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  3. Chus Antón fotografiert für "Park Life" junge Menschen und ihr Leben in London

Bild: Chus Antón

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Fotos über Pubertät: So unbeschwert wärst du auch mal wieder gern

12.02.2016, 07:18 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Chus Antón macht in dieser komplizierten Welt Fotos vom Glück.

Sich vom Elternhaus abnabeln, durch ferne Länder laufen, in ausgeleierten Turnschuhen. Entdecken, was Liebe wirklich bedeutet, Partys, Freiheit. Erwachsenwerden ist so unfassbar spannend, so aufregend – und so bildstark, dass der spanische Fotograf Chus Antón, 32, immer wieder auf den Auslöser seiner Kamera drückt.

Es ist Sommer 2015, Antón trifft in einem Londoner Park auf eine Gruppe junger Menschen, die feiern, knutschen, frei sind. Antón ist fasziniert von ihrer Leichtigkeit, ihm kommt die Idee, sie zu fotografieren. Park Life entsteht, Antóns Serie über die Treffen der Clique von nebenan, über Alkohol trinken im Park, über das Großwerden in der großen Stadt.

(Bild: Chus Antón)

Zu sehen sind insgesamt 18 junge Männer und Frauen, die sich zwischen Kaugummiblasen und gedrehten Zigaretten mit ihren Freunden vernetzen. Die Bilder wirken unbearbeitet, alles real. Und immer lässt sich zwischen den Pixeln ein extremes Glücksgefühl finden.

Wenn man erwachsen wird, ist also alles schön sommerlich? Ohne Komplikationen?

Chus Antón, kann es sein, dass es in der Welt auf deinen Bildern keine Probleme gibt?

Chus Antón: Nun ja, wir wollten eben eine richtig positive Botschaft senden: Die Medien und die Gesellschaft tendieren dazu, junge Generationen immer nur schlecht zu machen. Dann wird immer so getan, als sei früher alles besser gewesen – nur die heutigen jungen Leute, die kriegen angeblich nichts gebacken. Das stimmt einfach nicht: In jeder neuen Generation gibt es so viele neue Ideale und Werte, die man schätzen sollte.

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Das stellt man fest, wenn man in einen Park geht und die Kamera auf Jugendliche hält?

Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und uns oft getroffen, bevor ich die Kamera rausgeholt habe. Für mich war es wichtig, dass sich alle gut dabei fühlen, sie sollten sie selbst sein und mich als Fotografen vergessen. Irgendwann war es, als wäre ich einer von ihnen, die Situationen waren natürlich und locker.

Was hast du von deinen Protagonisten gelernt?

Ich habe durch sie realisiert, dass Jungsein schon immer das Gleiche bedeutete, ohne ein Früher, in dem die Dinge anders waren. Ich habe mich in diesen Menschen wiedergefunden, in ihren Unterhaltungen, in ihren Erwartungen an das Leben. Wie sie lachten und zueinander hielten. Irgendwie macht die fehlende Lebenserfahrung diese Zeit zu einer magischen Zeit.

(Bild: Chus Antón )

Nenne fünf Charaktereigenschaften der Menschen, die du fotografiert hast.

  • Sie sind natürlich: Sie fühlten sich alle wohl vor der Kamera.
  • Sie sind tolerant: Sie waren alle sehr offen.
  • Sie sind kreativ: Sie haben sich ständig mit eigenen Ideen in das Projekt eingebracht.
  • Sie sind reif: Sie haben eine sehr genaue Vorstellung davon, was sie mal sein wollen.
  • Sie sind frei: Sie machen die ganze Zeit nur, was sie wollen. Ohne Angst, dafür irgendwie bestraft zu werden.

Ist diese Welt nicht viel zu kompliziert geworden, um glücklich zu sein?

Die Welt ist rau! Aber nachdem ich Park Life gemacht habe, spüre ich Glaube und Hoffnung. Ich hoffe, dass die Generation weiß, dass es möglich ist, loszulegen – damit, diese Welt ein Stückchen besser zu machen.

Chus Antón

Chus Antón wollte schon immer fotografieren. Mit zwölf Jahren bekam er die erste Kamera vom Vater, später ging er auf die Kunstschule in Oviedo, Spanien. Mittlerweile lebt er in London und Barcelona.

Seine Themen: Popmusik, Erwachsenwerden, spanische Filme.

Publikationen:
"Lalaland" über Popkultur in Los Angeles, "Park Life" (in Zusammenarbeit mit Ahida Agirre und Grégory Clavijo, 80 Seiten, 15 Euro) über junge Leute in London.

Folge Chus Antón auf Instagram.

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