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  3. Der Künstler Tristan Pigott malt junge Menschen und ihre Gefühle

Bild: Tristan Pigott

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Diese Gemälde sind so realistisch, dass es weh tut

19.02.2016, 07:00 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Tristan Pigott malt Angst, Arroganz und Kontrollsucht – es geht um uns.

Irgendwo zwischen surreal und ganz nah an uns dran bewegen sich die Bilder von Tristan Pigott. Seine Arbeiten zeigen menschliche Charakterzüge und Neurosen des 21. Jahrhunderts: Arroganz, Kontrollsucht, Angst. Seine Themen sind so aktuell wie seine Technik traditionell ist: Er malt mit Öl auf Leinwand.

Die jungen Protagonisten seiner Gemälde tragen Adidas Superstars, sie fassen sich gelangweilt in die Hose, während sie darauf warten, dass die Spaghetti fertig werden. Sie interagieren gleichgültig miteinander, leben einfach aneinander vorbei. Die Szenen wirken alltäglich – und gleichzeitig beunruhigend.

Pigott ist im Moment extrem begehrt: Der 25-jährige Künstler aus London war allein im vergangenen Jahr auf sechs Ausstellungen zu sehen. In Kunst- und Kulturmagazinen werden seine Arbeiten als "Highlight" oder "außergewöhnliche Gemälde" gefeiert.

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"Ich belasse den Hintergrund so frei und abstrakt wie möglich, um die Aufmerksamkeit auf den Vordergrund zu lenken", sagt Pigott im Gespräch mit bento. Es ist die Kombination aus banalen Szenen und hoher Kunst, die die Aufmerksamkeit des Betrachters fordert, ihn mal irritiert und mal seine Fantasie anregt.

Pigott sagt, er finde sich selbst oft wieder in den Alltagssituationen auf den Gemälden, die auf den ersten Blick an Instagram-Schnappschüsse erinnern.

"Contrary Mary"

"Contrary Mary" (Bild: Tristan Pigott)

"Contrary Mary", eins der Lieblingswerke des Künstlers, zeigt ein Mädchen in ihren Zwanzigern, das ihre Brüste betrachtet. In der unteren rechten Ecke liegt ein Magazin, das darauf anspielt, dass die Frau in der Gesellschaft oft nur noch als ein Objekt wahrgenommen wird.

Pigotts Werke hinterfragen, wie viel Wert wir heute auf unser Image legen. Die Figuren in seiner Kunst scheinen sich eher in Smartphones oder Spiegeln zu verlieren, statt miteinander zu kommunizieren. So übertrieben diese Teilnahmslosigkeit wirken mag, so sehr fragen wir uns beim Betrachten, ob nicht auch ein kleines Stück von uns in den Gemälden steckt. Und ob wir uns nicht wieder mehr in den Gesprächen mit anderen verlieren sollten.

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