Bild: 1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille

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Zwei Fotografinnen feiern den weiblichen Hintern – und es ist wunderschön

17.09.2017, 11:22 · Aktualisiert: 18.09.2017, 19:28

Er kann rund sein, er kann flach sein. Er kann schlaff sein, er kann knackig sein, er kann haarig sein oder samtweich. Das Einzige, was feststeht, ist: Wir haben alle einen.

Die Rede ist von unseren Hintern. Einem Körperteil, mit dem trotzdem viele Menschen hadern – besonders Frauen.

Um das zu ändern, haben zwei kanadische Fotografinnen ein Fotoprojekt begonnen: Emilie Mercier und Frederique Marseille aus dem kanadischen Montreal, seit ihrer Kindheit beste Freundinnen. Ihre Arbeit nennen sie 1001fesses, also: 1001 Pobacken. Und genau darum geht es: Schon 250 Hintern haben sie fotografiert, von Frauen in allen möglichen Formen und Altersstufen.

(Bild: 1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille)

Trotzdem ist das Projekt alles andere als Massenabfertigung. Emilie und Frederique nehmen sich für jedes Model Zeit, lernen sie kennen und sorgen dafür, dass die Fotos in entspannter Atmosphäre entstehen. Die Modelle finden sie über eine Facebook-Gruppe. Dort posten sie die Stadt, in der das nächste Shooting stattfinden soll. Die erste Frau, die sich meldet, wird fotografiert. Egal, wie sie aussieht.

Im Interview erzählt Frederique uns, wie es zu "1001fesses" kam – und wie es ihr geholfen hat, ihren eigenen Körper mehr zu lieben.

Warum habt ihr beschlossen, Hintern zu fotografieren?

Wir haben an Freundinnen, Müttern, Medien und uns selbst bemerkt, dass der Hintern der ungeliebtete Teil unseres Körpers ist. Es ist schwer, eine Frau zu finden, die ihren Hintern tatsächlich liebt und so annimmt, wie er ist. Auch wir selbst mögen die Dehnungsstreifen und die Cellulite an unserem Hintern nicht.

Wir dachten, es wäre eine gute Idee, sich dieses Komplexes mal anzunehmen. Und anderen, ebenso wie uns selbst, zu helfen, unseren Körper zu lieben – und ihn gleichzeitig auch etwas weniger ernst zu nehmen.

(Bild: 1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille)

Was ist das Besondere an Hintern als Fotomotiv?

Hintern sind witziger als Brüste oder eine Vagina, sie sind außerdem weniger sexuell. Und da wir keine Frontalaufnahmen machen, hat es etwas Geheimnisvolles, Pobacken anzuschauen.

Außerdem ist es ein Körperteil, den wir alle haben – auch Männer! Und bei so viel Vielfalt ist es schön, verschiedene Hintern auf Fotos nebeneinander zu sehen.

Hintern zu fotografieren gab uns schließlich auch die Möglichkeit, die Anonymität der Models zu bewahren, da sie immer von hinten abgebildet sind.

Aber, weißt du was?

Eigentlich haben wir über all das gar nicht so sehr nachgedacht. Wir wollten bloß alle möglichen Arten von Hintern sehen!

So unterschiedlich (und so schön) sind die fotografierten Hintern:

1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille
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Hat die Arbeit an 1001fesses etwas daran geändert, wie ihr euren eigenen Körper seht?

Na klar – darum ging es ja auch: dass wir die Vielfalt entdecken, und dass wir uns mit uns selbst wohler fühlen.

Am Anfang haben uns viele Leute kritisiert, weil wir "jung" sind, und durchschnittliche Körper haben. Aber das zeigt für mich nur das Unverständnis davon, wie komplex Selbstbewusstsein ist: Denn das alles liegt in unseren Köpfen, und nicht daran, wie jemand tatsächlich aussieht.

Wir beiden sind in einer westlichen, leistungsorientierten Gesellschaft aufgewachsen, die sehr hohe Ansprüche an das Aussehen von Frauen stellt. Dieses Projekt, und ganz besonders die Gespräche, die wir mit den Frauen führen, haben uns wirklich geholfen, geduldiger und freundlicher zu uns selbst und anderen zu sein.

(Bild: 1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille)

Wie läuft so ein Shooting ab?

Emilie und ich sind immer beide anwesend. Wir wissen vorher nie, wie der Ort aussehen wird: Das Model sucht sich selbst aus, wo sie sich wohlfühlt, und welcher Ort am besten zu ihr passt. Das kann in ihrer Küche sein, draußen im Wald, beim in den See Springen, egal!

Das Shooting selbst dauert höchstens 15 Minuten, Emili macht etwa 3-4 Bilder. Alle unsere Fotos werden mit einer 120mm Kamera gemacht und niemals gephotoshopt.

(Bild: 1001fesses: Emilie Mercier/Frederique Marseille)

Und ist es für die Modelle schwierig, sich beim Shooting zu entspannen?

Die meisten unserer Models sind nicht besonders selbstbewusst, wenn es um Nacktfotos geht. Die meisten von ihnen haben so etwas noch nie gemacht – und fühlen sich in etwa so, wie sich jemand fühlt, bevor er ins kalte Wasser springt.

Deshalb nehmen wir uns vor dem Shooting auch eine Stunde Zeit für eine Tasse Tee und ein Gespräch – damit sich alle wohl fühlen.

Denn auch für uns ist das jedes Mal etwas Besonderes:

Eine Frau, die einen Körper hat, der sich auf einzigartige Weise bewegt, der steht, der sitzt.

Während des Shootings ist es meine Aufgabe, mit dem Model zu reden, ein paar Witze zu erzählen oder ihr zu sagen, wie schön sie ist. Wenn es vorbei ist, gebe ich ihr schnell eine Decke, und schon ist es vorbei. Schneller als ein Besuch beim Gynäkologen!


Gerechtigkeit

Wen soll ich wählen, wenn ich endlich fair für meine Arbeit bezahlt werden will?

17.09.2017, 09:55

Streitthema Pflege

Deutschen Arbeitnehmern geht es gut. Zumindest im internationalen Vergleich. Und auch, wenn man sich die Zahlen von früher ansieht. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 5,5 Prozent (Stand: Juni 2017). So niedrig war der Wert zuletzt vor 25 Jahren. 44 Millionen Deutsche sind in einem Beschäftigungsverhältnis. Es herrscht fast Vollbeschäftigung.

Viele Arbeitnehmer sind festangestellt und werden gut bezahlt. Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Anwärter darauf. Außerdem ist die Jugendarbeitslosigkeit die niedrigste in Europa.

Klingt alles erst Mal ganz gut.