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09.06.2016, 16:49 · Aktualisiert: 08.04.2017, 10:26

... bevor du dir eine Meinung bildest.

Haben wir schon Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Brauchen wir Gleichberechtigung? Was ist das überhaupt? Sind "Mann" und "Frau" nicht sowieso nur soziale Konstrukte? Es gibt kaum jemanden, dem diese Fragen egal sind, ja, fast jeder hat sogar eine eigene Meinung dazu. (Außer Bill Murray vielleicht, aber bei dem ist das okay.)

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Feminismus ist längst eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Und doch kann man sich nicht fundiert darüber unterhalten, wenn man nicht zumindest ein paar der grundlegenden Werke gelesen hat. Sonst fehlt einem der geschichtliche Hintergrund, sonst verwendet man die wichtigsten Begriffe falsch, sonst dreht sich jede Diskussion im Kreis.

Darum haben wir hier ein paar Werke zusammengestellt, die helfen sollen.

Virginia Woolf: Ein eigenes Zimmer

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Als Virginia Woolf ihren Essay 1929 schrieb, gab es die Frauenbewegung schon eine Weile: In vielen westlichen Ländern war das Frauenwahlrecht gerade eingeführt worden und damit der Grundstein für die Gleichberechtigung gelegt.

Aber Woolf geht es weniger um Politik als um Kunst. Ihr Hauptargument: Frauen sind so klug und kreativ wie Männer, bekommen aber viel seltener die Gelegenheit, ihr Talent auszuleben. Selbst Shakespeare hätte nicht so erfolgreich sein können, wenn er als Frau geboren worden wäre. Frau Shakespeare wäre nicht zur Schule gegangen, hätte heiraten müssen, hätte sich womöglich sogar umgebracht.

Damit eine Frau kreativ sein kann, braucht sie Geld und ein eigenes Zimmer – eine Unabhängigkeit, die auch zu Woolfs Zeit alles andere als selbstverständlich war. Großartiges Buch, hier kaufen.

Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht

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Simone de Beauvoirs 1949 erschienenes Buch kann als grundlegendes Werk des modernen Feminismus' gelten. Die Vorstellung, dass Frauen durch Männer objektiviert werden, wird hier zum ersten Mal in aller Deutlichkeit herausgearbeitet. "Weiblichkeit" wird als soziales, männergemachtes Konstrukt entlarvt.

​Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.

Das andere Geschlecht hatte einen so gewaltigen Einfluss auf die sogenannte zweite Welle des Feminismus' in den Sechziger- und Siebzigerjahren (und auf alles, was danach kam), dass man den Feminismus nicht verstehen kann, wenn man dieses Buch nicht kennt. Wer nur Zeit für ein einziges Buch hat, sollte Beauvoir bestellen und lesen.

Judy Norsigian: Our Bodies, Ourselves

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Feminismus bedeutet auch und vor allem, dass Frauen das Sagen über ihren eigenen Körper haben sollten. Dazu müssen sie ihren Körper jedoch zuerst verstehen. Und dafür ist dieses Buch da.

Our Bodies, Ourselves erschien 1970 und ist eine Art erweitertes Biologiebuch für Frauen. Behandelte Themen umfassen sexuelle Orientierung, Verhütung, Schwangerschaft, Menopause, bis hin zu Gewalt gegen Frauen und die Tücken des Gesundheitssystems. Die aktuelle (englische) Ausgabe gibt es hier zu bestellen.

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Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter

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Judith Butler muss in Kommentarspalten immer wieder als Repräsentantin eines militanten Gaga-Feminismus herhalten, der den Kontakt zur Realität völlig verloren hat. Grund für diesen Ruf ist allen voran ihr Buch Das Unbehagen der Geschlechter, in welchem sie argumentiert, dass nicht nur das soziale Geschlecht (Gender), sondern auch das biologische (Sex) gesellschaftlich konstruiert sei.

Wie so oft, beruht die breite Ablehnung von Butlers Thesen auf einer wohlkultivierten Unkenntnis des eigentlichen Textes. Man kann nur raten das Ding zu kaufen und zu lesen, auch wenn es anstrengend ist. Danach muss man nicht unbedingt mit Butlers Thesen einverstanden sein – man wird sie aber auf jeden Fall nicht mehr als "Quatsch" von der Hand weisen können.

Laurie Penny: Fleischmarkt – Weibliche Körper im Kapitalismus

(Bild: Amazon)

Laurie Pennys Fleischmarkt ist ein bisschen das Empört euch! für die zeitgenössische Frauenbewegung. Das schmale Buch ist fest in der Tradition des Feminismus' verankert und wartet daher eher nicht mit neuen Theorien auf. Aber: Es wendet bekannte Ideen auf aktuelle, ja, akute Themen an, und es tut das so laut und unverschämt, dass es eine Freude ist.

Wer Hausarbeit, Magersucht, Werbung und Pornografie von einer jungen, extrem eloquenten Feministin analysiert und zerfetzt haben möchte, sollte dieses Buch unbedingt bestellen und lesen.

Chimamanda Ngozi Adichie: Mehr Feminismus!

(Bild: Getty / Janette Pellegrini)

Und noch eine junge, einflussreiche Feministin, die es sogar geschafft hat, von Beyoncé gesampelt zu werden.

I am angry. We should all be angry. Anger has a long history of bringing positive change.

Chimamanda Ngozi Adichie ist nicht in erster Linie Philosophin, sondern vor allem Autorin von Romanen und Kurzgeschichten. Ihre Art Feminismus ist simpel, inspirierend und international. Anstatt komplizierter Texte voller komplexer Ideen (wie sie zum Beispiel Butler bietet), legt Adichie Wert auf Anwendbarkeit im täglichen Leben. Was genau biologisch veranlagt ist und was sozial bedingt, ist für Adichie ebenso nebensächlich wie die Frage, wie eine echte Feministin sich zu kleiden hat.

Ein lockerer, humanistischer Feminismus, der Spaß macht: Mehr Feminismus!: "Ein Manifest und vier Stories" hier bestellen, lesen, weitergeben!

She’s beautiful when she’s angry

(Bild: Amazon)

Für alle, die Filme lieber mögen als Bücher: She’s beautiful when she’s angry ist eine unterhaltsame Doku über "die Geburt des modernen Feminismus'" Ende der Sechzigerjahre. Man bekommt einen Eindruck davon, in was für einer Welt die Bewegung ihren Anfang genommen hat. Gruselig anzusehen ist unter anderem, wie unglaublich konservativ die angeblich so progressive Bürgerrechtsbewegung in Frauendingen war.

Man lernt etwas über die wichtigsten feministischen Gruppierungen und erhält eine Ahnung davon, wie kompliziert und bisweilen zäh der Kampf der Frauenbewegung war. Inspirierend für jeden angehenden Feministen. Unbedingt kaufen!

Du hast alle Bücher auf dieser Liste längst gelesen? Vielleicht wirst du dann ja bei unseren anderen Literaturempfehlungen fündig:

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Gerechtigkeit

Diese Menschen stellen sich tot – um unser Mitgefühl zu wecken

09.06.2016, 15:35

117 tote Menschen hat das Meer in der vergangenen Woche an die libysche Küste gespült. Ertrunken sind sie im Mittelmeer – auf dem Weg von Afrika nach Europa (Süddeutsche). Wir Europäer haben uns an das Massensterben im Mittelmeer gewöhnt. Empören tun sich nur noch Wenige.