Bild: David Stewart

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So frustrierend sieht Pubertät aus

01.12.2015, 15:16 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:23

Der Fotograf David Stewart war drei Jahre mit Teenagern unterwegs.

In all ihren Augen liegt die Frustration, die man spürt, wenn man älter wird. Frust, weil der, den man liebt, nicht will. Frust aus Angst vor der Zukunft, dem ersten Job. Frust, weil es nicht schön ist, in den Spiegel zu schauen. Sondern einfach nur nervig. 

Der britische Fotograf David Stewart ist drei Jahre durch Großbritannien gereist, um sich diese Gefühle näher anzusehen. Dafür traf er sich mit jungen Menschen und fotografierte sie in alltäglichen Situationen ihres Lebens. Aus seinen Aufnahmen entwickelte er ein Fotobuch: "Teenage Pre-Occupation". 

Mit einem dieser Bilder hat er jetzt einen Preis gewonnen: den mit 12.000 Pfund (etwa 17.000 Euro) dotierten Taylor Wessing Photographic Portrait Prize. Jedes Jahr wird er von der National Portrait Gallery in London an Fotografen aus aller Welt vergeben.

Gewinnerbild: "Five Girls"

Gewinnerbild: "Five Girls" (Bild: David Stewart)

Wir haben mit David Stewart über seine Arbeit gesprochen.

Sie haben jungen Menschen ein ganzes Buch gewidmet. Warum?

Weil ich den ganzen Tag von Teenagern umgeben bin: Ich habe zwei Söhne und eine Tochter in dem Alter, und die haben ständig Freunde zu Besuch. Wenn ich die so beobachte, komme ich ins Grübeln: Irgendwie kommen sie alle unsicher rüber. Sie wollen ständig wissen, was der andere macht. Es fällt ihnen schwer, eine Entscheidung zu treffen. Gleichzeitig sind sie total neugierig und aufmerksam.


(Bild: David Stewart)

In welchen Situationen haben Sie die Jugendlichen fotografiert?

Ich habe sie natürlich immer gefragt, bevor ich sie fotografiert habe. Ich habe erklärt, dass ich ein Fotobuch über Teenager machen will. Wenn sie zugestimmt haben, habe ich einfach losgeknipst – die Leute gingen ihrer Sache nach. Erst später werden dann Dinge sichtbar, die man sonst vielleicht nicht so schnell sieht. Auf dem Gewinnerbild wird zum Beispiel deutlich, was diese fünf Mädchen beschäftigt und eint – und in ihrer Lebensphase zusammenschweißt: Offenbar ihre Vorliebe für die gleiche Frisur, das gleiche Pullovermodell, Salat und Smartphones.

(Bild: David Stewart)

Teenies sind also alle gleich. Klingt sehr erwachsen.

Ich denke, sie versuchen alle, ganz anders und individuell zu sein. Aber auf den Fotos sehen sie wirklich oft sehr gleich aus. Es gibt verschiedene Arten dieser Gleichheit: Mal ist es das Essen oder der Ausdruck, mal ist es die Technik, die auf dem Tisch liegt.

(Bild: David Stewart)

(Bild: David Stewart)

(Bild: David Stewart)

Im Vergleich zu Ihrer eigenen Pubertät: Was hat sich verändert?

Vieles war einfacher. Wir hatten keinen schnellen Zugang zu all den Informationen und mussten aktiv werden, um etwas herauszufinden. Weil wir das oft taten, hatten wir weniger Angst, Fehler zu machen oder mal ein Risiko einzugehen. Man wusste nicht immer, wo die anderen waren. Man war gezwungen, allein über etwas zu grübeln. Und deswegen tat man viel mehr aus dem persönlichen Instinkt heraus.

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