine "Lost Places" in Nordrhein-Westfalen vor.

Vogelgeflatter, auf dem Boden zentimeterdick Taubenkot, Matthias Schmitz hält die Luft an. Vorsichtig betritt er die leer stehende Lagerhalle, schnell drückt er auf den Auslöser und verschwindet wieder. Seit 2012 fotografiert der Wachmann aus Düsseldorf "Lost Places". Das sind alte Gebäude, die leer stehen, um die sich keiner mehr kümmert, deren Zukunft ungewiss ist. "Verlorene Orte", zunehmend vom Zerfall gezeichnet.

Hier zeigt Schmitz seine Bilder und erzählt, warum er sich strafbar macht.

Matthias, wie bist du auf die Idee gekommen, ausgerechnet Lost Places zu fotografieren?

Das Fotografieren ist meine Leidenschaft. Meine erste Kamera habe ich als kleiner Junge im Alter von acht Jahren von meinen Eltern bekommen, seitdem fotografiere ich. Auf die "Lost Places" bin ich vor einigen Jahren im Internet gestoßen durch ein entsprechendes Forum, da habe ich entdeckt, wie spannend es sein kann, alte, verlassene Gebäude zu fotografieren. Ich habe mich angemeldet in dem Forum und einige Zeit lang einfach nur mitgelesen, wie die Hobbyfotografen sich dort so austauschten.

Irgendwann bin ich dann selbst losgezogen und habe das Portal Lostplaces-nrw.de gegründet. Gerade im Raum Düsseldorf, wo ich lebe, gibt es so viele verlassene Industriestätten, die man für die Nachwelt einfach festhalten muss, bevor sie dem Erdboden gleichgemacht werden.

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Was fasziniert dich an den Lost Places?

Diese Orte erzählen eine Geschichte, meist eine Schicksalsgeschichte. Und wenn man sich vorher über die Vergangenheit eines solchen Ortes schlau gemacht hat, kann man sie spüren, wenn man dort ist. Das fasziniert mich. Manchmal kann man diese Geschichte auch noch sehen. Bei einer Fototour eines Freundes habe ich mal in einer leer stehenden Psychiatrie Kuscheltiere und Patientenakten gefunden.

Du arbeitest als Wachmann für Einkaufszentren oder Autohäuser. Gerade du müsstest wissen: Orte wie die Lost Places darf man eigentlich nicht betreten.

Nein, eigentlich nicht. Man steht schon immer mit einem Bein in der Illegalität – selbst wenn es keine ausdrücklichen Verbotsschilder gibt, ist Hausfriedensbruch immer ein Thema. Wir sind auch schon mal von einem Wachdienst erwischt worden, die Wachleute waren allerdings echt cool drauf und wollten die Fotos sehen, die wir gerade von dem Ort geschossen hatten. "Gut getroffen", haben sie gesagt, "aber jetzt raus hier!".

Matthias Schmitz ist Hobbyfotograf und Sicherheitsmann.

Matthias Schmitz ist Hobbyfotograf und Sicherheitsmann.

Warst Du schon mal ganz alleine auf Foto-Pirsch?

Nein. Das würde ich auch nie tun. Bei den Lost Places gilt grundsätzlich die Drei-Mann-Regel: Man sollte immer mindestens zu dritt unterwegs sein, denn man kann schwer verunglücken. An einem Ort habe ich mal so große Löcher im Boden gesehen, da hätte man glatt durchstürzen und eine ganze Etage tiefer fallen können.

Aber trotzdem kannst Du diesen Orten nicht widerstehen.

Man hat natürlich immer so ein Kribbeln im Bauch, wenn man einen Lost Place fotografiert, ich glaube, das ist so ein Abenteuer für groß gewordene Jungs wie mich. Aber in erster Linie will ich etwas dazu beitragen, dass diese Orte nicht in Vergessenheit geraten. Es sind besondere Orte. Spannende, historische Orte. Oft gruselig. Nachts würde ich mich da nicht hintrauen.

Matthias Schmitz betreibt ein Portal für Lost Place-Fotografen: Lostplaces NRW.

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