Art

Warum sich Rechte in Dresden derzeit so über diesen Künstler aufregen

08.02.2017, 11:32 · Aktualisiert: 08.02.2017, 16:04

Diese Installation sorgt in Dresden derzeit für heftige Diskussionen und Polizeieinsätze:

(Bild: dpa/Sebastian Kahnert)

Bei der Einweihung am Dienstag haben rechte Demonstranten mit "Weg mit dem Schrott"- und "Volksverräter"-Rufen gegen das Kunstwerk protestiert und gegen den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Wir haben mit dem deutsch-syrischen Künstler Manaf Halbouni über seine Kunst gesprochen (siehe unten). Er wurde 1984 als Sohn eines Syrers und einer Deutschen geboren, seit 2008 lebt er in Dresden. Dort ist er Meisterschüler bei Eberhard Bosslet an der Hochschule für Bildende Künste. Zuvor studierte er Bildhauerei an der Universität der Schönen Künste in Damaskus.

Vorher noch mal kurz zusammengefasst: Worum geht es überhaupt?

Halbouni hat vor der Dresdner Frauenkirche drei ausrangierte Linienbusse aufrecht aufgestellt. Der 32-Jährige greift mit der Skulptur "Monument" ein Foto auf, das im Jahr 2015 um die Welt ging. Auf dem Bild waren drei aufgestellte Bus-Wracks zu sehen, hinter denen sich Kämpfer in der syrischen Stadt Aleppo vor Scharfschützen der syrischen Armee versteckten.

Die Busse aus Aleppo

Aleppo war viele Jahre die am härtesten umkämpfte Stadt in Syrien. Die syrische Regierung, Rebellen, Kurden und Islamisten beherrschten je Stadtteile – die Zivilisten in der Stadt leiden in allen Vierteln. Seit Dezember 2016 ist die Stadt unter Kontrolle des Assad-Regimes.

Zum Schutz vor Kugeln und Granaten wurden oft Barrieren aus Autowracks aufgebaut. Die drei senkrecht aufgestellten Busse, die das Vorbild für das Kunstwerk in Dresden waren, wurden wahrscheinlich von Kämpfern der islamistischen Miliz "Ahrar al-Sham" errichtet. Fotos zeigen, wie ihre Flagge auf der Barrikade weht.

Warum protestieren Rechte dagegen?

Die Installation gehört zu den Aktionen, mit denen Dresden seiner Zerstörung am 13. Februar 1945 gedenken will. Ein ideologisch hart umkämpftes Datum – noch kurz vor Kriegsende verbreiteten Nazis den Opfermythos einer "unschuldigen Stadt", den auch heutige rechte Bewegungen immer wieder neu befeuern.

Das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis bezeichnete das Kunstprojekt laut der "Sächsischen Zeitung" als "Schwachsinn". Es werde mit der "großen Betroffenheitskeule ausgeholt, während die Dresdner weiter auf ein würdiges Mahnmal zu den Bombennächten" warteten, zitiert die Regionalzeitung Pegida-Vize Siegfried Däbritz. Die kulturpolitische Sprecherin der AfD-Landtagsfraktion, Karin Wilke, interpretiert die Skulptur als gezielte Provokation gegen Pegida:

Offenbar will man ganz bewusst die Dresdner düpieren, um damit die Pegida-Bewegung auf die Barrikaden zu bringen.
Karin Wilke

Warum steht der Dresdner OB deswegen unter Polizeischutz?

Dirk Hilbert (FDP) war bereits im Vorfeld massiv attackiert worden. Der Dresdner Oberbürgermeister hatte Halbounis Installation verteidigt und vor dem Opfermythos in Bezug auf Dresdens Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gewarnt. "Dresden war keine unschuldige Stadt", sagte er.

Daraufhin hetzten viele in den Sozialen Medien gegen Hilbert, auch zum Mord wurde aufgerufen. Seit Freitag steht der Oberbürgermeister deswegen unter Polizeischutz (Sächsische Zeitung).

Die wichtigsten Fakten zum Syrienkrieg auf einen Blick:

SANA
WORLD PRESS PHOTO/Mauricio Lima
Getty Images
dpa/Mohammed Badra
dpa/Mohammed Badra
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Das sagt der Künstler:

Wie hast du die Proteste bei der Einweihung erlebt?

