Bild: Hagen Vogel

Art

Berliner Künstler verewigt Lara Croft in Öl

21.07.2016, 10:47 · Aktualisiert: 21.07.2016, 10:54

Hast du schon mal Star-Trek-Kapitän Picard auf Leinwand gesehen? Hagen Vogel nimmt für seine Fan Art die alten Meister zum Vorbild und verewigt digitale Helden der Popkultur klassisch in Öl.

Bei bento erklärt Hagen, wie er dazu gekommen ist und stellt einige seiner Bilder vor.

Hagen Vogel

... wurde 1988 in Berlin geboren, wo er auch heute lebt und hauptberuflich als Künstler arbeitet. Im Rahmen der Ausstellung "Age of Fanart" stellte er hier im Juni 2016 seine Werke erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.

Warum malst du Gemälde von virtuellen Charakteren?

Ich sehe es als meine Aufgabe, die prägenden Phänomene unserer Zeit für die Ewigkeit festzuhalten. Kunst sollte nicht nur von sich selbst handeln, sondern muss wie in alten Traditionen einen Beitrag zur Evolution leisten, indem sie Kultur und Zeitgeist zusammenfasst und weiterentwickelt. Ich denken in 30 Jahren werden die Gemälde von heute als Old-School-Relikte behandelt und sind hinter meterdickem Glas zu sehen sein.

Was ist Fan Art?

Wenn Fans selbst künstlerisch aktiv werden und ihre Lieblingscharaktere aus Serien, Spielen und Filmen ehren, nennt man das Fan Art. Dabei interpretieren Fans die Vorlagen neu und bilden sie in ungewohnten Stilen und Situationen ab. So werden zum Beispiel die Superschurken aus den Batman-Comics als niedliche Kindergartenkinder dargestellt.


Hagen malt Charaktere wie Videospielheldin Lara Croft auf Leinwand, damit es in einigen Jahrzehnten, wenn alle Archive vermutlich digital sind, auch tatsächlich Aufzeichnungen zur Entwicklung dieser virtuellen Figuren gibt. Im Gegensatz zu Datensätzen lassen sich Gemälde schließlich nicht per Knopfdruck löschen oder überschreiben.

Wie entstehen deine Bilder?

Meine Ideen kommen mir in allen möglichen Situationen. Ich skizziere sie dann schnell oder schreibe sie auf, um sie später ausarbeiten zu können. Am Computer recherchiere ich und komponiere in Photoshop. Wenn das feststeht, bestimme ich Material und Größe der Leinwand. Nachdem ich sie gebaut habe, zeichne ich mit Graphit vor. Ich lasse auch für den Zufall Raum. Im Bildnis "Lara Croft" gibt es zum Beispiel an ein paar Stellen schaumiges Meerwasser, das so fein zu malen gewesen wäre, dass ich es als günstiger empfand, die Wasserspritzer tatsächlich durch Farbspritzer darzustellen, statt jeden einzelnen mit dem Pinsel zu malen.

Hier zeigt uns Hagen ein paar seiner Arbeiten:

(Bild: Hagen Vogel)

Tomb Raider-Protagonistin Lara Croft, die wohl berühmteste aller Videospiel-Heldinnen, darf natürlich nicht fehlen:

Ich kenne Lara Croft schon seit ich Kind war. Damals sah ich in ihr ein Sinnbild der virtuellen Welt. Vor drei Jahren wurde die Figur neu definiert und erhielt viel menschlichere Eigenschaften. Laras Befinden lässt sich unter anderem an ihrer Mimik festmachen und nicht mehr nur an Health Points. Außerdem wird ihr Charakter biografisch erforscht. Im Prinzip war sie, als ich sie kennen lernte, eine Art weiblicher Hulk mit dem Hirn von Super Mario; jetzt ist sie eine ganze Persönlichkeit. Ich sehe das als den wichtigsten Entwicklungsschritt ihrer Geschichte: der Punkt an dem ein virtueller Charakter geradezu menschlich wird.

In der Slideshow: Hagens gesammelte Werke

Hagen Vogel
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(Bild: Hagen Vogel)

Dieses Bild zur Ego-Shooter-Spielereihe "Far Cry" zeigt Dr. Alec Earnhardt. Der geheimnisvolle Arzt ist eine komplexe Figur, die durch ihre Vielschichtigkeit menschlich und interessant wird.

