Bild: Andy Kassier

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Ein Luxusleben auf Instagram und was wirklich dahinter steckt

29.03.2016, 07:00 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:29

Andy Kassier über seinen Jet-Set-Lifestyle

"Der Erfolg ist nur ein Lächeln entfernt", sagt Andy Kassier. Schnauzer, strahlendes Lächeln, Playboybrille: So zeigt sich der selbsternannte Mister Success auf Fotos.

Andy zeigt das Leben der High Society. Seit drei Jahren bildet der 26-Jährige sich mit vermeintlichen Statussymbolen ab: teure Autos, Villen, Tennisplätze und ferne Orte. Andy, der ursprünglich aus dem Ruhrgebiet kommt, führt ein ausschweifendes Leben voller Luxus. Zumindest sieht es im Internet danach aus: Andy shoppt so sauber, dass man sich in seinen Selfies spiegeln kann. Der Fotograf weiß nicht nur, wie das perfekte Selfie-Licht aussieht, sondern auch wie man den Lifestyle der Reichen und Schönen imitiert. Oder ist er wirklich so wohlhabend, wie er auf seinen Bildern aussieht?

Wir haben Andy Kassier in Berlin getroffen, wo er gerade Station macht, und uns über das schöne Leben und dem Schlüssel zum Erfolg unterhalten.

Fotos: So sieht das Luxus-Leben von Andy Kassier aus

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Du weißt, wie Erfolg aussieht. Was muss man dafür machen?

Harte Arbeit ist das Wichtigste, egal, für welchen Weg man sich entscheidet. Ob das Erfolgreich aussehen funktioniert, entscheidet dagegen der Betrachter.

Ist es nicht anstrengend, so perfekt auszusehen?

Das ist Training. Man gewöhnt sich an, für den Auftritt bereit zu sein.

Du sprichst von Auftritt, ist der reiche und erfolgreiche Andy Kassier nur Show?

Das ist das Bild, das alle von mir haben. Was dahinter passiert, und wie es zu diesen Aufnahmen kommt, ist eine andere Sache.

Wie ist das bei dir?

Für mich ist Materialismus total old school. Es geht nicht darum, etwas zu besitzen, sondern um die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit mit etwas zu sein: Verfügbarkeit statt Besitz. Ich will kein Auto haben, aber ich möchte eines fahren, vielleicht nur einen Tag, eine Woche, ein Jahr - aber es muss mir nicht gehören, denn ich brauche es nicht.

Warum zeigst du dich dann in einem luxuriösen Umfeld?

Ich zeige, dass man alles besitzen kann, ohne es wirklich zu haben. Meine Fotos sind eine Kritik an übermäßigem Konsum und Materialismus.

Warst du an all den Orten oder ist das fake?

Ich war bisher überall, nur vielleicht nicht mit dir auf den Seychellen.

Wenn du so oft unterwegs bist, wie riecht es am Flughafen?

Flughäfen riechen immer nach Veränderung, man weiß genau, dass etwas passiert. Es ist die beste Blase, die es gibt: Man ist nicht erreichbar, man hat Zeit für sich und gelangt an einem neuen Ort. Man wartet zwar für eine gewisse Zeit, doch wenn ein Flug Verspätung hat, bekommt man auch noch Geld dafür.

Der Flughafen ist Teil deines Erfolgs?

Da ich keinen festen Wohnsitz habe, bin ich theoretisch immer auf Reisen und führe einen Jet-Set-Lifestyle.

Wie die erfolgreichen Geschäftsführer, die von einem zum nächsten Termin fliegen ...

Mit dem Unterschied, dass sie ungefähr 20 Kinder und drei Frauen zu Hause haben und immer zum gleichen Ort zurückkehren.

Post-Internet-Künstler machen Werbung zum Teil ihrer Arbeit. Wie ist das bei dir?

Werbung hat mich auf einer unbewussten Ebene beeinflusst. Es ist nicht so, dass ich mir Werbung gezielt ansehe, doch die Charaktere, die ich als Andy Kassier darstelle, ergeben sich durch die Dauerbeschallung von Werbung. Ich muss mir keine Gedanken machen, wie ich diese Rolle spiele, die Vorstellung davon ist bereits in mir.

Natalie mit Andy ... auf den Seychellen?!

Natalie mit Andy ... auf den Seychellen?! (Bild: Andy Kassier)

Deine perfekten Bilder erinnern schon sehr an Werbung.

Das ist die Ästhetik von professionellen Kampagnenschüssen guter Fotografen, für die ich gearbeitet habe. Ich mag diese überperfekte Welt, die in der Realität nicht möglich ist. Surrealität, die Vorstellung der perfekten Welt, ist die Kommerzmaschine, die Menschen antreibt, zu konsumieren.

Gibt es eine Film- oder Werbefigur, die dich geprägt hat?

Es gibt keine speziellen Figuren. Auf meinen Bildern zeige ich Schnappschüsse. Die Personen darauf sind fluid – sie ändern sich, existieren oft nur für diesen Moment, in dem ich sie mit dem Auslöser festhalte.

Selbstporträts und Selfies haben dich dahin gebracht, wo du jetzt bist?

Ja, und lesen natürlich. Die wichtigste Art Informationen zu bekommen, unabhängig von Mentoren oder Freunden. Bei mir bezieht sich das speziell auf Lektüre über Business und Persönlichkeitsentwicklung. Da gibt es viele Blogs, Bücher und Plattformen. Wenn man einmal anfängt zu suchen, verlinken sich die Gedanken wie von selbst.

Hast du auch dicke Handbücher zu Photoshop studiert?

Die habe ich nie gelesen, ich habe einfach gemacht. Mit 13 Jahren habe ich angefangen, Bildbearbeitungsprogramme zu nutzen und viele Jahre täglich damit gearbeitet. Bei Photoshop gibt es viele Wege, um ans Ziel zu kommen.

Bei Photoshop gibt es viele Wege, um ans Ziel zu kommen.
Andy Kassier

Wenn dir jemand eine Million Euro anbietet, würdest du sie nicht nehmen?

Das hängt von der Bedingung ab. Geld ist immer eine Möglichkeit, um etwas zu machen. Was man damit macht, ist eine andere Sache. Mit dieser Million könnte man sehr vielen Kindern, die Möglichkeit geben, eine Schule zu besuchen, aber es ist nicht notwendig, sich davon einen neuen Porsche zu kaufen.

Gibt es neben dem ironischen Andy auch noch den von früher?

Man entwickelt sich weiter. Da sich so gut wie alle Leute aus meiner Jugend, noch an dem gleichen Ort befinden, an dem ich sie damals getroffen habe, glaube ich, dass wir uns sehr weit entfernt haben.

Du bist damals zum Studium weggezogen?

Ich bin gegangen, um Künstlern zu assistieren, habe angefangen, in der Werbung zu arbeiten und mich selbstständig gemacht. Nebenbei habe ich dann angefangen, zu studieren.

Wenn du nackt auf einem Berg posierst, mal eine Frau bist, mal mit nassem Hemd im Pool planscht, ist das jedes Mal ein anderer Andy Kassier?

In gewisser Weise ist das ein Teil von mir, doch es sind verschiedene Rollen, die ich spiele.

Der Andy, der jetzt neben mir sitzt, ist der Berufssohn oder Porscheliebhaber?

Vielleicht ist er der Porsche fahrende Künstler, davon gibt es auch ein paar.

Nimmst du mich mit auf eine Spritztour?

Klar, der 911er hat sogar eine Rückbank.

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