Bild: Karsten Kaminski

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In diesen Comics sind Schwule und Lesben die Helden

26.01.2016, 09:01 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Eine Ausstellung in Berlin zeigt, was lange verboten war.

Der Raum ist in grell gelber Farbe gestrichen, dort hängen Bilder von maskierten, leicht bekleideten Frauen und Männern, daneben kleben Sprechblasen. In diesem Raum sind sie "SuperQueeroes", schwule und lesbische Comichelden.

Im Schwulen Museum in Berlin läuft derzeit eine Ausstellung über homosexuelle Comicstars. Dass ein Museum dieses Thema aufgreift, passiert zum ersten Mal in Deutschland – dabei unterscheiden sich die Geschichten der "SuperQueeroes" kaum von denen der Mainstream-Comichelden. In beiden Fällen geht es um Wagnisse, Liebe, um den Kampf für Gerechtigkeit.

Plakat zur Ausstellung

Plakat zur Ausstellung (Bild: Sven Marcel / Schwules Museum Berlin)

Dass diese Abenteuer von homosexuellen Figuren gelebt werden – und dass sich die Bilder dazu in einer Ausstellung betrachten lassen – das war nicht immer so. Vor 50 Jahren mussten die Queer-Comics noch unter den Ladenflächen verkauft werden. Homosexualität stand in vielen Ländern unter Strafe.

Im Laufe der Jahre haben immer mehr Menschen gegen die Diskriminierung von Homosexuellen demonstriert und sich für Akzeptanz von Schwulen und Lesben eingesetzt, auch die Queer-Comics wurden einem immer breiteren Publikum bekannt.

Mittlerweile gehören sie in den meisten westlichen Kulturen zum Comicsortiment – aber es gibt auch noch immer Länder, in denen Verkauf und Verleih der Hefte nicht zur Normalität gehören: "In den USA protestieren zum Beispiel einige Konservative, weil sie nicht wollen, dass es Queer-Comics in Bibliotheken gibt. Dabei würden sie der Aufklärungsarbeit sehr dienen, man könnte sie als Unterrichtsmaterial verwenden", sagt Markus Pfalzgraf, Kurator der Berliner Ausstellung.

Wir haben uns die Ausstellung genauer angesehen und mit den Zeichnern der Comics über ihre Kunst gesprochen.

1. Thema: Aids / HIV

Kevin L. Miller: "Safersex Dude" (1990), Aids Foundation San Diego

Kevin L. Miller: "Safersex Dude" (1990), Aids Foundation San Diego (Bild: Karsten Kaminski)

Gerade in den 1980er Jahren nutzte man Queer-Comics zur Aufklärung: Die "Safer Sex Dudes" sollten dabei helfen, das in der Homosexuellen-Szene weit verbreitete Problem Aids unter Kontrolle zu bringen. Heute machen sie das immer noch, allerdings sind sie der Szene unter einem anderen Namen bekannt: Sie sind "Stigma Fighter", die gegen die Ausgrenzung von HIV-Positiven kämpfen.

2. Thema: Lesbische Superheldinnen

C. Morrison / Phil Jimenz / John Strokes: "The Invisibles" (1997)

C. Morrison / Phil Jimenz / John Strokes: "The Invisibles" (1997) (Bild: Karsten Kaminski)

Frauen werden in den Comics oft als starke Heldinnen präsentiert. Die Figur Lord Fanny wird, wie im Bild, zum Beispiel als lesbische Söldnerin dargestellt. Der Comiccharakter ist Brasilianerin – bei ihrer Geburt wurde Fanny offiziell als Junge eingetragen.

Ihre Großmutter, eine gefürchtete Hexe, wollte dies nicht akzeptieren: Männer konnten in der Geschichte keine Hexe werden, die Großmutter sah ihr Erbe in Gefahr – und erzog Fanny kurzerhand als Mädchen. Nach dem Tod ihrer Mutter prostituierte sich Fanny, wurde vergewaltigt und versuchte schließlich, sich das Leben zu nehmen. Letztlich schließt sich Fanny einer Gruppe von Freiheitskämpfern an. In "The Invisibles" wird sie zur Superheldin.