Ich war ja mitten im Gemenge und habe mir die vielen verschiedenen Meinungen angehört. Ehrlich gesagt war ich etwas deprimiert, weil die Störenfriede die Menschen auf dem Podium nicht haben aussprechen lassen. Man kann gern eine andere Meinung haben. Aber wenn man ein Problem lösen will, dann muss man einander zuhören und miteinander sprechen.

Konntest du denn Gespräche unter vier Augen führen?

Ich war den ganzen Tag da und hatte währenddessen einige Gespräche mit Gegnern und Befürwortern. Einige waren interessant, andere haben gar nichts gebracht.

Von den Gegnern kamen immer dieselben Kritikpunkte: Warum eine Installation auf dem Neumarkt? Was hat das hier zu suchen? Und: Nicht auf diesem historischen Platz!

Dem Bürgermeister von Dresden wurde mit Mord gedroht. Die AfD spricht von einer gezielten Provokation durch deine Installation. Hattest du mit so heftigen Reaktionen gerechnet?

Ich war auf starke Reaktionen vorbereitet. Aber etwas liberaler hatte ich mir das schon vorgestellt.

Was erwiderst du auf Kritik aus der rechten Ecke?

Ich will mich mit dieser Arbeit nicht politisch einmischen, ich will auch keine politische Message verbreiten. Es geht mir um ein Zeichen des Friedens.

Du greifst mit deiner Installation ein Foto aus Aleppo auf, das 2015 um die Welt ging. Was bedeuten die drei Busse in deiner Installation für dich?

Die Busse in der Installation sind ein Symbol für die Freiheit und den Frieden, in denen wir hier leben. Deswegen habe ich Linienbusse genommen, keine Wracks wie in Syrien. Ich wollte keine zerstörten Busse haben, weil ich nicht das Kriegsbild hierher transferieren wollte. Das wäre sehr zynisch den Menschen gegenüber, die diese Busse tatsächlich als Barrikaden nutzten.

Es ist nicht das erste Mal, dass du Parallelen zwischen der deutschen Geschichte und dem Schicksal von Flüchtlingen gezogen hast. 2016 hast du zum Beispiel Fluchtautos für Deutsche ausgestellt – vollgepackt mit Dingen, die Deutsche heute vielleicht auf einer Flucht mitnehmen würden.

Es wurde zu der Zeit viel gegen Flüchtlinge propagiert, obwohl man in Deutschland vor 72 Jahren selbst einmal auf der Flucht war. Es ging mir darum, die Vorstellung anzuregen: Wie wäre es, wenn ich selbst in dieser Lage wäre?

Du lebst in Dresden. Wie erlebst du die Stadt?

Mein Vater ist Syrer, er lebt noch in Damaskus. Meine Mutter kommt aus Dresden, ich bin also Halb-Dresdner. Als Kind war ich im Sommer regelmäßig hier und habe meine Großeltern und Tante besucht. Ich habe gesehen, wie sich langsam alles verändert hat, wie alles wieder aufgebaut wurde. Den Neumarkt, wo die Busse heute stehen, kenne ich noch zerstört, mit der Frauenkirche als Ruine. Seit 2008 lebe ich durchgehend in Dresden. Da hat sich wieder sehr viel verändert, vor allem in den vergangenen zwei Jahren.

Was genau hat sich verändert?

Im Moment geht ja eine Welle des Populismus um die Welt. Man merkt, wie das alles beeinflusst, nicht nur in Dresden, sondern überall in Europa. Da ist es besonders wichtig, wieder daran zu erinnern, dass wir miteinander reden müssen.

Die Installation "Monument" soll bis zum 3. April vor der Frauenkirche stehen bleiben (manaf-halbouni.com).


Haha

Der Valentinstag wird erst mit Donald Trump so richtig schön

08.02.2017, 11:22 · Aktualisiert: 09.02.2017, 12:40

Make Liebe Great Again! Und weil der Valentinstag ansteht, kann man die düstere Politik dieser Zeit auch einfach mal kurz vergessen – und Donald Trump stattdessen zum Liebesboten machen.

Der Imgur-User TKFN4212817 hat genau das getan. Irgendwie. Verfassungs- und frauenfeindliche Ausfälle des US-Präsidenten formte er in rosafarbene Liebesbotschaften um.