Dr. Earnhardt ist ein zwielichtiger, mysteriöser Typ. Man weiß nicht so recht, auf wessen Seite er steht und was er verheimlicht. Angesichts seines deutsch anmutenden Namens und Akzents sowie seines Kolonialherrenhauses wird allerdings nichts Gutes impliziert, auch wenn er sich gerne unterhaltsame Drogen verabreicht. Zwiespältige Typen, über die man nie endgültig urteilen kann, werden mir nie langweilig, weil sie eine ständige Auseinandersetzung mit sich selbst provozieren.

(Bild: Hagen Vogel)

Neben Lara Croft hat es noch eine weitere starke weibliche Spielfigur in Hagens Sammlung geschafft. Auch das Gemälde "Citra" wurde durch "Far Cry" inspiriert:

Citra ist die Kriegerkönigin der Rakyat auf Rook Island und führt Krieg gegen ihren Bruder, einen Piratenanführer. Um ihrem Kommando unterstehen zu dürfen und ihrer Aufforderung "Bring me what has been lost!" nachkommen zu können, muss sich der Protagonist berauschende halluzinogene Elixiere verabreichen lassen, die ihm den rechten Weg weisen sollen. Über ihre außergewöhnliche Persönlichkeit hinaus fasziniert mich Citra durch ihre metaphorische Symbolkraft. Sie ist der Schlüssel zu einem extremen Leben.

(Bild: Hagen Vogel)

Wir sehen die Spielhelden Ellie und Joel in ihrer apokalyptischen Umgebung, die ich mit unserer Welt fusioniert habe.Hier kämpft Joel vor einem Ulrich-Getränkemarkt um das letzte Bier der Welt, das dabei zu Bruch geht. Dass es irgendwann zum blutigen Kampf ums letzte Bier kommt, ist für mich nur eine logische Konsequenz unseres Lebensstils.
Obdachlose sind eine faszinierende, irgendwie unangenehme aber wichtige Seitenerscheinung unserer Kultur. Ich sehe sie als wandelnde Spiegel der Gesellschaft. Man gibt ihnen Geld, um das eigene Gewissen zu bereinigen. In "The Last of Us" wird der Spieler durch das Leid der Bevölkerung und Protagonisten unterhalten. Zudem wollte ich die beiden Figuren Ellie und Joel würdigen, die charakterlich so fantastisch definiert sind wie selten ein virtueller Charakter.

(Bild: Hagen Vogel)

Das Leben eines Gangsters wird in Film, Fernsehen und Videospielen immer wieder gern thematisiert. Auch Hagens"Gangsterstillleben" kommt nicht von ungefähr:

Das Gangsterstillleben ist eines von drei Traumleben, die wahrscheinlich jeder Mensch gerne ausleben würde, es aber aufgrund aller Umstände nicht kann. Es ist eine der drei Metaphern unserer größten Sehnsüchte. Wer möchte nicht gerne ein stilvoller Gangster sein? Das Bild steht für ein ideales utopisches Gangsterleben.

Bei anderen Fans kommt Hagens Kunst offenbar gut an. Von den 14 Gemälden, die er in seiner Ausstellung "Age of Fanart" präsentiert, sind sechs bereits verkauft.


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Eine Twitter-Lovestory: Wenn aus witzigen Tweets Liebe wird

21.07.2016, 08:46 · Aktualisiert: 21.07.2016, 08:49

Manchmal braucht man einfach den richtigen Humor, um eine Frau zu begeistern. So auch in der wunderschönen Geschichte von Jonathan und Victoria, die auf Twitter ihren Anfang nahm. In den Hauptrollen: Ein witziger Social Media Manager, der für einen Buchladen durchdachte Tweets formuliert, und eine belesene Zirkusartistin, die sich in genau diesen Humor verliebt. Ohne den Verfasser jemals gesehen zu haben.

Beispiele für diesen liebenswerten Humor gefällig? "Buch Fakt: Geparden tippen schneller als alle anderen Landtiere, aber leider sind ihre Werke schlecht durchdacht und vermissen eine gewisse emotionale Tiefe."