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Diese Frau hat sich alle Sprüche über ihren Körper angezogen

21.10.2016, 17:22 · Aktualisiert: 22.10.2016, 15:04

Wir haben Jojo Oldham gefragt, was sie sich davon erhofft.

"Sexy" mag ja noch als freundlich gemeintes Kompliment durchgehen. Anders sieht es aus bei Kommentaren wie "Fett!" oder "Rasier deine Beine". Viele Frauen kennen das, was Jojo Oldham seit Jahren erträgt: Kollegen, Bekannte und sogar Freunde äußern sich über das Äußere der Britin. Über ihr Lächeln. Über ihre Bewegungen. Über Hintern, Bauch, Arme, Brüste, Beine, Zähne.

Die Bandbreite der vermeintlichen Komplimente und abfälligen Kommentare ist enorm – sie reichen von "Hubba Bubba" bis "Sheesh".

Irgendwann reichte es der 31-Jährigen – und sie wehrte sich auf kreative Weise: Die Designerin hat all die abfälligen Kommentare und nett gemeinten Komplimente gesammelt, auf ein weißes Kleid aus dünnem Stoff gemalt und angezogen.

Wie das aussieht? So:

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Das Kleid ist sehenswert, aber was erhofft sich Jojo davon? Wir haben sie gefragt:

Jojo, wie bist du auf die Idee mit dem beschriebenen Kleid gekommen?

Ich habe Ende 2014 damit angefangen, all die Kommentare über meinen Körper aufzuschreiben, die ständig in meinem Kopf herumkreisten. Dann habe ich gedacht: Ich sollte ein Kleid daraus machen, dann sind die Kommentare am richtigen Platz – weil ich einfach tragen kann, was andere über mich gesagt haben.

Wie viele Sprüche sind es denn?

Ha, gute Frage eigentlich! Ich habe nie nachgezählt, aber bestimmt um die hundert. Die ältesten, an die ich mich erinnere, haben Leute gesagt, als ich sechs oder sieben war. So Sachen wie "Babyspeck", meistens ging es um mein Gewicht. Ich hab natürlich auch nette Dinge als Mädchen gehört, zum Beispiel: "Du bist wunderschön". Aber eben auch "was für grässliche Zähne".

Wie gemein.

Ich kann darüber lachen, wirklich. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich über so etwas aufregen. Wenn mal wieder jemand etwas Abfälliges über meinen Körper sagt, reagiere ich locker und sage: "Danke". Man muss darüber lachen.

Aus welcher Zeit sind die meisten Sprüche auf deinem Kleid?

Sehr viele sind aus meiner Teenager-Zeit. Das ist ja die Zeit, in der man seinen Körper entdeckt, in der Jungs und Mädchen sich viel mit Sexualität beschäftigen. Jugendliche sind besonders kritisch.

Was willst du mit dem Kleid zum Ausdruck bringen?

Es geht nicht nur um Feminismus, sondern vor allem um unser Bild vom Körper, um Body Positivity. Und darum, glücklich zu sein – und sich einfach zu mögen, wie man ist. Es gibt ja so viel Druck, perfekt zu sein, es geht so oft um das Aussehen. All diese Erwartungen, stark und gesund auszusehen, machen mich kleiner als ich bin.

Willst du deine Kritik verbreiten, indem du das Kleid zum Beispiel vervielfältigst und verkaufst?

Nein, das ist ein Einzelstück. Es sind meine Kommentare, sie sind alle über mich. Deshalb ist es am besten, wenn ich das Kleid mit den Kommentaren darauf anziehe. Jeder könnte also sein eigenes Kleidungsstück tragen, weil das ja auch eine sehr persönliche Sache ist.

Trotzdem kennen dich und dein Kleid jetzt Tausende Menschen. Wie fallen die Reaktionen aus?

Die meisten Kommentare waren positiv, viele tolle Menschen haben sich bei mir gemeldet – vor allem Eltern mit Töchtern im Teenager-Alter: Sie wissen, dass die Mädchen ständig über ihren Körper nachdenken. Und natürlich auch die Jungs.

Gibt's eine Fortsetzung deines Projekts?

Ja, auf jeden Fall. Bald startet eine Ausstellung, in der mein Kleid mit den Kommentaren zu sehen sein wird. Und dann will ich eine Landkarte des weiblichen Körper zeichnen.

Folge Jojo hier auf Twitter oder besuche ihre Website.

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