Bild: Rachel Perry

Art

Im Überfluss verloren

11.04.2016, 12:34 · Aktualisiert: 19.05.2016, 11:57

Die Künstlerin Rachel Perry stellt uns vor die Frage, wie wir künftig leben wollen.

Es gibt von allem viel zu viel. Zu viel Spielzeug, zu viel Plastik, zu viele Tetrapacks. Zu viel Stress, zu viel Gelächter, zu viel Trauer. Zu viel Butterbrotpapier, zu viel Papier, zu viel Brot. Was, ja was davon brauchen wir wirklich?

Das will Rachel Perry, 54, uns fragen. Mit ihrer Fotostrecke "Lost in my Life" zeigt die Künstlerin aus New York City, inwiefern sie sich in ihrem Leben verloren und deshalb gefangen fühlt. Über Monate sammelte sie, was Überfluss symbolisiert: Kassenbons, die so lang sind, dass man sie fünf Mal falten muss, damit sie in die Geldbörse passen. Aluminiumfolie, mit der Perry ihr halbes Wohnzimmer eingeschlagen hat, Bücher, Wände, Stühle. Cornflakes-Kartons, mit denen sie ihr Fotostudio verkleidet hat.

Zu viel ist zu viel: So sieht es aus, wenn Rachel Perry sich Gedanken zum Überfluss macht – die Fotostrecke:

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"Ich stelle dar, was andere hinterlassen", sagt Perry zu bento. Dafür sammelt sie nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch alles andere, was dafür steht, dass wir verlernt haben, die Dinge richtig zu dosieren: Ein vollgelaberter Anrufbeantworter soll zum Beispiel für die Zeit stehen, die wir investieren, um Freunde ständig mit den Neuigkeiten unseres Lebens zu versorgen – selbst, wenn sie uns gar nicht zuhören.

Tausende ineinander verwobene Gummibänder sollen hingegen zeigen, dass wir uns zu selten von etwas trennen, zu oft Ja sagen, obwohl wir Nein meinen – und uns so immer weiter verstricken.

"Ich möchte hier nicht den Zeigefinger erheben", sagt Perry. Und das, obwohl sie auf riesige gesellschaftliche Problemfelder hinweist. Unsere Produktion von Müll, unsere Selbstverliebtheit, unsere Unfähigkeit, Zustände zu ändern. "Wir alle, auch ich, sind im Konsum-Kreislauf gefangen. Wir alle betreiben Endlos-Shopping, Endlos-Kochen, Endlos-Putzen", sagt Perry.

(Bild: Rachel Perry)

Wer sich ihre Arbeiten näher ansieht, muss feststellen, dass es ihr zwar um ganz viel auf einmal geht, sich ihre Kunst aber immer wieder mit der Frage auseinandersetzt, was wirklich nötig ist im Leben und was eben nicht.

In einem früheren Projekt setzte Perry über 24 Stunden lang alle 60 Sekunden eine Statusnachricht auf ihrer Facebook-Seite ab; sie schrieb wieder und wieder nieder, wo sie sich gerade befindet, was sie gerade so treibt. Am Ende verliert sich der Betrachter in der Flut der vermeintlich individuellen einzelnen Posts, nichts von dem, was Perry schrieb, war noch besonders.

Ein Teufelskreis des Kommunizierens und des Konsumierens. Und immer ist all das schnell und laut.

Wann gönnen wir uns mal Stillstand? Wann hören wir auf, nur noch zu arbeiten und anschließend einzukaufen, wann fangen wir an, wieder zu sein? Und wann gleicht unser Leben weniger einer Schleife – wann wird es wieder zu einem unnormalen Abenteuer?

Das sind Fragen, die im Raum sind, wenn wir Perrys Fotos betrachten – die die Künstlerin aber nicht beantwortet. Denn das, so scheint es, können wir am Ende wohl nur selbst. Jeder für sich.


Streaming

So könnt ihr gemeinsam Netflix schauen – ohne am selben Ort zu sein

11.04.2016, 12:32 · Aktualisiert: 31.05.2016, 14:11

Perfekt für Fernbeziehungen!

Bei Netflix kannst du jetzt Filme und Serien gemeinsam mit deinen Freunden schauen, obwohl ihr nicht am selben Ort seid. Möglich macht das ein neues Plug-in für Google Chrome.

Mit "Netflix Party" wird der Film simultan an mehrere Leute gestreamt. Stoppst du den Stream, stoppt er auch bei deinem Netflix-Partner. Außerdem kann man durch das Plug-in einen Chat öffnen, in dem ihr euch über den Film unterhalten könnt – also fast so, als würdet ihr wirklich nebeneinander auf der Couch sitzen.

Fazit: Das Plug-in ist Perfekt für Fernbeziehungen oder einen Serienabend mit Freunden, die entweder sehr faul oder sehr weit weg sind.

So funktioniert's: