Art

Fotografie-Wettbewerb: Was Bilder über uns aussagen

10.03.2016, 18:15 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Wir haben junge Künstler gefragt.

Sie sind die große Hoffnung der deutschen Fotografie-Szene: Die neun jungen Menschen, die ihre Arbeiten im Hamburger Haus der Photographie ausstellen dürfen. Eine Jury hat aus 100 Einsendungen die besten Fotografien ausgewählt.

Die große Leitfrage der Ausstellung: "Wie geht es weiter?" Sie lädt ein, über den Sinn des Lebens nachzudenken, über Gefühle, über das, was war und das, was noch kommt.

Wir haben uns die Ausstellung angesehen:

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Anschließend haben wir drei Fotografen getroffen – und sie gefragt, was ihre Fotos über unsere Gesellschaft aussagen.

1. Felix Hüffelmann

(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Über Felix

Geboren 1983. Studium der Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld und des Integriertes Designs an der Hochschule für Künste in Bremen. Lebt und arbeitet in Bielefeld.

Sein Foto-Projekt heißt "The Dark Side of the Moon".

Felix Hüffelmann

Felix Hüffelmann

Das Motiv zeigt, womit sich Felix' Bilderstrecke beschäftigt: Es soll ein analoges Facebook-Profil darstellen – zu sehen ist ein Holzregal, vollgestopft ist mit Fotos, Akten, Daten. Felix setzt sich damit nicht nur mit der digitalen Kontrolle auseinander, sondern auch mit der Macht großer Konzerne, mit Bespitzelung und mit privatem Voyeurismus.

Diese Kunststücke sind ab sofort in der Ausstellung zu betrachten – ein Überblick in Bildern:

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Felix, wie hast du dich dem Thema Überwachung angenähert?

Angefangen hat es 2014 mit Edward Snowdens Enthüllungen. Ich fand toll, wie die journalistisch aufgearbeitet wurden: Kryptisches Zeug, das keiner versteht, wurde häppchenweise dargelegt.

Was mich störte: Es gab kaum Bilder über die Geschichte hinter den Enthüllungen, nur ein schreckliches Porträt von Edward Snowden und einige Fotos von irgendwelchen Serverräumen.

Ich habe damals angefangen, sehr fragmentarisch zu arbeiten. Dafür habe ich mir einerseits die institutionelle, staatliche Überwachungsmaschinerie angeschaut und dann überlegt, was das eigentlich für mich bedeutet.

Ich habe meinen kompletten Besitz als analoges Facebook-Profil fotografiert, mein erstes Schulbuch bis zur letzten Schallplatte. Die Idee dahinter: Ich zeige dir, was ich habe und du sagst mir, wer ich bin.

Wir alle Daten hinterlassen im Netz. Was bedeutet das für uns?

Daten sind nicht nur in 15 Jahren, sondern vielleicht auch noch in 5000 Jahren abrufbar. Stellen wir uns eine Zeit vor, in der wir nicht in einer Demokratie leben: Dann könnte es so weit gehen, dass das, was du im Internet tust, als Druckmittel genutzt werden kann.

Man wird durch die eigene Datensammlung wahnsinnig beeinflussbar. Es braucht noch Jahre an Zeit und Reflexion, bis man wirklich eine Haltung, ein Bewusstsein, einen Umgang mit digitaler Kontrolle entwickelt hat.

2. Kamil Sobolewski

(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Über Kamil

Geboren 1975. Studium der Fotografie, Zeichnung und Grafik in Berlin. Lebt und arbeitet in Berlin.

Kamils Projekt heißt "Rattenkönig".

Kamil versucht mit seiner Kunst, Emotionen und Zustände einzufangen und darzustellen.

Kamil, Worum geht es in deiner Fotografie?

Darum, dem Leben gleichzeitig mit ganz viel Hass und ganz viel Liebe zu begegnen. Das sind zwei Pole, die mich faszinieren. Ich möchte eine gewisse Art von Wahrheit zeigen. So, wie ich die Welt empfinde. Manchmal dramatisch, manchmal rosig oder leicht.

Denn trotz allen Fortschritts beschäftigen wir Menschen uns doch mit denselben Themen wie vor 400 Jahren: Liebe, Tod, Betrug. Hoffentlich ändert sich das niemals. Ich möchte nicht, dass diese großen Themen vom Digitalen verdrängt werden.

Kann das Internet diese Wahrheit überhaupt abbilden?

In sozialen Netzwerk wird nur abgebildet, was schön und glatt ist. Neulich habe ich ein Bild auf Facebook gepostet, auf dem Brustwarzen zu sehen waren. Am nächsten Tag war es wieder gelöscht. Das hat mich nicht verwundert. Vielleicht zeigt das einfach, dass man das nicht sehen will oder darf. Internetforen haben eben ihre ganz eigene Form von Wahrheit.

3. Kolja Linowitzki

(Bild: Bianca Xenia Mayer)

Über Kolja

Geboren 1978. Studium der Visuellen Kommunikation in Berlin. Lebt und arbeitet in Berlin.

Koljas Projekt heißt "Digits of Light".

Kolja experimentiert mit Licht. Er hat selbst eine spezielle Kamera entwickelt – eine "Bilderzeugungsapparatur", die aus einem modifizierten Vergrößerer, einem Smartphone und einer motorisierten Drehscheibe besteht.

Kolja, sind die bisherigen Formen der Fotografie schon abgenutzt?

Nein, nicht unbedingt. Aber ich glaube, dass es der Fotografie als junge Kunstrichtung gut tun würde, wenn sie ein bisschen über sich selbst reflektiert. Ich habe das getan – und mich nicht nur mit modernen, sondern auch mit den alten Komponenten der Fotografie auseinandergesetzt. So entstand eine Verbindung aus moderner digitaler Technik mit analogem Material.

Wie stellst du dir die Zukunft der Fotografie vor?

Die normale Fotografie wird bleiben. Aber es wird sich aufgrund der technischen Möglichkeiten viel weiter entwickeln. Zum Beispiel durch Virtual-Reality-Brillen: Fotografie wird auf viel mehr Ebenen erfahrbar werden.

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