3. Thema: Gei-Mangas

Gengoroh Tagame: "Ma Brother´s Husband" (2014)

Gengoroh Tagame: "Ma Brother´s Husband" (2014) (Bild: Karsten Kaminski)

In Japan ist es verboten, Genitalien darzustellen. Die Comiczeichner malen deshalb nur die Umrisse der Geschlechtsteile – der Betrachter kann sich meistens aber trotzdem denken, worum es geht. Viele Comics erzählen von tragischen Liebes- oder krassen Sexgeschichten. Als Pionier der Gei-Mangas gilt Gengoroh Tagame.

Und wer steckt hinter diesen Zeichnungen?

1. Justin Hall, Cartoonist aus San Francisco

Justin Hall

Justin Hall (Bild: Karsten Kaminski)

"Glamazonia" von Justin Hall

"Glamazonia" von Justin Hall

Mein Comic-Star ist "Glamazonia". Sie ist eine starke Transfrau – sie macht einfach alles, worauf sie gerade Bock hat. Sie ist stark, sie ist wild, eine echte Draufgängerin eben. Mit diesem Comic will ich mich ein bisschen über die Queerwelt lustig machen. Ich will zeigen, dass einige Klischees zu übertrieben ausgelebt werden. Gleichzeitig will ich aber auch zeigen, wie vielfältig unser Leben ist – und wie viel Spaß wir haben können. Deshalb passt diese Comicfigur gut zu mir. Ich mag es verrückt.

2. Imke Schmidt und Ka Schmitz, Comic-Zeichnerinnen aus Berlin

​Imke Schmidt (links) und Ka Schmitz

​Imke Schmidt (links) und Ka Schmitz (Bild: Karsten Kaminski)

Bild zum Projekt "Ich sehe was, was du nicht siehst" von Imke Schmidt und Ka Schmitz

Bild zum Projekt "Ich sehe was, was du nicht siehst" von Imke Schmidt und Ka Schmitz (Bild: Karsten Kaminski)

Ka: Mit unserem Projekt „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zeigen wir, wie Diversität im Comic funktioniert. Wir haben uns selber dargestellt und diskutieren darüber, ob man Strichmännchen neutral darstellen kann. Damit reflektieren wir unsere Arbeit und wollen zeigen, welche Rolle die Gender-Debatte für uns als Zeichnerinnen hat.

Imke: Ein anderes Projekt von uns ist „Jungs Club“. Dabei schauen wir, welche Eigenschaften die Gesellschaft Jungen und Mädchen zuschreibt. Was bedeutet es, wenn du als Mädchen kurze Haare hast und im Judo-Verein bist? Das sind Erfahrungen, die wir auch selbst erlebt haben – und jetzt in den Comics darstellen.

3. Thilo Krapp, Queer- und Kinder-Comicdesigner aus Berlin

(Bild: Karsten Kaminski)

Comic-Cover von Thilo Krapp

Comic-Cover von Thilo Krapp (Bild: Thilo Krapp)

Mit meinem Comic "Damian & Alexander" erzähle ich die schwule Tarzan-Geschichte. Damian ist emotional und leicht unsicher. Alexander ist eher ruhig und überlegt viel. Beide Charaktere haben Eigenschaften von mir. Als ich jung war, da fehlten mir schwule Abenteuer-Geschichten, deshalb habe diesen Comic entwickelt.

Für diese Geschichten musste ich aber auch schon viel Kritik einstecken, zum Beispiel in Comic-Foren hier in Deutschland. Es gibt viele Leser, die lieber nur das Gewohnte lesen wollen. Geschichten, die mal anders erzählt werden, stören viele leider noch. Ich finde es aber wichtig, mal über den Tellerrand zu gucken.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Juni 2016.

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