Bild: Thomas Balzer

Art

Selfie im Sarg: Was trägst du bei deiner Beerdigung?

09.05.2016, 19:21 · Aktualisiert: 19.05.2016, 11:55

Die Bestatterin hinter dem Projekt erzählt, wie es war, tot zu spielen.

Was würdest du zu deiner eigenen Beerdigung anziehen? Darauf haben wohl die wenigsten von uns eine Antwort. Den Gedanken an den (eigenen) Tod schieben wir im Alltag am liebsten ganz weit weg.

Für das Fotoprojekt "Im letzten Hemd" haben sich nun 50 Menschen mit genau dieser Frage beschäftigt. Die Bilder von Fotograf Thomas Balzer zeigen die Teilnehmer aufgebahrt in dem "letzten Hemd", das sie sich ausgesucht haben.

Initiiert wurde das Projekt von den Geschwistern Hanna und David Roth, Geschäftsführer eines Bestattungsinstituts in Bergisch-Gladbach bei Köln.

Hanna Roth, 28, hat sich dabei auch selbst fotografieren lassen. Im Interview erzählt sie, wie sich das für sie angefühlt hat – und warum der Tod in unserem Leben wieder mehr Platz einnehmen sollte.

Auch du hast dich im letzten Hemd fotografieren lassen. Wie war es für dich, das Resultat zu sehen?

Obwohl ich als Bestatterin täglich mit dem Tod zu tun habe, bin ich beim Anblick des Fotos erschrocken. Es ist ungewohnt, im Liegen fotografiert zu werden, und mit dem weißen Licht sehe ich tatsächlich aus wie tot.

Mich hat dieses Foto daran erinnert, dass ich endlich bin. Und dass jeder Tag ein Geschenk ist, das man nutzen sollte.

Und so sieht es aus, wenn Menschen (fast) tot sind – die Fotostrecke:

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Wie haben die anderen Teilnehmer auf ihre Fotos reagiert?

Die Fotografierten haben es als eine intensive, aber auch interessante Erfahrung empfunden. Die fertigen Bilder zu betrachten, das war für die meisten ein Schock.

Auch bei Angehörigen und Freunden der Teilnehmer lösten die Bilder teilweise starke Reaktionen aus – fast so, wie wenn jemand einen echten Toten sieht. Eine Kollegin aus dem Bestattungshaus hat sich beispielsweise ebenfalls fotografieren lassen. Als wir die Bilder dann gemeinsam angeschaut haben, sind einige von uns in Tränen ausgebrochen.

Das Projekt hat viele Teilnehmer dazu gebracht, zu überdenken, was ihnen im Leben wichtig ist. Bei der Vorbereitung auf das Shooting mussten sie sich fragen: Was bedeutet mir etwas? Was würde ich auf meine letzte Reise mitnehmen? Oft hatte ihr erster Impuls, was sie im Alltag für wichtig halten, bei längerem Überlegen doch keine so große Bedeutung mehr. Andere Dinge wurden dafür wichtiger.

Das Projekt soll einen Kontrastpunkt zu den allgegenwärtigen Selfies setzen. Was stört dich an Selfies?

Heutzutage kann jeder mal eben ein Selfie machen. Diese Bilder haben keine Langfristigkeit und kaum eine Bedeutung. Früher war der Umgang mit Fotos noch völlig anders: Für ein einziges Bild haben sich die Menschen den ganzen Tag fertig gemacht. Sie haben viel seltener Fotos gemacht, über die dann aber gründlicher nachgedacht.

Für unser Projekt waren die Teilnehmer wieder gezwungen, sich auf ein Foto vorzubereiten, sich Gedanken zu machen, und so eine bewusste Erinnerung zu schaffen.

(Bild: Thomas Balzer)

Welchem Umgang mit dem Tod wünscht du dir in unserer Gesellschaft?

Der Tod sollte einen Platz in unserem Leben bekommen. Wir sollten ihn nicht hinter Klinik- und Friedhofsmauern verstecken. Statt kleine Kinder vom Friedhof wegzuzerren, sollten wir ihnen schon früh beibringen, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Denn alles hat seinen Anfang in der Geburt und sein Ende im Tod.

Vielen Menschen fällt es schwer, mit trauernden Mitmenschen umzugehen. Was rätst du in einer solchen Situation?

Der beste Weg ist, auf die Person zuzugehen und dabei authentisch zu bleiben. Jeder Mensch reagiert individuell auf einen Todesfall. Manche brauchen Abstand, manche wollen Freunde um sich herum haben. Deshalb: einfach fragen. Dabei kann man ruhig ausdrücken, wenn man fassungslos, sprachlos und auch hilflos ist. Je authentischer und offener, desto ehrlicher und besser.

Und hier die Bilder, die zeigen, dass diese Menschen tatsächlich nur tot spielen:

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Die Fotos gibt es noch bis zum 18. Juni 2016 in der Kunsthalle Ludwig in Frankfurt am Main zu sehen. Weitere Informationen findest du hier.


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