26.06.2018, 12:19 · Aktualisiert: 26.06.2018, 12:19

Wisst ihr noch, damals im Wald?

Der erste Kuss, der erste Liebeskummer, das Gefühl von Verlorensein, nirgends hingehören. Es gibt viele Gefühle, die zu stark sind, um sie in uns zu behalten. Wir lachen, weinen, reden darüber, schreiben sie auf.

Manchmal verewigen wir sie in der Rinde eines Baumes. In der Hoffnung, sie damit zu konservieren – oder einfach dort zu lassen.

Seit 2012 streift der Fotograf Eirik Johnson durch Wälder und Parks und fotografiert Botschaften, die Menschen in Bäume geschnitzt haben. Nachts, wenn alles dunkel ist, macht er sie sichtbar. Er stellt seine Kamera auf, beleuchtet sie mit blauem Licht, entzündet Fackeln, manchmal Wunderkerzen. An anderen Abenden reicht der Schein des Mondes.

(Bild: Eirik Johnson)

"Die dunklen Stunden sind es auch, in denen ein Teenager in einen bewaldeten Park verschwinden würde, um eine Botschaft oder einen Songtext in einen Baum zu ritzen", sagt Johnson.

Er nannte sein Projekt "Pine" – wie die Kiefer, aber auch wie das Verb "verzehren", das die Sehnsucht und Nostalgie im Herzen dieser Bilder beschreiben soll, so Johnson.

Woher kam die Idee, Baum-Botschaften zu fotografieren?

Es war Winter und der heute 44-Jährige wanderte mit seinem Sohn durch einen städtischen Wald. Der Abend brach an und der Weg war steil, sodass Johnson eine Taschenlampe auspackte. Auf dem Weg fiel der Lichtkegel auf einen Erlenbaum, in den jemand "I Love Lianne" geritzt hatte.

#nofilter

Werbeplakate, Fitness-Accounts, die Instagram-Storys von Khloé Kardashian: Ist hier eigentlich noch irgendwas echt? Unsere Fotoserie #nofilter zeigt Menschen, ohne bezahlte Partnerschaften und mit realistischen Problemen. Hier gibt es Bilder und Illustrationen, die wichtige Fragen stellen.

"In dem dramatischen gelben Lichtstrahl sah es aus wie eine Wasserruine, die ich beim Tauchen gefunden hatte", sagt Johnson. "Ein emotionaler Ruck durchfuhr mich. Ich wollte wissen, wer Lianne war und wer sie so sehr liebte, dass er sich gezwungen sah, diese Worte in eine Rinde zu schnitzen."

Das war 2012. Fortan suchte der Fotograf immer wieder nach diesen versteckten Botschaften: Wenn er durch einen Park spazierte, einen städtischen Wald oder über einen einsamen Parkplatz in der Nähe einer Schule.

Eine Auswahl von Eirik Johnsons Bildern:

Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
Eirik Johnson
1/12

"Die meisten Schnitzerein fand ich in Parks entlang eines Flussufers oder überall dort, wo ich mir vorstellen konnte, wie Teenager bei Dämmerung verschwinden, um Erklärungen von Liebe, Entfremdung oder etwas dazwischen zu hinterlassen."

Sie bei Nacht zu fotografieren sei sein Weg gewesen, eine Verbindung zu diesen Gefühlen aufzubauen, sagt Johnson.

"Wir alle wollen unsere Gefühle ausdrücken, wie wir lieben und geliebt werden wollen, wie wir verstanden werden wollen. Es ist grausam und zärtlich, dieses Verlangen in den Stamm eines Baumes zu ritzen."

Die Bäume werden zu unseren Vertrauten.
Eirik Johnson

Viele der Botschaften enthielten außerdem Verbindungen zu Musik. Auf dem Stamm einer mächtigen Eiche etwa stand einfach nur der Name der britischen Band "The Smith's", auf einem anderen "I miss Kurt". Während Johnson an seiner Sammlung arbeitete, kamen immer wieder eigene Erinnerungen an Musik in ihm hoch, die emotionale Bedeutung aus seiner Jugend haben.

Deswegen fragte Johnson sieben Musiker, Songs zu je einem speziellen Bild zu komponieren. Festgehalten wurden sie natürlich auf Vinyl. "Es schien passend, wenn man bedenkt, dass die Lieder in die Oberfläche geritzt werden."


Im Herbst wird die Platte zusammen mit Eirik Johnsons Buch "Pine" veröffentlicht. Hier geht es zur Seite des Verlags.


Today

Greenpeace verteilt Farbe rund um die Siegessäule – und den Fahrradfahrern gefällt das gar nicht

26.06.2018, 11:28 · Aktualisiert: 26.06.2018, 12:03

Die Aktion hat einen Haken.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Dienstagmorgen 3500 Liter gelbe Farbe um die Siegssäule in Berlin verteilt. Aus der Vogelperspektive sehen die Straßen und der Platz wie eine Sonne aus.

Die Botschaft der Aktivisten: Sonne statt Kohle. Es geht also um den Kohleausstieg.