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  3. "Gute Aussichten": Fotografin Kyung-Nyu Hyun über ihr Projekt "Nahrungsaufnahme"

Bild: Kyung-Nyu Hyun

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Fotoprojekt: Was ich in einem Jahr gegessen habe

09.02.2016, 13:20 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Es ist immer was da. Lachsnudeln, Bratwurst, Toastbrot. Ein ganzes Jahr lang hat Kyung-Nyu Hyun aus Köln alles mit ihrem Smartphone fotografiert, was sie heruntergeschluckt hat: zwölf Monate, jede einzelne Mahlzeit, von Fritten bis Fischfilet.

Hyun, 1980 geboren, hat aus über 800 Bildern ein Kunstprojekt gemacht, es heißt "Nahrungsaufnahme". Die Fotos kleben auf einem Zeitstrahl, jede Spalte entspricht dabei einem Tag, auch der Zeitpunkt des Essens ist notiert. Diese Bilder füllen die Wände eines ganzen Raums, sie werden derzeit im Rahmen der "Gute Aussichten" ausgestellt, eine der bedeutendsten Ausstellungen für junge Fotografie-Absolventen in Deutschland.

In einer Zeit, in der sowieso alle Instagrammer und #foodporn-User ihr Essen fotografieren, wirken Hyuns Bilder nicht neu oder besonders – es sind eher der Zeitstrahl der Mahlzeiten und die Fülle an Fotos aller möglicher Essenssituationen, die zum Nachdenken anregen: Gehen wir viel zu flüchtig mit der überlebenswichtigen Nahrungsaufnahme um? Ist es uns egal, was wir essen, solange es sich schnell und einfach zubereiten lässt? Wie viel Aufmerksamkeit schenken wir den Zutaten?

Wir haben Kyung-Nyu Hyun gebeten, uns von ihrem Fotoprojekt zu erzählen.

Bilder aus dem Projekt

Bilder aus dem Projekt (Bild: Kyung-Nyu Hyun)

In meiner Arbeit vergleiche ich, wie wir Nahrung aufnehmen und wie wir Medien produzieren und konsumieren. Dabei fällt auf: Es gibt viele Parallelen, wie schnell man Fotografien produzieren kann und wie unbewusst wir Nahrung konsumieren.

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In meiner Arbeit habe ich meine Essgewohnheiten minutiös dokumentiert. Darin spiegelt sich natürlich auch meine Verfassung wider: Ob ich für mich selbst koche oder mit Freunden, ob ich essen gehe oder essen bestelle, je besser man mich kennt, desto besser kann man meine Fotoserie lesen. Man kann meinen Gemütszustand zum Zeitpunkt der Aufnahme einschätzen und Rückschlüsse auf meinen Tagesablauf ziehen.

Zeitstrahl in der Ausstellung: Für jede Mahlzeit ein Bild

Zeitstrahl in der Ausstellung: Für jede Mahlzeit ein Bild (Bild: Kyung-Nyu Hyun)

Obwohl der digitale Fortschritt uns ermöglicht, täglich unser Essen aufzunehmen, steht er im selben Moment für die Vereinsamung des Individuums, so nehme ich das zumindest wahr. Die soziale Komponente des Essens fällt weg, der Genuss der Mahlzeit ist zweitrangig und wird durch den Konsum von Medien ersetzt. Essen wird zu einer lästigen Nebensache.

Für mich ist Essen ein großer Bestandteil meiner Kultur und eine sehr private Angelegenheit. Ich wurde in Südkorea geboren und esse oft asiatisch, probiere allerdings auch gerne neue Dinge aus. Meine Arbeit erzählt auch von meinen Vorlieben beim Essen.

Mehr über Kyung-Nyu Hyun

1980 geboren. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium folgte der Entschluss, Fotografie zu studieren. Um sich weiterzuentwickeln, zog Hyun 2009 nach Deutschland, studierte Medienkunst in Köln.

"Nahrungsaufnahme" ist ihre Diplomarbeit – und sie ist ausgezeichnet: Das Projekt ist Teil der Ausstellungsreihe "Gute Aussichten", die junge Fotografie zeigt. Zu sehen ist die Ausstellung u.a. in Dresden, Hamburg, Mailand und Mexico City.

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