Bild: Annique Delphine

Art

Überall sind Brüste! Das hat nur leider nichts mit der Realität zu tun

16.02.2017, 17:13 · Aktualisiert: 20.02.2017, 08:57

Annique Delphine kämpft gegen die Sexualisierung von Frauenkörpern

Brüste sind überall. Ob mit oder ohne BH, sie sind auf den Titelblättern von Zeitschriften zu betrachten, in Filmen, auf dem Werbeplakat im Bahnhof. Meistens sind das Brüste, die schön sein sollen: schön prall, schön glatt, schön gebräunt, schön sexy.

"Ich möchte in einer Zeit leben, in der nackte Frauenkörper nicht sofort mit Erotik verbunden werden", sagt Annique Delphine, Fotografin aus Berlin. Jahrelang arbeitete sie selbst als Model, sie flog um die Welt, lebte einige Zeit in Los Angeles. Über sich gelernt hat sie in all der Zeit nur eins: "Ich bin zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß."

(Bild: Annique Delphine)

Sie bekam Depressionen und Panikattacken, erzählt sie, mit 24 gab sie das Modeln auf. Die ständigen Bewertungen taten ihr weh, sie fühlte sich wie ein Produkt, sagt sie.

Ein Fotograf bezeichnete sie als hässlich, eine Agentin habe ihren Namen nicht gekannt, bis sie ihr den ersten Job buchte. "Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriff, wie viel Schaden mir diese Branche zugefügt hat", sagt Annqiue.

Einen Schaden, gegen den sie nun etwas tun will, für sich selbst und viele andere. Mit diesen Fotos:

Annique Delphine
Annique Delphine
Annique Delphine
Annique Delphine
Annique Delphine
Annique Delphine
Annique Delphine
Annique Delphine
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Was das soll?

Zu sehen sind wieder: Brüste. Doch diesmal gehören sie keinen Modelfrauen. Diese Brüste, in verschiedenen Größen und Hautfarben, sollen daran erinnern, wie vielfältig der weibliche Körper ist – daran, dass er überhaupt vielfältig ist. Und daran, dass keine Frau – niemand! – auf Äußerlichkeiten reduziert werden sollte.

Sie wachsen heraus aus kleinen Blumenbeeten, bahnen sich ihren Weg durch Ritzen im Asphalt. Sie sind die Kugel auf der Eiswaffel, sie quellen aus riesigen Bouquets aus Sahne und Soße und Rosen und bunten Streuseln.

Mal sind sie eingesperrt in einem Käfig, mal sind sie allein, dann schweben sie zu vielen durch die Wüste:

(Bild: Annique Delphine)

Die Bilder zeigen, wie konzentriert wir auf Brüste sind – sogar, wenn sie in einem Kontext präsentiert werden, der mit dem weiblichen Körper nichts zu tun hat. Wer sie einmal erkannt hat, die Brust in der Eiswaffel oder die Brust im Blumenstrauß, der kann die Augen kaum mehr davon abwenden. Weil sie irritiert, weil sie nicht dorthin gehört – aber vielleicht auch, weil wir durch all die Werbeplakate und all die Zeitschriften darauf trainiert sind, auf die Brust zu starren.

Anniques Arbeit erinnert auch daran, dass es mehr gibt als den Busen, dass ein weiblicher Körper mehr bedeutet als das. Er besteht nicht nur aus Geschlechtsteilen, nicht nur aus Haut. Sondern auch aus Gedanken, Farben, Haltungen.

"Frauen werden über Brüste identifiziert. Wenn sie keine haben, gelten sie als nicht vollkommen. Wenn sie große haben, werden sie deswegen oft sexualisiert", sagt Annique. "Ich wette, dass jede Frau mindestens eine Geschichte über ihre Brust erzählen kann, die mit Schmerzen verbunden ist."

Folge Annique auf Instagram oder besuche ihre Ausstellung in Berlin – bis zum 28. Februar in den CoGalleries, Torstraße 170.


Haha

Künstlerkollektiv dichtet Deichkind-Video um – und das ist ziemlich witzig!

16.02.2017, 16:43 · Aktualisiert: 16.02.2017, 17:06

Kennt ihr noch diese witzigen YouTube-Clips, in denen ein Musikvideo neu vertont wird?

Das Prinzip ist simpel und – wenn gut gemacht – sehr, sehr lustig. Einfach die Songlyrics auf das umtexten, was im Video gerade passiert und voilà, fertig sind drei bis vier Minuten Spaß. Und genau das macht jetzt eine neue Facebook-Seite auch mit deutschen Videos.

Hinter der Idee steckt das Kollektiv Wundertütenfabrik. "Wir haben uns gewundert, dass es solche Videos noch nicht auf Deutsch gibt", sagt Sandro de Lorenzo, einer der Macher, zu bento. Also haben sie es einfach selber gemacht.